Fahrrad fahren hat in Frankreich ebenso Tradition wie Caravaning, vom guten Essen und Trinken gar nicht zu reden. All dies lässt sich auf einer Reisemobiltour durch Ardèche und Drôme höchst genussvoll kombinieren.

Schon auf der Anreise kommt Urlaubsstimmung auf. Fahrten auf französischen Autobahnen sind zwar teurer als auf deutschen, dafür entschieden stressfreier. Besonders im Reisemobil, das mit sonorem Motorbrummeln auf der rechten Spur gleitet. Aber wer eine Gegend richtig genießen will, wählt die Landstraße. Weshalb wir in der Höhe von Pierrelatte die A7 verlassen und St. Montan ansteuern.

Das mittelalterliche Dorf könnte eine Filmkulisse sein, wie es sich an die Bergflanke schmiegt. War es in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Zuge der Landflucht dem Verfall geweiht, erstrahlt es heute in neuer Schönheit. Nicht der Staat, sondern die Bürger haben das schmucke Dorf renoviert, das sich heute „village de caractère“ nennen darf. Den vollen optischen Genuss hat hier allerdings nur die Copilotin. Der Fahrer muss sich auf der schmalen Dorfstraße und der noch etwas schmaleren Brücke voll auf die nächste Umgebung seines Mobils konzentrieren. Danach jedoch fährt er ganz entspannt die kurvige Straße bergan.

Das Tagesziel ist Larnas, präziser, die „Domaine d’Imbours“. So heißt der Campingplatz, der sich in dieser Region als Basislager anbietet. Er liegt etwas abseits von den Schluchten der Ardèche, dem Touristenmagneten der Region. Aber das ist gut so. Denn zum einen ist die Ruhe am Platz höchst entspannend, zum anderen lädt die hügelige Landschaft zu einer gemütlichen Radtour ein.

Das Fahrrad ist ein probates Mittel, um diese Landschaft in sich aufzusaugen. Weinberge wechseln sich ab mit schroffen Felsformationen, dazwischen immer wieder grüne Wiesen, in denen Klatschmohn Farbtupfer setzt. Und hier, an der Pforte zur Provence, finden sich immer wieder Lavendelfelder. Ganz so locker, wie die Tour auf der Landkarte ausgesehen hatte, ist sie allerdings nicht. Das liegt aber weniger an der Topographie – der Mistral bläst. Und wie das beim Fahrradfahren eben so ist, der Wind bläst immer in die falsche Richtung. Wohl dem, der hier ein E-Bike hat. Diese Fahrräder mit unterstützendem Elektromotor haben die Waden von Jan Ullrich ab Werk mit eingebaut und lassen den Reiter bei Hügel oder Gegenwind nur lässig grinsen, während sich die anderen im Schweiße ihres Angesichts abmühen.

St. Remèze, das Ziel unserer Tour, liegt einigermaßen verschlafen in der Mittagsonne, ebenso wie der schwarze zottelige Geselle, der vor der Haustür seines  Herrchens döst. Nur kurz hebt er den Kopf, als wir langsam vorbeiradeln. Zeit zum Mittagessen. Das Dorfrestaurant „Le Barry“ lädt ein – mit Parkplätzen für die Räder vor der Tür, mit einer rustikal-gemütlichen Einrichtung und mit einer hervorragenden Küche. Das Menü ist ein kulinarischer Streifzug durch die herzhafte Küche der Ardèche: Sektaperitif mit Kastanienlikör, geräucherter Schinken mit Feigenmus als Vorspeise, zartes Geflügel mit etwas Kartoffelgratin und Gemüse als Hauptgang. Begleitet wird die Mahlzeit von einem frisch-fruchtigen Côte du Rhone Rosé. Abgerundet wird das Ganze mit einer Crème brulée und einem Café. Die typische Sportlernahrung ist das nicht. Egal, dann fahren wir eben langsam zum Campingplatz zurück. Eine erholsame Siesta im Mobil und eine erfrischende Dusche schaffen neuen Tatendrang. Richtung Norden soll’s gehen, um mehr von diesem angenehm stillen Teil der Region zu entdecken.

Der Weg zur berühmten Pont d’Arc

Jetzt ist das Reisemobil das Transportmittel der Wahl, schließlich soll die Runde etwas länger werden als am Vormittag. Vor den Toren von St. Thomé ist aber erst mal Schluss. Der auf einem Felsen erbaute Ort ist so eng und verwinkelt, dass er keinen Autoverkehr verträgt. Doch mit einem kleinen Spaziergang durch die schmalen Gassen lässt sich das romantische Flair des Ortes auch viel besser genießen.

In Alba-la-Romaine erfährt der Besucher einiges über die Ursprünge dieser Kulturlandschaft. Zeugen der gallisch-römischen Geschichte sind eine Ausgrabungsstätte und die Überreste eines antiken Theaters. Einst, so schätzt man, haben 3.000 Menschen hier gelebt. Heute bewohnen rund 1.000 Einwohner das Dorf, das sich sichelförmig um die alles überragende Schlossfestung schmiegt.

Einen Kontrapunkt zu dieser beschaulichen Landschaft, die den Urlauber instinktiv einen Gang runterschalten lässt, bilden die „Gorges de l’Ardèche“, die vom Wasser tief in den weichen Kalkstein eingeschnittenen Schluchten.

Hier pulsiert das touristische Leben. Hier sind Busse unterwegs, Auto- und Motorradfahrer, die sich im Zeitraffertempo einen Eindruck von der Gegend verschaffen wollen. Aber irgendwie passt das auch ganz gut zu den zahlreichen Stromschnellen, die sich tief unten immer wieder zeigen. Die Panoramastrecke, die nur gut Konditionierte mit dem Fahrrad in Angriff nehmen sollten, wimmelt nur so von Aussichtspunkten.

 

 

Zwei Ausblicke darf man aber keinesfalls versäumen: die „Serre de Tourre“, die von oben den Blick auf einige abenteuerliche Flusswindungen am Fuße des hoch aufragenden Felsens freigibt und natürlich der Pont d’Arc. Unter dem charakteristischen Felsbogen, der die Ardèche überspannt, wird der wilde Fluss ruhig und liegt schon fast majestätisch da. Hier ist der Badeplatz, sofern jemand Lust verspürt, in dem kalten Wasser zu baden. Hier ist auch der Treffpunkt der Kanuten, die zusammen gestartet sind, aber unterschiedlich geschickt und schnell die Stromschnellen gemeistert haben.

Gut zu wissen

Zoll: „Für den persönlichen Verbrauch“ darf der Tourist zum Beispiel 800 Zigaretten, 1 kg Rauchtabak, 10 Liter Spirituosen und 90 Liter Wein – davon maximal 60 Liter Schaumwein – frei ein- und ausführen. An alle Frauen: Bloß nicht schwach werden. Dragueur heißt der Typ, der das Anmachen als eine Art Sport betreibt. Bei eindeutigen Annäherungsversuchen hilft oft ein energisches „casse-toi!“, das heißt: „Verzieh dich!“ Oft wird auch versucht, das „Opfer“ in ein freundlich-interessiertes Gespräch zu verwickeln. Lassen Sie sich nicht täuschen, denn wenn ein Dragueur letztlich nicht zum Ziel kommt, kann es sehr ungemütlich werden.

Die Franzosen haben viel Nationalstolz und erwarten von den Besuchern, dass sie wenigstens einen Grundwortschatz Französisch sprechen können. Obwohl die meisten Franzosen in der Schule Englisch gelernt haben, weigern sie sich in den meisten Fällen, diese Kenntnisse anzuwenden. In stark frequentierten Urlaubsregionen und an Fernrouten operieren regelrechte Banden, die sich auf den Autodiebstahl spezialisiert haben. Deshalb sollte man hier keinesfalls den Wagen oder das Wohnmobil über Nacht auf ungesichertem Parkplatz abstellen und immer gut absperren.

Das Städtchen „Die“
und sein lieblicher Sekt

Auf Kultur folgt Natur. Über Crest fahren wir über gut ausgebaute Landstraßen nach Mirabel et Blacons. An den Ufern des Flüsschens Drôme liegt der Campingplatz „Gervanne“, der von dem jungen Ehepaar Catherine und Jean-François Contard betrieben wird. Schon beim Einchecken verrät Jean-François, dass er für Abends ein großes Barbecue für alle Campinggäste geplant hat.

Den richtigen Appetit dafür holen wir uns auf einer Radtour entlang des Flusses. „Le long de la rivière“ ist eine 130 Kilometer lange Strecke, die den Fluss Drôme begleitet und gut ausgeschildert ist. Weil der Weg immer wieder über Schotterstrecken und unbefestigte Wege führt, sind hier keine Rennräder unterwegs, die man im radsportbegeisterten Frankreich sonst allerorten trifft. Ein Touren- oder Mountainbike mit breiten Reifen ist auf diesem Weg die eindeutig bessere Wahl.

Das Filetstück der Route, so meinen wir, ist die Strecke von unserem Campingplatz bis ins 20 Kilometer entfernte Städtchen Die. Eine Tour, die besonders im Schlussdrittel mit einigen Anstiegen gespickt ist, aber dennoch auch für Familien und mäßig Trainierte machbar ist. Die sollten übrigens auch den selben Weg zurück fahren. Die Alternativroute durch den bergigen Nationalpark Vercors bietet zwar einige spektakuläre Aussichten und Abfahrten, dafür sind die Anstiege wahrlich nicht von Pappe.

Aber zurück nach Die. Der Ort hat sich unter Genießern einen Namen gemacht durch den „Clairette de Die“. Das ist ein lieblicher Sekt, der gern als Aperitif oder auch zum Dessert gereicht wird. Das Geheimnis der Reifung verrät Claire Lepalmier, Mitarbeiterin der Sektkellerei „Jail-lance“: „Die Fermentierung wird bei Temperaturen um zwei Grad gestoppt.“ So werde der fruchtige Traubengeschmack erhalten. Der Clairette besteht übrigens nur bis zu einem Viertel aus Clairette-Trauben, was auf Anhieb etwas irritiert. Drei Viertel und mehr ist der vergorene Saft der Muskateller-Traube, die mit ihrer Süße stark hervorschmeckt. Freunde eines charaktervollen, feinen Sekts wählen den „Crémant“, der zu 100 Prozent aus der Clairette-Rebe gewonnen wird, die man hier schon seit der Antike anbaut.

Besonders edel ist die Variante, deren Grundwein im Holzfass, dem Barrique, reifen durfte. Im dunklen Keller werden die Sektflaschen nach der Champagner-Methode gerüttelt, was sicher auch ein Grund für die Ausgewogenheit des Schaumweins ist. Fest steht: Ein einziger Besuch der Sektkellerei ist zu wenig. Die Radtour zur Verkostung ist ideal, doch später kehren wir mit dem Reisemobil zurück und packen einige Kartons in die Stauräume. So wird zu Hause bei jedem Glas die Genusstour wieder lebendig.

Kurioses

Küsschen, Küsschen: Die Franzosen können sich anscheinend nicht entscheiden, wie viele Küsschen nun üblich sind. Im Süden reichen meist zwei – eins links, eins rechts – vier gelten hier als angeberisch. In Zentralfrankreich sind es oftmals drei Küsschen und in Paris sowie weiter oben im Norden sind vier so genannte „Bises“ die Regel.

Erleben Sie erste Eindrücke

Die Route zum Nachverfolgen

Das aktuelle Wetter

Grignan liegt im Département Drôme und ist schon wegen seines Schlosses eine Reise wert. Es überragt die Stadt und ist daher kaum zu verfehlen. Von dort oben hat man einen fantastischen Ausblick, unter anderem auf den Bergriesen Mont Ventoux, der schon vielfach den Teilnehmern der Tour de France ihre Grenzen aufgezeigt hat.

Berühmt gemacht hat das mittelalterliche Schloss nicht zuletzt Marie de Rabutin-Chantal, Marquise de Sévigné. Die Markgräfin logierte bis zum Ende des 17.Jahrhunderts des Öfteren in eigens für sie eingerichteten Gemächern, schließlich hatte ihre Tochter den Grafen von Grignan geheiratet. Die Pariser Dame reiste nicht übermäßig gern, war jedoch überaus mitteilsam. Deshalb korrespondierte sie regelmäßig mit ihren in der Hauptstadt gebliebenen Freundinnen. So wird der Nachwelt viel vom Leben im Schloss bekannt. Der Briefwechsel der Marquise gehört heute übrigens zur Standardliteratur französischer Schüler und lässt sich in Grignan auch in Buchform erwerben.

Maison de la France
Zeppelinallee 37
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069-97580133
www.franceguide.com

Tourismusverband Drôme
26005 Valence Cedex
Telefon: ++33-475-821926
www.drometourisme.com

Camping Domaine d’Imbours
(vier Sterne)
Larnas (Ardèche)
Telefon: ++33-475/543950
www.domaine-imbours.com

Camping Gervanne
26400 Mirabel et Blacons
Telefon: ++33-475-400020
www.gervanne-camping.com

Text und Fotos: Martin Häussermann