Das Nordlicht lässt grüßen!

Immer wieder wird ein Land genannt, wenn Wohnmobilreisende von ihrem Sommerurlaub erzählen: Norwegen. Doch vor allem im Winter zeigt sich dieser riesige Flecken Skandinavien von einer unbekannten Seite - das Nordlicht lässt grüßen! Der Journalist und Fotograf Oliver Lück fährt seit Mitte der neunziger Jahre im Wohnmobil durch Europa und regelmäßig auch nach Norwegen. Hier verrät er einige der schönsten Winterstellplätze für Wohnmobile. Schneeketten und Schaufeln nicht vergessen!

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Wer sich entschließt, mit dem Wohnmobil durch den norwegischen Winter zu reisen, sollte diese Reise bis ins letzte Detail planen und nichts dem Zufall überlassen. Schneeketten, Taschenlampen und Schneespaten im Gepäck sind Pflicht. Sehr weit im Norden ist es nicht nur die längste Zeit des Tages dunkel, es sind auch Temperaturen von bis minus 30 Grad möglich. Manche Straßen und Pässe sind an manchen Tagen nicht mehr und dann für viele Wochen nicht mehr befahrbar. Schon deshalb unbedingt täglich die Wettervorhersage beobachten! Wer sich diesen Umständen zum Trotz dennoch für diese Winterreise entscheidet, kann das Land von einer bislang unbekannten, magischen Seite erleben. 

Jørpeland

59.023693 N, 5.979424 E

Jorpeland

Dieser Campingplatz ist längst kein Geheimtipp mehr, hat aber eine ideale Lage und ist über die letzten 15 Jahre vor allem eines geblieben: einfach und gut! Auf der leicht geneigten Wiese hat man einen wunderbaren Blick auf den Fjord, der an dieser Stelle eher wie ein großer See  wirkt. Für Hartgesottene: Es gibt sogar einen 100 Meter langen, wenn auch schmalen Sandstrand als Bademöglichkeit. Und: Solvik Camping hat 365 Tage im Jahr geöffnet. 

Preikestolen

58.991730 N, 6.138265 E

Wer den Preikestolen im Sommer besucht, muss entweder sehr früh am Morgen oder sehr spät am Abend kommen, um dort in Ruhe den Ausblick vom 600 Meter hohen Felsmassiv genießen zu können – andernfalls wird es ungemütlich, da man man sich gegenseitig auf die Füße tritt. Nicht so im Winter, wenn dieser magische Ort nicht von Preikestolen-Pilgern aus aller Welt bevölkert wird und man tatsächlich ganz alleine dort oben sein kann. Auch in den kalten Monaten ist der große Besucherparkplatz geöffnet und so der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen zum Preikestolen. Pro Tag zahlt man dort lediglich zehn Euro – warum also nicht gleich übernachten...

Å

67.900196 N, 13.053109 E

Mit ihren scharfkantigen Gipfeln, den weißen Sandstränden und dem türkisblauen Wasser sind die Lofoten tatsächlich so, wie man sie aus den Prospekten der Reisebüros kennt. Wie schwarze Felswände mitten ins Meer gestellt. Der Golfstrom ist gnädig und hält die Küste eisfrei. Im Herbst und erst recht im Winter fahren nur wenige Autos. Å ist das Ende dieser  schroffen Inselkette, die sich wie ein knöcherner Finger fast 200 Kilometer weit ins Nordmeer streckt. Es ist das südlichste Fischerdorf auf Moskenesoy, einer der größten Inseln der Lofoten. In Å leben nur wenige Menschen. Dort gibt es nicht viel mehr als Fischfabriken und Stockfischgalgen. Es ist ein einfacher Ort mit einem einfachen Namen. Ein Name wie ein Seufzer: Aaaaaaaaa. Und der leicht zu merken ist. Der Campingplatz des Ortes liegt wunderbar oberhalb des Hafens, wo auch die Fähren nach Bodø ablegen, unmittelbar an der Steilküste. Weit kann man von hier aus seinem Wohnmobilfenster über das Nordmeer gucken.

Blick aus dem Wohnmobil über das Nordmeer

Trollskjerbukta

68.104206 N, 13.252762 E

Trollskjerbukta

Schon der Name der kleinen, steinigen Bucht klingt zauberhaft: Trollskjerbukta steht auf der Wanderkarte, was man vielleicht mit „Magische Bucht der Trolle“ oder „Schimmernde Trollbucht“ übersetzen könnte. Etwas nördlich von Ramberg liegt dieser Stellplatz am Ende einer Schotterstraße. Keine Bäume, nur wenige Büsche und viel Weitblick. Und bereits Mitte September kann man hier Glück haben und das Nordlicht sehen. Dann beginnt der Himmel zu glühen. Ein hellgrünes Geisterlicht, das zittert und flackert, hell aufflammt, sich violett und blaugrün verfärbt. Phosphoreszierende Bögen und gewundene Bänder kriechen kilometerweit den Himmel entlang, stehen still, beginnen zu tanzen und schlagen Falten wie wehende Vorhänge aus Licht. Für die Leute der Lofoten ist das Polarlicht allerdings nicht mehr als bei uns ein netter Regenbogen. 

Stø

69.019326 N, 15.109857 E

Was für ein Stellplatz! Berge und Meer – dazwischen das eigene Haus auf Rädern. Das Bobilcamp findet man im Fischerdörchen Stø am nördlichen Ende der zu den Vesterålen gehörenden Insel Langøya. Hier kann es nicht nur im Winter richtig einsam werden. Bitte unbedingt die Wettervorhersage beachten, denn weit nördlich des Polarkreises wird es teils so kalt, dass an manchen Tagen die Automotoren streiken. Der Campingplatz hat offiziell vom 1. Mai bis zum 31. September geöffnet. Wer aber höflich fragt, bekommt Strom und kann die Toiletten gegen eine kleine Gebühr nutzen. 

Bobilcamp, Stø

Vøringsfoss

60.377342 N, 7.565265 E

Auf den ersten Blick: ein eher unscheinbarer Flecken irgendwo im Nirgendwo, nicht mehr als ein Rastplatz, unmittelbar an der Hauptstraße, nördlich der Hardangervidda, der größten Hochebene Europas. Wer allerdings schon häufiger im Wohnmobil unterwegs war, weiß, dass genau solche Orte einen besonderen Reiz entwickeln können, wenn man ihnen denn etwas Zeit gibt. Weiß  sind die Wolken, schneeweiß ist das Land – der Himmel und die Erde sind nicht mehr zu unterscheiden. Alle Stunde mal ein Auto – oder auch nicht. Hier kann man zur Ruhe kommen, die verschiedenen Farben Weiß zählen und einzigartige Schneewanderungen machen.

Voeringsfoss

Erleben Sie erste Eindrücke

Die Stellplätze auf GoogleMaps

Das aktuelle Wetter

Anreise:

Ob man will oder nicht: Irgendwann wird man die Fähre nehmen müssen. Wer nicht so gerne Schiff fährt, wählt den Landweg bis nach Norddänemark. Von Hirtshals fahren täglich diverse Fähren zu verschiedenen norwegischen Häfen (Stavanger, Bergen, Kristiansand, Langesund). Nach Kristiansand zum Beispiel dauert es rund zweieinhalb Stunden. Der Preis mit Fjordline kostet rund 160 Euro pro Fahrt für zwei Personen und einem Wohnmobil mit maximal vier Meter Höhe und sechs Meter Länge. Color Line bietet Überfahrten von Hirtshals nach Kristiansand oder Larvik zu vergleichbaren Preisen an.

Eine entspanntere, allerdings auch kostspieligere Alternative ist die Schiffspassage mit Color Line von Kiel nach Oslo. Rund 500 Euro zahlt man für zwei Personen und Kabine sowie Wohnmobil pro Fahrt. Knapp 20 Stunden ist man auf See. Alle Informationen im Detail auf www.colorline.de  sowie www.fjordline.com

Weitere Informationen:

Einen sehr guten Überblick, was man für Wohnmobil- und Caravanreisen nach Norwegen alles bedenken muss, bieten die Webseiten

www.norwegen-camping.com 

www.visitnorway.de 

www.norwegenservice.net

www.winterurlaub-in-norwegen.de 

„Neues vom Nachbarn – 26 Länder, 26 Menschen“ heißt das erste Buch von Oliver Lück. 20 Monate ist der Journalist und Fotograf in seinem VW-Bus durch Europa gefahren, um besondere Menschen zu treffen und deren Geschichten aufzuschreiben. Insgesamt sind es 50.000 Kilometer – von Lappland bis nach Portugal, von der Slowakei bis nach Nordirland. In Norwegen hat der Autor unter anderem eine Extremsportlerin besucht, die die höchsten Berge der Erde bestiegen hat.

In Oliver Lücks neuestem Buch Flaschenpostgeschichten. Von Menschen, ihren Briefen und der Ostsee geht es um Menschen, die am Meer leben – sie haben Flaschenpost geschrieben oder gefunden.

Mehr unter www.lueckundlocke.de

Neues vom Nachbarn – 26 Länder, 26 Menschen
(Rowohlt Verlag, 320 Seiten, 32 Bildseiten, 9,99 Euro)
ISBN 978-3499628412

Flaschenpostgeschichten. Von Menschen, ihren Briefen und der Ostsee
(Rowohlt Verlag, 256 Seiten, 32 Bildseiten, 9,99 Euro)
ISBN 978-3499630859

 

 

Text und Fotos: Oliver Lück