Der oft raue, einsame Norden der Costa Brava hat seinen ganz ureigenen Zauber. Ein exzentrischer Künstler prägte diese Küste wie kein anderer – dazu lockt Kulinarisches wie Schaumwein in Champagner-Qualität.

Frühmorgens um sieben – über der weiten Bucht von Roses hängt noch ein hauchfeiner Nebel. Erst drei, dann fünf, zuletzt ein Dutzend Fischerboote ziehen mit wummernden Schiffsdieseln im Konvoi an schroffen Felsinseln vorbei und nehmen Kurs aufs offene Mittelmeer.

Abends werden sie, von Möwen umkreist, mit ihrer Beute zurückkehren: Meerbarben, Seezungen und Tintenfische zum Beispiel, die sofort in Eisboxen gepackt und in den flachen Auktionshallen am Kai versteigert werden. Frittierte Fischstäbchen kommen hier so schnell nicht in die Pfanne.

Die nördliche Costa Brava ist völlig anders als der Ruf, unter dem der ganze Küstenstrich bisweilen leidet. Sie umfasst die Region Alt Empordà, reicht von der französischen Grenze etwa fünf Autobahnabfahrten Richtung Barcelona hinunter und gibt sich an vielen Orten noch so urtümlich und rau, wie ihr Name schon sagt (brava heißt wild, ungezähmt).

Wie eine gewaltige Pranke liegen die Ausläufer der Pyrenäen mit der felsigen Halbinsel Cap de Creus im türkis leuchtenden Meer. Der Sage nach hat Orpheus, der thrakische Sänger, das Gebirge mit einem Lied ins Wasser gelockt. Schneebedeckte Felsgipfel am Horizont, nach Lavendel und Thymian duftendes Bergland, kleine, stille Fjorde und riesige Strände an der weiten Bucht von Roses – die Landschaft ist unglaublich abwechslungsreich. Über all das ergießt sich ein beinahe mystisches Licht, das seit jeher Dichter und Maler angelockt hat. „Die Vormittage sind hier von einer wilden Fröhlichkeit, die Abende oft von einer morbiden Melancholie“, hat der wichtigste Künstler der Region einst gesagt: Salvador Dalí.

In Figueres,

dem Hauptort der Region Alt Empordà, liegt das Erbe des genialsten Anarchisten der Kunstgeschichte. Wer in dieser Region Urlaub macht, wird dem – nach Madrids Prado und Bilbaos Guggenheim – meistbesuchten Museum Spaniens mit Sicherheit einen Besuch abstatten. Das Teatre-Museu Dalí, Wahrzeichen der gemütlichen 40.000-Einwohner-Stadt Figueres im Landesinneren, grüßt als Kathedrale des Surrealismus mit XL-Betoneiern und schlanken goldenen Figuren auf dem Dach und einem Feuerwerk von skurrilen Skulpturen, Gemälden und Installationen in den weiten Räumen, vom „Mae-West-Saal“ bis hin zum „Verregneten Cadillac“-Oldtimer mit Sprinkleranlage zwischen den Sitzen. „Der Unterschied zwischen mir und einem Verrückten besteht darin, dass ich nicht verrückt bin“, hat der 1989 verstorbene Exzentriker und Hauptvertreter des Surrealismus gesagt, dessen Überreste unter einer schlichten Platte in der Halle seines Museums begraben liegen.

Wer Dalís Zauber

nun verfallen ist und zugleich einen der schönsten Orte der Alt Empordà besuchen will, fährt weiter Richtung Meer über mutig gewundene Serpentinen nach Cadaqués, das sich in eine Bucht am äußersten Zipfel des Cap de  Creus schmiegt. Geparkt wird direkt am Ortseingang; das 3.000-Seelen-Künstlerdorf mit schmalen, weißgetünchten Häusern und Galerien ist am besten zu Fuß zu erkunden. In der nahe gelegenen Bucht von Portlligat steht dann das Anwesen, in dem Dalí mit seiner Muse Gala lange lebte und arbeitete – der verwinkelte Fuchsbau voll bizarrer Kunst ist ebenfalls zu besichtigen, am Eingang grüßt ein ausgestopfter Eisbär.

Nach so viel Kultur lockt nun aber der Strand, und da hat die Region ein wahres Prachtexemplar zu bieten. Gut sechs Kilometer lang und bis zu 100 Meter breit ist die Platja de Sant Pere Pescador, selbst zur Hochsaison nie überlaufen. Das Klischee vom Teutonengrill erfüllen eher Orte wie Tossa de Mar an der südlichen Costa Brava. Windsurfer kommen hier auf ihre Kosten, es gibt viele Campingplätze – ein Strand wie aus dem Bilderbuch.

Wer das nahe gelegene Roses besuchen will, größter Hafenort der Region mit gut 20.000 Einwohnern, bezieht am besten einen der guten Campingplätze am Ortseingang. Stellplätze mit Stromanschluss sind hier Mangelware, viele Parkplätze für Reisemobile gesperrt, was aber kein Problem ist: Über die lange Uferpromenade gelangt man schnell ins quirlige Zentrum, ein Weg entlang des Wassers führt weiter an Yacht- und Fischereihafen vorbei in die Nachbarbuchten Canyelles Petites und L’Alma drava mit kleinen, traumschönen Stränden. Dann verliert sich der Pfad in der Bergeinsamkeit.

Wer von Roses eine schmale, gewundene Piste weiterfährt, landet nach einigen Kilometern in der stillen Cala Montjoi. Hier liegt verrammelt und verriegelt El Bulli, eines der besten Restaurants der Welt. Sterne-Chefkoch Ferran Adrià hat für zwei Jahre dichtgemacht, will ganz in Ruhe neue Rezepte erfinden – auch solche Extreme gibt es hier im rauen Norden der Costa Brava.

Campingplätze

Camping Rodas:
Kurz vorm Ortseingang von Roses und rund 500 Meter vom Strand entfernt steht man hier familiär unter Maulbeer- und Eukalyptusbäumen. Kleine Bar, Pool, Chip-Waschmaschinen, großer Supermarkt nahebei.
Geöffnet vom 1. Juni bis 30. September.

Standort:
Punta Falconera 62
E-17480 Roses
GPS 42°16’07”N, 03°09’08”O
Telefon +34-972-257617
www.campingrodas.com

Camping Salatà:
Nahe zum Zentrum von Roses zwischen Apartmentanlagen und Hotels gelegen, unweit der langen Strandpromenade des Stadtteils Santa Margarida. Netter, überschaubarer Platz mit Pool, Tischtennis, Kinderspielplatz und Minigolf (zur Hochsaison).
Geöffnet von Anfang März bis Anfang/Mitte Dezember.

Standort:
Carrer Port Reig
E-17480 Roses
GPS 42°15’59”N, 03°09’22”O
Telefon +34-972-256086
www.campingsalata.com

Camping Aquarius:
Schöner Platz bei Sant Pere Pescador, direkt am riesigen Strand. 432 Parzellen, ebenes Wiesengelände mit Bäumen, Bar, Restaurant, kleinem Supermarkt, Minigolf, Massage, Waschsalon, Kinderhort.
Geöffnet vom 15. März bis 31. Oktober.

Standort:
E-17470 Sant Pere Pescador,
GPS 42°10’60”N, 03°06’50”O
Telefon +34-972-520003
www.aquarius.es

Restaurants

Mas Lledoner:
An der Landstraße zwischen Roses und Vilajuiga liegt etwas erhöht dieses Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert. Spezialität sind Leckereien vom Eichenholzgrill, etwa Entenbrust mit Honigsauce. Feine Desserts, schöne überdachte Terrasse.

Ctra. Vilajuiga
E-17480 Roses
Telefon +34-972-253192

Ona:
Direkt am Stadtstrand von Roses zwischen Hafen und Surfschule sitzt man gut auf hölzerner Terrasse und verspeist liebevoll angerichtete Salate, Snacks und Tapas. Leckere Cocktails, zur Saison abends auch Disko.

Avd. de Rhode
E-17480 Roses
Telefon +34-972-150968

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Sehenswertes

Teatre-Museu Dalí:
Weiträumig ausgeschildert, liegt im Zentrum von Figueres das große Dalí-Museum, ein markanter Bau mit goldenen Figuren und Eiern auf dem Dach, drum herum skurrile Skulpturen und Cafés. 1974 eröffnet, gehört das ehemalige Theater heute zu den am meisten besuchten Museen Spaniens.
In der Hochsaison ist es täglich geöffnet, ansonsten montags geschlossen.
Pl. G.S. Dali 5
E-17600 Figueres
Telefon +34-972-677500
www.salvador-dali.org

Casa-Museu Salvador Dalí:
Ein paar Kilometer nördlich von Cadaqués in der kleinen Bucht von Portlligat ist das Haus, in dem Dalí viele Jahre lang lebte und arbeitete, nun ein sehenswertes Museum.
In der Hochsaison täglich geöffnet, im Winter nur nach vorheriger Anmeldung.
17488 Portlligat (Cadaqués)
Telefon +34-972-251015
www.salvador-dali.org

Museu de la Ciutadella:
Große Festung aus dem 16. Jh. im Zentrum von Roses, bestehend aus verschiedenen Gebäudekomplexen und Ruinen sowie schönem Museum.
Montags geschlossen.
Av. de Rhodes
E-17480 Roses
Telefon +34-972-151466
www.rosesfhn.org

Text: Thomas Zwicker/Fotos: Silke Tokarski, Thomas Zwicker