Eine Krone für den Kronplatz

Südtirol - Pustertal - Kronplatz

Dem Kronplatz wird im Winter eine Krone aufgesetzt, nachdem eine Studie den Berg mit dem Kahlkopf als bestes Skigebiet Italiens ausgemacht hat. Doch nicht nur beim alpinen Wintersport ist das Pustertal in der obersten Liga aufgestellt. Auch mit seiner Loipenlandschaft kann das sonnige Südtiroler Tal mächtig punkten. Wer einfach nur die verschneite Landschaft genießen möchte, schnallt Schneeschuhe unter und stapft beschaulich durch das unberührte Gsieser Tal.

Die Seilbahn-Kabine scheint direkt in den strahlend blauen Himmel über dem Kronplatz zu schaukeln. Doch bei 2275 Metern hält sie. Wir sind auf dem Kronplatz-Gipfel, der wie ein gewaltiger, dick weiß gepuderter Gugelhupf wirkt. Lifte und Seilbahnen ziehen sich wie ein durchlässiges Spinnennetz in alle Himmelsrichtungen über den Berg. Richtung Norden fällt der Blick auf Bruneck, Percha und Reischach, südlich ist St. Vigil zu sehen und in östlicher Richtung weist der Blick auf Olang. Weiter entfernt erkennt man die Gipfel der Zillertaler Alpen und auf der anderen Seite ragen die schroffen Dolomitenzinken in den wolkenlosen Himmel. 

Dank der 15 Ortschaften, die vom Kronplatz bestens profitieren, gibt es genügend Geldgeber, die den Kahlkopf gut in Schuss halten. Allein die 31 Aufstiegshilfen zählen zu den modernsten in ganz Europa. Kaum sonst irgendwo kommen an die zehntausend Skifahrer täglich ohne lange Wartezeit auf den Gipfel. Auch für die durchgehende Schneesicherheit während der Saison nehmen die Anrainer viel Geld in die Hand.  Fast zu 100 Prozent werden die 114 Pistenkilometer künstlich beschneit Jede Nacht bügeln dann die Pistenraupen den Kunstschnee platt. In St. Vigil erzählt man stolz, dass hier die erste Schneekanone Europas eingesetzt wurde. Das hat den Ehrgeiz geweckt, den Kronplatz immer auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. Unten in St. Vigil pflegen die 1400 Einwohner indessen wieder die alten Traditionen, täfeln ihre Gaststuben mit Zirbenholz und besinnen sich auf ihre Muttersprache, das Ladinische. Nur noch knapp 20 000 Menschen pflegen die rätoromanische Mundart der ehemals entlegenen Dolomitentäler. Die Geschichte der Ladiner ist im Museum auf Schloss Thurn in St. Martin, dem Nachbarort von St. Vigil, dargestellt. Über St. Martin erreicht man auch den Anschluss vom Kronplatz zur berühmten Sellaronda.

Bruneck

Lebenswerteste Kleinstadt Italiens

Als Metropole der Pustertaler Ortschaften zu Füßen der Unesco geschützten Dolomiten hat sich Bruneck den Titel der „lebenswertesten Kleinstadt Italiens“ gesichert. „Vor allem in punkto Sicherheit und Lebensqualität sind wir hier sehr gut aufgestellt“, betont Artur Costabiei. Beim Spaziergang durch die mittelalterlichen Straßen und Gassen des 15800-Einwohner-Städtchens zeigt der Chef des Tourismusverbands Kronplatz seine Lieblingsplätze. Dazu gehört die Brunecker Genusswelt „Pur Südtirol“. An den modernen, langen Tischen lässt man sich bodenständige, saisonale Gerichte schmecken. Wenige Schritte weiter spielen bei „Harp“ flüssige Gaumenfreuden die Hauptrolle. Beeindruckend ist die immense Auswahl an Weinen und Schnäpsen. Die 150 verschiedenen Biersorten aus aller Welt lenken allerdings die größte Aufmerksamkeit auf sich. Medea Tappeiner erklärt, worin der Unterschied zwischen deutschen, belgischen oder amerikanischem Biersorten liegt. Momentan sei Amarillohopfen in den USA besonders beliebt, erklärt die Biersommelière, die ihre Ausbildung zur Bierfachfrau in München und im Salzburger Land gemacht hat. „Für uns ist der Mandarinengeschmack aber gewöhnungsbedürftig“, ergänzt sie. Derlei Geschmacksrichtungen schätzen wir eher bei den hausgemachten Pralinen der Patisserie Acherer. Auch hier lädt ein neues Ambiente im alten Gemäuer der Fußgängerzone zum Riechen und Schmecken ein.  

Ein Erlebnis anderer Art bietet sich im Schloss Bruneck auf einem Hügel am Rande der heimeligen Altstadt. Im einstigen Sommersitz des Bischofs Bruno von Brixen hat Reinhold Messner vor über drei Jahren sein fünftes Museum zum Thema Bergvölker eröffnet. Ob in Tibet, im Vorderen Orient oder in der Mongolei, in Afrika, Ozeanien oder auch in europäischen Bergregionen, in allen Teilen der Welt hat der weltläufige Bergfex Exponate gesammelt, mit denen er in der Ausstellung Gemeinsamkeiten und Gegensätze der verschiedenen Naturvölker verständlich machen will. „Wenn es gelingt, an einer Überlebensstrategie der weltweit bedrohten Bergkultur nachhaltig mitzuwirken, wird Südtirol seinem Anspruch auf das Leadership zum Thema Berg gerecht“, betont der 70-jährige Vorzeigebergsteiger. Mit den fünf Museen in seiner Heimat wollte Messner sein Lebenswerk abschließen. Doch was lag näher, als auf dem beliebtesten Skiberg Kronplatz das Thema zur Bergkultur fortzusehen. Vergangenen Sommer eröffnete das Sprachrohr der Berge dieser Welt auf dem Pustertaler Kahlkopf Museum Nummer sechs in hochmoderner, als Berg stilisierter Architektur.

Zwischen den Abfahrten die Kultur der Bergvölker erleben

Nach dem kulturellen Intermezzo wedeln wir genüsslich die jüngste und mit gut sieben Kilometern längste Piste vom kahlköpfigen Kronplatz in Richtung Ried abwärts. In der neu eröffneten Talstation Percha-Ried schließen wir Skier und Schuhe in einen der beheizten Schränke ein und fahren mit der Regionalbahn zwei Stationen weiter nach Welsberg im Gsieser Tal. Nach dem quirligen Pistenspass auf dem Kronplatz erleben wir hier das Kontrastprogramm in der gleichsam unberührten Natur. Bergführer Paul hat seinen kleinen Bauernhof bestellt, wie bei den sonnenverwöhnten Nachbarn des Pustertals Brauch ist. Anschließend hat er Schneeschuhe und die selbstgezimmerten Pöckl in den Kofferraum geladen, um mit uns hinauf zum Mudlerhof zu fahren. Hier schnallen wir die Yetisohlen unter die Schuhe, machen die einkufigen Schlitten am Rucksack fest und los geht es in Richtung Salomonskopf.

„Langsam!“ mahnt Paul. In den Jahren, als noch kaum ein Winterwanderer die Ruhe des bodenständigen Tales suchte, hat der erfahrene Bergführer täglich ehrgeizige Gipfelstürmer auf das Matterhorn geführt. Doch der Heimatverbundene ist froh, dass er jetzt im heimatlichen Gsieser Tal sein Auskommen gefunden hat, das sich, wie bei den meisten Talbewohnern aus mehreren Standbeinen ergibt. „Wir Südtiroler sind ein unermüdliches Völkchen“, sagt Paul lächelnd. Auch das Ehrenamt stehe dabei hoch im Kurs, ergänzt er. „Soviel freiwillige Feuerwehrleute wie bei uns gibt es in ganz Italien nicht“. Kaum verwunderlich bei den vielen, gemütlichen Kaminstuben aus einheimischem Fichten-, Lärchen- oder Zirbenholz.

Warm scheint die Sonne, als wir das Gipfelkreuz auf dem Durakopf (2275 Meter) erreichen. Wohlig erschöpft lassen wir uns nieder. Während wir uns mit Tee, Schokolade und Nüssen stärken, blicken wir versonnen auf die beeindruckende Gipfelwelt. Über den  Hasenbuckel (2203 Meter) und Lutterkopf (2145 Meter) erkennen wir den Kronplatz (2275 Meter). Die vielen Skifahrer, die sich auf dem gekrönten Kahlkopf tummeln, sieht man nicht. Doch man spürt die wohltuende Ruhe unterm Gipfelkreuz auf dem Durakopf und möchte noch lange so verweilen. Doch Wanderführer Paul drängt zum Aufbruch. Zunächst geht es rasant auf dem etwas gewöhnungsbedürftigen Pöckl abwärts, bis man beschaulich zwischen Lärchen- und Fichtenbäumen über den Rodelweg gleitet.        

Renate Wolf-Götz


Direkt an das Skigebiet Nr. 1, den Kronplatz angebunden:

Camping Corones
Camping Antholz

Erleben Sie erste Eindrücke

Die Route zum Nachverfolgen

Das aktuelle Wetter

Informationen:

Tourismusverband Kronplatz,
Michael Pacher Straße 11,
39031 Bruneck
Tel.: 0039 0474 555 447,
www.kronplatz.com

Anreise:

Über die Brennerautobahn bis Ausfahrt Brixen, dann über die Pustertaler Staatsstraße (Nummer 49) nach Bruneck und weiter über Percha nach Rasen und ins Antholzer Tal

Neben dem Regionalzug, der von Rasen nach Percha (Talstation Ried,1 Station) fährt, verkehren mehrmals täglich Skibusse aus dem Antholzer Tal zum Kronplatz

Aufstiegsanlagen:

Skipass Kronplatz gültig für das Gebiet zwischen Kronplatz, Olang und St. Vigil.
Preis pro Tag 43 €, 7 Tage 227 €,
Dolomiti Superski und Kronplatz mit 460 Aufstiegshilfen und 1.220 Pistenkilometern
Preis pro Tag 46 €, 7 Tage 245 €.  

Schneeschuhtouren im Gsieser Tal werden in sieben verschiedenen Varianten angeboten.

Langlaufloipe Gsieser Tal-Welsberg-Taisten mit 42 Km gesurten Loipen, Tageskarte 5 €, Wochenkarte 20 €. 

Täglicher Zubringer zum Skikarussell Kronplatz bis März im Halbstunden und Stundentakt. Bahnanschluss Welsberg – Percha mit Direktumstieg vom Zug in die Gondel.

Camping:

Camping Antholz

Camping Antholz,
39030 Rasen-Antholz,
Obertal 34
Tel.: 0039 0474 4922004,
www.camping-antholz.it   

Camping Corones,
39030 Rasen - Antholz
Tel.: 0039 0474 496 490,
www.corones.com     

Beide Plätze sind an das Skigebiet Nr.1, den Kronplatz angebunden.

Campingplatz Amici di Lazise
Località Fossalta Nuova
Strada des Roccolo 8
37017 Lazise sul Garda

Fremdenverkehrsbüro
Piazza Donatori di Sangue, 1
37016 Garda
Telefon: +39-045-6270384 
Fax. +39-045-7256720

Mit freundlicher Unterstützung von Renate Wolf-Götz (Text & Fotos)
erschienen in "CAMPING", Ausgabe Januar 2015