Wie Poseidons Dreizack ragen die drei großen Landzungen der Chalkidiki in die Ägäis, verheißen poetisch die Reiseführer Die drei Halbinseln sind zwischen 30 und 50 Kilometer lang, 10 bis 15 Kilometer breit und bis über 1.200 Meter hoch. Die westlichste der drei - Kassandra – ist touristisch am besten erschlossen.

Riesige Hotelkomplexe und unzählige Bungalow-Anlagen, Restaurants, Tavernen, Souvenirmeilen, Diskos und Beach-Bars wuchern bis weit in das bewaldete Hinterland hinein. Sithonia, in der Mitte, gilt als ursprünglicher, persönlicher, dünner besiedelt, mit kleinen Orten, die oft nur aus einem Dutzend Häuser bestehen. Und Athos ist zum größten Teil im Besitz der Mönchsrepublik. Für Frauen absolut tabu, darf sie von normalsterblichen Männern nur unter strengen Auflagen und mit Wochen vorher zu beantragenden Genehmigungen betreten werden. Ganz im Süden der Mönchsrepublik erhebt sich der Heilige Berg. Mit 2.033 Metern die höchste Erhebung des Dreizacks auf.

Von Thessaloniki kommend fahren wir durch die Berge über  Paleokastro und Poligiros mit ihrem fantastischen Ausblick hinunter auf den Kassandra-Golf. Weiter geht die Fahrt entlang der Westküste, wo sich uns überall das gleiche Bild bietet. Die weit geschwungenen Sandstrände sind komplett mit Hotels, Restaurants, Tavernen, Beach-Bars, Apartment- oder Privathäusern zugebaut. Erst ganz im Süden lockert sich die Bebauung etwas. So bei Paliouri, an dessen Ortsende rechts ein schmales, kurvenreiches Asphalt-Sträßchen abzweigt, an dessen Ende einige Ferienhäuser, ein kleiner Fischerhafen, vor allem aber eine idyllische, winzige Halbinsel mit der orthodoxen Kapelle Ag. Nikolaos auf uns warten. Nach der Besichtigung der Kapelle fahren wir die holprige Naturpiste noch ein Stück weiter und richten uns auf einem kleinen freien Stück am Ufer mit Blick auf das Kapellchen für die Nacht ein.

Athos - Der heilige Berg

Vier Tage haben wir diesen herrlichen Sandstrand und das saubere, türkisfarbene Wasser ohne die geringste Beeinträchtigung genossen. Abends mit dem unvergleichlichen Blick auf die Halbinsel Sithonia mit dem Ort Neos Marmaras und den Hotelklötzem von Porto Carras vor der blutrot leuchtenden Kegel-Spitze des Heiligen Berges Athos. Dieses Fleckchen Erde gehört ohne Zweifel mit zum Schönsten, was man als Reisemobilist finden kann. Selbst am Wochenende lagen die nächsten Badegäste mehr als fünfzig Meter von uns entfernt.

Auf der Weiterfahrt passieren wir bei Kalithea den größten Hotelkomplex Nordgriechenlands, die Hotels Athos Beach mit elf und Pallini Beach mit neun Stockwerken. Wir verlassen Kassandra wie auf dem Herweg über Nea Potidea. Dann halten wir uns ostwärts in Richtung Sithonia.

Die nach dem Poseidon-Sohn Sithon benannte Halbinsel gefällt uns von Anfang an. Immer strikt auf der dem Ufer nächsten Straße, nicht selten ist das immer noch eine nicht asphaltierte Naturpiste, bietet Sithonia unvergessliche Eindrücke. Mal fällt die Straße steil ab hinunter an den weißen Strand, wo die Pinien mit ihren Schatten die Farben des Meeres vertiefen. Mal ist das Ufer fjordartig zerklüftet und die Bäume reichen bis ans Wasser. Dann wieder treffen wir auf Buchten mit ausgedehnten Sandstränden, in denen man im seichten Wasser weit hinauslaufen kann. Besonders eindrucksvoll sind die vom Wind geschliffenen Granitformationen, die zu beiden Seiten die Badebuchten, viele mit idyllischen Campingplätzen, einrahmen. Nicht selten liegen kleine Felseninselchen malerisch vor den Stränden. Hier kann man sie finden, die Traumbucht für einen ganzen Urlaub.

Dazu muss man allerdings ein bisschen suchen. Denn auch auf Sithonia sind schon einige Uferstreifen und Buchten zugebaut. Oft aber finden sich an den Ortsausgängen immer noch schöne Stellplätze. So etwa der Strand Ag. Ioannis bei Nikiti, dem Hauptort von Sithonia. Zusammen mit einem Aussteiger und einer Surfschule, die beginnt, ihre Zelte aufzuschlagen, sind wir die einzigen Besucher dieses weiten Sandbogens. Die Taverne ist noch geschlossen, der Strand feinsandig, das Wasser sauber. Wie wir erfahren, belegte früher ein Campingplatz das Gelände.

Neos Mamaras

Unser nächstes Ziel ist der einst malerische Fischerort Neos Mamaras, der sich freilich inzwischen zum Shopping- und Flanierzentrum gemausert hat. Noch schlimmer ist Porto Carras gleich nebenan. Hier wollte sich der Reeder Joannis Carras, inzwischen auch ein bekannter Winzer, schon zu Lebzeiten ein Denkmal mit einer eigenen Stadt setzen. Mitten in die Landschaft hat er zwei luxuriöse, grandiose Hotelkomplexe, einen ausladenden Yachthafen, einen Golfplatz, mehrere Binnenseen und Pools, zwölf Tennisplätze, Reitställe und ein Amphittheater gepflastert. Über allem thront hoch auf einem Berg die Dali-Villa, das private Renommierzentrum, in dem Carras seine Freunde aus der Künstlerzunft fürstlich bewirtet haben soll. Seine Großmannssucht führte schließlich zum finanziellen Ruin und zum Zusammenbruch seines Imperiums. Es gehört nun einem Konsortium von Investoren. Aber wenigstens trägt die unsägliche Anlage noch seinen Namen.

Die Panoramastraße in Richtung Norden, die bergauf- und bergab Kurve um Kurve entlang der Küste durch dichten Wald führt, ist ein Genuss. Hinter den traumhaft am Ufer gelegenen Campingplätzen Stavros in Porto Elana und Areti geht die Asphaltstraße in eine Naturpiste über, die nur mit kompakten, robusten Fahrzeugen zu bewältigen ist, die zudem über ausreichende Bodenfreiheit verfügen. Steinig, ausgewaschen, mit tiefen Rillen und manchmal auch sehr schmal, klettert sie an der meist felsigen Steilküste entlang. Zweimal müssen wir Furten passieren. Dafür belohnt sie uns mit einer überaus reizvollen Küstenlandschaft. Die eine oder andere, von Felsrücken eingerahmte Sandbucht ist durch Ferienanlagen belegt, und der Strand deshalb nur schwer zugänglich. In einigen Buchten ragen spitze Felsplatten aus dem Wasser, die das Baden erschweren. Dennoch bleiben genügend Plätze, an denen wir zumindest um diese Jahreszeit allein sind  Neben einer kleinen Bucht, in der sich vier bulgarische Camper-Familien mit Geländewagen und Zelten eingerichtet haben, treffen wir auf ein ausgedehntes, flaches Geländestück mit schönem Sandstrand. Nach der Karte und dem Anschein muss früher hier ein Campingplatz gewesen sein. Weit verstreut zeugen einige mehr oder weniger lausgeräumte Waschhäuser noch von dessen früherer Existenz. Wir lassen uns für zwei Tage am südlichen Ende des Platzes nieder. Am Fuße eines Höhenrückens, auf dem eine kleine Kapelle für göttlichen Beistand sorgt. Am anderen Ende des Platzes verbringt ein englisches Ehepaar, nach eigener Aussage bereits zum siebten Mal, mit Reisemobil, Schlauchboot und zwei Fahrrädern seinen mehrwöchigen Jahresurlaub.

Richtung Norden ist sogar entlang dieser Naturstraße mit freiem Stehen bald Schluss. Zunehmend sind auch hier die Buchten mit Ferienanlagen zugebaut. Über Toroni, vorbei an mehreren Campingplätzen, fahren wir zum Naturhafen von Porto Koufos mit seinen bunten Fischerbooten. Von See aus kaum zu sehen, liegt er im rechten Winkel hinter der engen, durch zwei senkrechte Felswände hindurch führenden Einfahrt. Der Ort hat sich seine Ursprünglichkeit bewahrt. Vielleicht auch dadurch, dass er durch die ihn umgebenden Felsrücken irgendwie düster und schattig wirkt. Bis zum nächsten Ort, dem schon an der Ostküste gelegenen Kalamitsi, führt die Straße hoch durch die Berge. Unterwegs fällt der Blick tief hinunter in einen Fjord, der unweigerlich an Norwegen erinnert. Eine riesige Tafel weist, wie so oft in Griechenland darauf hin, dass die im Fjord schwimmende Fischzucht-Anlage mit EU-Geldern finanziert wurde.

Kalamitsi ist ein lieblicher Ferienort mit drei ufernahen Campingplätzen. Dennoch stört sich niemand an uns und zwei weiteren Reisemobilen aus Deutschland und Frankreich, die wir neben einer Taverne und mit Blick auf ein vorgelagertes Felsinselchen am Ortsrand frei stehen. Und das, obwohl außer den drei Plätzen im Ort gleich nebenan einer der Renommier-Campingplätze Griechenlands liegt. Am Fuße eines steilen Bergrückens zwischen zwei Felsvorsprüngen belegt der gut geführte, beliebte Platz wie eine Festung ganz allein die gesamte, von hohen Bäumen beschattete Badebucht.

Kurz hinter Kalamitsi verlassen wir die Hauptstraße und finden nach einigem Suchen das schmale Sträßchen, das sich bergauf-bergab unmittelbar entlang der Küste nach Norden windet. Und wir werden belohnt. Überqueren wir einen Hügelrücken, haben wir fantastische Blicke auf die vor uns ins Meer fallenden Felsrippen. Fahren wir durch die Senken, kommen wir an Tavernen in den engen Buchten vorbei, eine interessanter als die andere. Schließlich landen wir an der flachen Sikia-Beach und seiner endlos langen, sich am Meer entlang ziehenden Asphaltstraße. Im Sommer muss hier die Hölle los sein auf den  schattenlosen Campingplätzen Asteris, Melissi, Pitsoni und Sikias mit ihren Super-Sandstränden. Jetzt, Ende Mai, ist hier noch absolut tote Hose, alles geschlossen. Von hektischer Saison-Vorbereitung keine Spur. Auch nicht auf den ganz am Ende der Bucht liegenden, wunderschönen Campingplätze Katerina und Valet. Echte Perlen. Schattig, mit Rasen, vielen Blumen, Sträuchern, Büschen und Bäumen. Kein Wunder, dass hier schon einige Reisemobil-Familien eingecheckt haben.

Über Sarti führt die kurvenreiche Panorama-Straße entlang der Steilküste durch dichte Wälder. Hin und wieder gibt sie den Blick auf eingelagerte Buchten frei, die Platanitsi-Beach, Armenistis, Koutloumoussi-Beach oder Lacara-Beach. Alle sind von mehr oder weniger ansprechenden Campingplätzen belegt.

Den schönsten Strand dieser Region bietet der Ort Vourvourou mit der Karidi-Beach. Ein Strand zum Ausflippen. Unser absoluter Favorit. Zu beiden Seiten wird seine etwa 200 Meter breite Bucht von flachen Felsrücken aus gewaltigen, hellen Sandsteinbrocken eingerahmt. Auf dem linken Schenkel hat sich eine weiß leuchtende Steinfläche gebildet, auf der malerisch eine vom Wind schräg gedrückte Platane Schatten spendet und weiter draußen skurril geformte Felsgebilde aus dem Wasser ragen. Dank des Untergrundes aus Granitsand leuchtet das Wasser in unvergesslichen Grün-, Türkis- und Blau-Schattierungen. Ein Anblick wie in der Südsee. Und aufgrund der geringen Wassertiefe hat das Wasser in der Bucht schon sehr früh im Jahr eine angenehme Badetemperatur erreicht.

Dennoch reißen wir uns nach vier Tagen los von diesem Traumstrand und fahren weiter in Richtung Athos. In Ormos Panagias machen wir einen Schlenker zum Hafen, in dem malerisch einige der alten Mustern nachgebauten Holzschiffe ankern, die wir schon mehrfach mit Touristen an Bord auf ihren Touren beobachtet haben.

Von Sithonia nach Athos führt nur eine zweitrangige, aber bestens ausgebaute Straße. Zuerst entlang der Küste, später durch die Berge, um bei Ierissos wieder auf das Meer zu treffen.

Vorbei an drei markanten Antennen oberhalb von Ierissos fahren wir auf Asphalt in die tief unter uns liegende Bucht hinunter, wo linkerhand mehrere No-Camping-Schilder und gleich dahinter mehrere Dauer-Wohnwagen neben einem Kinderspielplatz im Sand stehen. Wir nehmen die frisch geschobene Piste nach rechts, und fahren zwei Kilometer, vorbei an ein paar Wohn- und Ferienhäusern, in deren Gärten kräftig gearbeitet wird, bis an ihr Ende. Dort, neben einem uralten, dicken Olivenbaum und mit Blick auf die Insel Amoliani, richten wir uns zunächst für eine Nacht ein, bleiben dann aber volle drei Tage.

Das wenige Kilometer entfernte Ouranopoli, das sich selbst “Himmelsstadt“ nennt, begrüßt uns mit einer Vielzahl neu gebauter Hotelkomplexe und Ferienanlagen, die zusammen mit dem Campingplatz das ohnehin nur spärliche Angebot an Stellplätzen und Badebuchten gegen Null reduzieren. Unser elektronischer Wetterfrosch verspricht uns für morgen Sonne. Unserem Schiffs-Ausflug entlang der Mönchsrepublik steht also nichts im Wege.

Das erste Kloster wurde 963 gegründet. In der Blütezeit von Athos, im 15. und 16. Jh. lebten 3.500 Mönche in 40 Großklöstern in der Mönchsrepublik. 1926 wurde sie an Griechenland angeschlossen, behielt aber ihre eigene Verfassung und Verwaltung. Seit 1971 sucht die griechische Regierung Einfluss auf Athos zu nehmen und touristisch zu erschließen. Sie hat bereits die Renovierung mehrerer Klöster in Gang gesetzt, möglicherweise, um sie zu Museen umzuwidmen. Dennoch wird der Heilige Berg als das weiter bestehen, was er heute ist: ein einzigartiges Reservat orthodoxen Glaubens, byzantinischer Kunst und unvergleichlicher Naturschönheit. Mit hundert Kilometern Küste ohne Hotels, Strandbars, Yachthäfen und Fischerboote.

Normal-Touristen bleibt nur das Ausflugsschiff, um die 20 größeren Klöster und die vielen Einsiedeleien aus relativer Nähe zu betrachten – dichter als 500 Meter dürfen Schiffe mit weiblichen Passagieren an Bord nicht an die Küste, um die Welt der Stille und Meditation nicht durch den Anblick oder die Stimmen von Urlauberinnen zu stören.

Brav löhnen wir 18 Euro pro Person und begeben uns auf das vormittägliche Ausflugsschiff. Zu unserer Überraschung fährt es viel näher an das Ufer heran, als wir das bei einer früheren Fahrt erlebt hatten. Dreisprachig – deutsch zuerst  - informiert eine Tonbandstimme über die Geschichte von Athos, das Leben in den Klöstern und die Schätze, die das jeweils passierte Kloster in seinen Mauern beherbergt.

Mönchsiedlungen in den Bergen

Wie übereinander gestapelte Schachteln türmen sich die immer wieder mit neuen An- und Aufbauten versehenen Klöster in der bergigen Landschaft. Im Innern der festungsartigen Mauern vermischt sich angeblich der Geruch von Weihrauch und Muff, von Mottenkugeln und frischer Farbe. Überall sind Baukräne zu sehen. Mauern werden in Rot und Violett gestrichen, hölzerne Umläufe repariert, ganze Gebäudetrakte instand gesetzt. Mönche im Blaumann statt in der Kutte legen Hand an ihr Zuhause

In der Athos-Hauptstadt, verrät uns das Tonband, wuseln geschäftig die schwarzen Schatten durch die wenigen Straßen. Mit Aktentaschen unter dem Arm führt sie ihr weg zu den Klosterbotschaften und ins Gebäude des Heiligen Rates, wo die Bevollmächtigten aller zwanzig Klöster regelmäßig tagen. Hier gibt es sogar zwei winzige Gaststätten, die von weltlichen Hilfskräften geführt werden. Überhaupt sei das Leben auf Athos anders, als man sich das vorstellt. So leben selbst die zwanzig Klöster nicht nach einheitlichen Regeln.

Die elf koinobitischen Klöster werden von einem Abt sozusagen monarchisch geleitet und unterliegen den vier Gelübden Armut, Beständigkeit, Gehorsam und Keuschheit. Fleisch ist tabu. Der Tag besteht aus acht Stunden Arbeit, Gebet und Schlaf. Gegessen wird nur einmal pro Tag. Im Gegensatz dazu werden die neun idiorhythmischen Klöster von einem jährlich wechselnden vierköpfigen Gremium geleitet. Sie  erlauben Privatbesitz und beschränken das gemeinsame Leben auf den Gottesdienst. Hier haben die Mönche eigene Wohnungen, mit bis zu drei Zimmern und Küche. Sie dürfen zwei Novizen als Haushaltshilfe und Schüler engagieren.

Noch weltlicher geht es in den Skiten zu, dorfartigen Mönchs-Siedlungen mit um die Kirche verstreuten Gehöften. Jeweils drei  Mönche bewohnen ein Haus. Als nächste Gruppe gibt es die Kellien. Das sind meist schön gelegene und an einer hohen Zypressengruppe erkennbare Einzelgehöfte, in denen drei bis sechs Mönche leben. Die Kellioten leben nach der benediktinischen Regel „arbeite und bete“ von ihren Gärten und Feldern und sind in ihrer Anspruchslosigkeit, Freundlichkeit und Arglosigkeit echte Gotteskinder. Neben diesen Gruppierungen eben auf Athos noch ungezählte Einsiedler und Asketen in den unterschiedlichsten Behausungen – in Häusern, Hütten und Höhlen.

Insgesamt geht man von etwa 1.500 Gottgeweihten aus, die als Selbstversorger den Athos bewohnen. Sie leben von ihrer Hände Arbeit. Vom Anbau und Verkauf von Wein. Oliven und Honig oder als Kunsthandwerker – vor allem als Holzschnitzer, Gold- und Silberschmiede sowie Ikonenmaler.

Eindrucksvoller als die oft hoch in die Felsen geklebten Klosterbauten ist der Heilige Berg selbst, der gewaltig und harmonisch-gleichförmig, mit markanten Schründen und spitzem Gipfel bis auf 2.033 Meter aus dem Meer aufragt. Mit markanten Schründen unter seinem spitzen Gipfel. Ganz unreligiös würde mich interessieren, ob jemals ein Nichtmönch die Gelegenheit hatte, den Heiligen Berg zu bezwingen. Aber darauf kann oder will mir niemand eine Antwort geben.

Die Chalkidiki besteht nicht nur aus den drei Fingern. Sie hat auch einen Handrücken. Und über den fahren wir einen Tag später entlang der Ostküste in grober Richtung Norden – mit einem Abstecher hinauf in die Berge in das ursprüngliche Arnea. In Stratoni biegen wir nach links ab und schrauben uns auf einer schmalen Straße durch dichten Mischwald Kurve um Kurve hinauf auf über 500 Meter. Oben im Hochtal angekommen, passieren wir zuerst das neue Stagira, danach legen wir einen kurzen Stopp am Aristoteles Park ein, in dem wir neben einer Marmor-Statue des Aristoles viele seiner mathematischen und astrologischen Erkenntnisse in leicht verständlichen Objekt-Darstellungen unter freiem Himmel bewundern können.

Nach weiteren 26 Kilometern sind wir am Ziel, in Arnea. Einem Bergdorf, wie es in Griechenland nicht mehr viele gibt. Mit mehrgeschossigen, historischen Steinhäusern aus dem 19. und 20 Jahrhundert, an denen durch geschwungene Stützen gesicherte Holzbalkone und Erker hängen. Dicht an dicht ziehen sich die Häuser den Berg hinauf. Viele von ihnen sind sichtbar erst in letzter wieder aufgebaut oder renoviert worden.

Wieder unten am Meer passieren wir zunächst Bucht um Bucht, feinsandig, mit glasklarem Wasser, eingerahmt von Felsrücken, auf denen Eichen, Ginster und Heidekraut wachsen. Ein wunderschönes Stück Küstenlandschaft. Wenn auch die Zufahrten zum Meer auf den engen, sandigen Wegen oft unübersichtlich und schwierig sind. Weiter nördlich wird das Hinterland zunehmend flacher. Mögliche Wege ans Ufer führen durch landwirtschaftlich genutzte Flächen. Am Ufer sind Felsplatten und -spitzen in den Sand eingelagert. Für uns ist das kein so tolles Baderevier.

Die Erkenntnisse unserer Reise basieren, das muss einschränkend gesagt werden, auf der Situation in der Vorsaison. Im Hochsommer wird speziell von der Chalkidiki  immer wieder von unnachgiebig gegen Free-Camper vorgehende Polizisten berichtet. Dennoch: das Dreigespann – besonders die mittlere Halbinsel Sithonia – ist nach wie vor ein lohnendes, landschaftlich äußerst reizvolles Urlaubsziel. Auch für Reisemobilisten in der Hochsaison. Dann allerdings sind die vielen gut geführten, gepflegten und an traumhaften Badestränden liegenden Campingplätzen wohl die bessere Alternative.

Erleben Sie erste Eindrücke

Die Route zum Nachverfolgen

Das aktuelle Wetter

Wichtige Informationen

Anreise/Verkehr/Camping: Die einfachste und schnellste Anreise ist die Fahrt mit einer der drei Fährlinien – Anek-Lines, Minoan-Lines oder Superfast – von Italien nach Griechenland. Seit Jahren sind dabei gravierende Änderungen zu beobachten. Mal Camping an Bord, dann wieder nicht. Dafür eine Kabine zum Preis der Deckspassage. Deswegen ist eine vorausschauende Empfehlung nicht möglich. Fest steht nur, dass die Fahrt ab und nach Venedig nach Igoumenitsa oder Patras die mit Abstand schönste ist. Auf der Riesenfähre im Schneckentempo durch Venedig, vorbei am Markusplatz, zu gleiten ist ein unvergessliches Erlebnis.

Das Straßennetz in Griechenland ist gut ausgebaut. Die Verkehrsregeln entsprechen grundsätzlich den unseren. Allerdings akzeptieren die Tankstellen nur Bargeld. Offiziell ist „Freies Campen“ verboten – wobei strittig ist, ob dabei nicht nur das Zelten und Aufstellen von Wohnwagen gemeint ist. Zumindest in der Vorsaison stört sich aber niemand daran – allenfalls in der näheren Umgebung von Campingplätzen.

Viele Campingplätze sind für Reisemobile nicht geeignet. Wenn doch, sind sie in gutem Zustand. Siehe: www.panhellenic-camping-union.gr

Geld/Einkaufen: Da Griechenland nicht nur zur EU, sondern auch zur Eurozone gehört, gibt es mit dem Geld keinerlei Probleme. In den Städten finden sich flächendeckend „mehrsprachige“ Geldautomaten – Ausgabe oft auf 200 Euro begrenzt. Ebenfalls in den Städten finden sich neben griechischen Supermärkten die deutlich günstigen Lidl-Filialen mit großen Parkplätzen, die durchweg Visa- oder Mastercard-Kreditkarten akzeptieren.

Geschichte/Bevölkerung: Bereits 963 wurde auf der Halbinsel Athos das erste Kloster gegründet. Im Jahr 1046 erließ Kaiser Konstantin IX. Monomachos die noch heute weitestgehend gültige Bulle, mit der ihr er Athos den Titel „Heiliger Berg“ (Agion oros) verlieh, um ihn über alle anderen damaligen Mönchsberge zu erheben. In der Blütezeit, im 15. und 16. Jahrhundert. lebten 3.500 Mönche in 40 Großklöstern in der Mönchsrepublik.

Viele Orte der Chalkidiki sind Neugründungen der Griechen aus Kleinasien, die nach dem von den Türken verlorenen Krieg 1922 ihre angestammte Heimat verlassen mussten. Ortsnamen wie Nea Fokea oder Neos Marmaras (beides für neu) weisen darauf hin. Chalkidiki ist also nichts für Griechenland-Romantiker, die alte malerische Orte mit übereinander getürmten Häuserwürfeln oder hochragende Tempeln suchen. Nicht nur ihre Häuser, auch die Bewohner, sind stark von ihrer Herkunft „von drüben“ geprägt, vom Auftreten, der etwas anderen Lebensart und der feineren Küche. Nur droben im Bergland und abseits der Hauptrouten gibt es natürlich noch byzantinische Kapellen und Kirchen sowie schöne alte Häuser aus der Zeit der Türkenherrschaft. Ansonsten finden sich überall Türme aus Stein und Fels, prächtige Zeugen der byzantinischen Zeit.

Griechische Zentrale für Fremdenverkehr,

Neue Mainzer Straße  22,
60311 Frankfurt am Main,
info(at)gzf-eot(dot)de.

Text und Fotos: Frank Böttger