Premiere im Wohnmobil

Der Wetterbericht hatte fürs Wochenende endlich wieder schönes Wetter vorhergesagt, zumindest für die bayerisch-österreichischen Alpen – aber da wollten wir ja auch hin. Vor langer Zeit hatten Kira, Niklas und ich darüber gesprochen, „mal mit einem Wohnmobil“ wegzufahren. Und dieses Oktober-Wochenende sollte es endlich die Premiere geben. „Cool!“, waren sich meine beiden Kinder einig, als ich ihnen ankündigte, sie am späten Nachmittag abzuholen und mit Ihnen übers Wochenende eine „Watzmann-Umrundung“ zu machen!

Das Wohnmobil leihe ich ganz problemlos bei einem bekannten Unternehmen in der Nähe von Altötting. Dort gibt’s eine kurze, kompetente Einweisung und Erklärung aller wichtigen Dinge, die zu beachten sind. Ein paar Unterschriften auf den Formularen, Blick auf meinen gültigen Führerschein und schon habe ich die Fahrzeugschlüssel samt Fahrzeugpapieren in der Hand und es heißt: „Gute Fahrt und ein schönes Wochenende!“

Bereits auf den ersten Metern stelle ich fest, dass sich der „Kasten“ wunderbar einfach fahren lässt, die Motorisierung garantiert ein flottes Vorankommen und der Überblick auf dem Fahrersitz ist Dank der großen Rückspiegel trotz des ungewohnten Aufbaus optimal; kurzum, das Ding lässt sich fahren wie ein „normales“ Auto - und ich bin sehr angetan. Richtiggehend begeistert sind Kira und Niklas, als sie das Mobil sehen und es in Beschlag nehmen. Die Inspektion der beiden fällt ebenso begeistert aus und ist begleitet von zahlreichen „cool“-, „stark“- und „krass“-Bemerkungen: Als Schlafplatz ist  sofort der Alkoven auserkoren, ich bekomme das Bett im Heck des Wagens zugeteilt. Schnell sind die Klamotten und das Bettzeug verstaut, Lebensmittel, Geschirr und die noch „lebenswichtigeren“ Utensilien wie ipod und Laptop untergebracht, und wir können losdüsen. Die beiden richten sich auf der gemütlichen Sitzecke am Tisch ein und packen schon die Spiele aus, während ich den Chauffeursposten übernehme. Der Spätnachmittag präsentiert sich in tristem Grau und es ist schon fast dunkel, als wir loskommen: Heute wollen wir noch an den Taubensee kurz vor Berchtesgaden. Am dortigen Campingplatz habe ich uns angemeldet, und da wir sicher nicht vor dem offiziellen Büroschluss dort sein werden, hat mir die nette Dame am Telefon genau erklärt, wo unser Stellplatz ist, wie wir die Sache mit dem Stromanschluss zu erledigen haben und es uns sonst auf ihrem Platz heimisch machen können.

Als wir ankommen, ist es bereits stockdunkel. Dichte Nebelschwaden lassen nicht wirklich viel von der Umgebung und den Gegebenheiten erkennen. Trotzdem finden wir alles Dank der genauen Beschreibung unproblematisch und schnell und haben uns und unser Heim in kürzester Zeit für die Übernachtung installiert. Es ist nur ein Katzensprung zum Küchen-, Ess- und Sanitärbereich. Wir wollen aber natürlich „daheim“ essen, schließlich haben wir eine perfekte Küche mit Gaskocher. Und natürlich wollen Kira und Niklas „Spaghetti“! Es ist ein echtes Vergnügen, zusammen zu kochen, und die ausgeklügelte Raumeinteilung des Wohnmobils lässt uns genügend Platz, so dass wir uns überhaupt nicht im „Weg stehen“. Draußen ist es mittlerweile richtig kalt geworden, während wir Dank der leistungsstarken Heizung unsere Spaghetti hier drinnen in kuscheliger Wärme verspeisen können.

„Super geschlafen!“, lautet die Ansage von Niklas und Kira am nächsten Morgen, der uns bereits mit strahlendem Sonnenschein begrüßt. Wir inspizieren bei einer kleinen Runde den großzügig angelegten Platz und holen uns an der Rezeption gleich noch ein paar Frühstückssemmeln. Dabei lernen wir auch gleich die Chefin und „gute Seele“ des Platzes, Maria Graßl , kennen, die mir gestern für die Anreise alles so gut erklärt hatte. Das Frühstück ist schnell verputzt, wir wollen rasch los mit unserem mittlerweile schon sehr liebgewonnenen Fahrzeug. Auf der „Deutschen Alpenstraße“ ist relativ wenig Verkehr, das Farbenspiel der herbstlich gefärbten Bäume, des strahlend blauen Himmels und der noch sattgrünen Almwiesen beeindruckend, unsere Stimmung ist bestens! Und auch der erste Blick auf den Watzmann fällt beeindruckend aus, der sich in seiner ganzen Größe präsentiert.

Ein paar Kilometer weiter genießen wir neuerlich einen beeindruckenden Blick auf den sagenumwobenen Berg, der sich hinter der Stadtkulisse von Berchtesgaden wie dessen unüberwindbarer Beschützer darstellt. Berchtesgaden selbst lockt uns unter anderem mit dem Besuch des Salzbergwerks. Wir widerstehen jedoch bei diesem traumhaften Wetter der Versuchung, in die dunklen Tiefen des Bergwerks einzutauchen. Stattdessen wollen wir hoch hinaus: Das Rossfeld ist unser Ziel. Steil, mit über 20 % Steigung geht es nach oben in Richtung Obersalzberg. Dort erwartet die „Dokumentation Obersalzberg“, eine ständige Ausstellung des Instituts für Zeitgeschichte, mit umfangreichen Informationen den Besucher, um über die Geschichte des Obersalzbergs und die NS-Diktatur aufzuklären. Aber auch dieses Angebot lassen wir für heute ungenutzt, ebenso wie die Möglichkeit, gleich nebenan mit Pendelbussen aufs Kehlsteinhaus zu fahren. Wir wollen unser Wohnmobil genießen und fahren weiter Richtung „Rossfeld Panoramastraße“, der höchstgelegenen deutschen Aussichtsstraße. Auf dem Weg dorthin lassen wir uns aber doch noch ablenken und folgen einem Hinweisschild „Sommerrodelbahn“. Dort angekommen können wir wieder einen wundervollen Blick über Berchtesgaden auf den dominierenden Watzmann genießen. Ein absoluter Genuss und großes Vergnügen ist es auch, die Sommerrodelbahn hinabzuschießen.

Etwas gemütlicher geht es kurz darauf mit unserem fahrbaren Heim wieder weiter. Die Straße zum höchsten Punkt des Rossfelds gibt immer wieder atemberaubende Blicke frei: Berchtesgaden grüßt auf der einen Seite, auf der Passhöhe ist das Panorama Richtung Österreich und das Salzachtal beeindruckend, ebenso wie in weiteren  Verlauf des Flusses nach Norden die Sicht auf Salzburg, wo wir Dank des schönen Wetters sogar die Festung und den Flughafen einwandfrei ausmachen können. Und auch das Kehlsteinhaus, zu dem wir mit dem Bus nicht gefahren sind, können wir von hier aus zumindest aus der Entfernung einwandfrei erblicken. Zur Krönung unserer guten Stimmung genehmigen wir uns auf der sonnenüberfluteten Terrasse des „Ahornkaser“, eine der zahlreichen Einkehrmöglichkeiten, noch eine deftige Brotzeit.

Die Stimmung wie das Wetter könnte nicht besser sein, als wir uns anschließend wieder auf den Weg machen. Die Route führt uns über den kleinen Grenzübergang bei Bad Dürrnberg Richtung Hallein. Doch bevor wir dort ankommen, bremst uns ein neuerliches Hinweisschild auf eine Sommerrodelbahn ein: der mit 2,2 Kilometer lange „Keltenblitz“ ist die längste Sommerrodelbahn Salzburgs und hat es uns angetan; wir legen eine neue Spaßpause ein. Mit dem Sessellift geht es zur Bergstation auf dem Zinkenkogel und allein diese Auffahrt verschafft uns neuerlich traumhafte Blicke über Bad Dürrnberg, hinab nach Hallein und die Salzach entlang bis Salzburg. Die Fahrt mit dem Keltenblitz ist sagenhaft, die Streckenführung atemberaubend und spektakulär, und die über zwei Kilometer lange, auf Schienen sicher geführte Abfahrt vergeht viel zu schnell. Wir verkneifen uns aber einen zweiten Durchgang, schließlich neigt sich der Nachmittag auch schon dem Abend und der beginnenden Dämmerung entgegen und wir wollen noch bis St. Johann im Pongau, wo wir einen Campingplatz für die Übernachtung ausgesucht haben.

So widerstehen wir auch den Versuchungen des Halleiner Salzbergwerks, den einladenden Straßencafés und Eisdielen in Hallein. Wir schlängeln uns mit dem Wohnmobil, das dem „mobil“ in seinem Namen alle Ehre macht, durch den Wochenendverkehr und folgen der Salzach flussaufwärts. Wir passieren Kuchl und Golling, um kurz dahinter der bekannten Salzachklamm einen Besuch abzustatten. Hier zwängt sich der Fluss aus seinem relativ breiten Becken durch enge Felsen, hat dabei im Lauf der Jahrhunderte die Steine extrem ausgewaschen und tost in brausenden und rauschenden Fluten, sich tief eingrabend durch die natürliche Felsbarriere.

Kurze Zeit später sind wir bereits in Werfen und passieren die hoch über dem Fluss thronende Burg Hohenwerfen, lassen diese jedoch wie auch in Bischofswiesen die Sprungschanze noch unbesucht und kommen schließlich bei Sonnenuntergang wohlbehalten und zufrieden mit unserem bisherigen Wohnmobil-Abenteuer auf dem Campingplatz an. Mittlerweile schon routiniert parken wir unser rollendes Heim, verkabeln uns mit der Stromversorgung und machen uns auf die Platzerkundung. Das Gelände ist terrassenförmig angelegt, sehr weitläufig und mit Bäumen, Büschen und Sträuchern abwechslungsreich gestaltet. Die Sanitäreinrichtungen sind großzügig, super sauber – einfach erste Sahne!

„Spaghetti hat’s doch gestern schon gegeben!“ Ich protestiere gegen den Wunsch meiner Kinder fürs Abendessen, habe aber natürlich keine Chance. Den beiden macht es einfach zu großen Spaß, sich in ihrem neuen Reich als Köche zu betätigen und das Resultat anschließend wieder in gemütlicher Dreier-Runde zu vertilgen. Nach dem Essen kommen wir noch mit unseren Platznachbarn, Vater und Sohn, die mit ihren Motorrädern unterwegs sind und zelten, ins Gespräch, und jeder betont die Vorteile der jeweiligen Reiseart. Wir sind mittlerweile absolute Verfechter des Wohnmobils und bedauern, dass wir uns dieses Feeling und die Erfahrung von Unabhängigkeit, Mobilität, Freiheit und Abenteuer nicht schon früher gegeben haben!

Nebelschwaden über der Salzach, darüber aber bereits strahlenden Sonnenschein hat der Sonntag für uns parat und macht damit seinem Namen alle Ehre. Schnell haben wir unser Heim abfahrbereit und rollen entlang der Salzach zurück nach Werfen. Mit der Zahnradbahn geht es bequem nach oben auf die Burg Hohenwerfen. Dort kommen wir gerade richtig: Ein kleiner Mittelaltermarkt empfängt uns mit Marketendern, Gauklern und Fieranten und deren Angebote und Vorführungen. Unabhängig von dieser Veranstaltung ist eine Dauereinrichtung jedoch noch beeindruckender: die Greifvogelstation mit ihren Flugvorführungen. Vor  phantastischer Kulisse werden Geier, Adler und andere imponierende Greifvögel bei spektakulären Flugvorführungen präsentiert, und manch einer der Besucher und staunenden Zuschauer bekommt beim Landeanflug der behänden Luftakrobaten noch einen leichten Flügelschlag verpasst, so exakt und knapp über die Köpfe hinweg ziehen die Raubvögel ihre Bahn.

Andere „Adler“, die der österreichischen Skisprung-Nationalmannschaft, ziehen im Winter ihre Bahnen ein paar Kilometer davon entfernt in Bischofshofen auf der Paul-Ausserleitner-Schanze. Sie ist bekannt vor allem durch das Abschlussspringen der jährlich stattfindenden Vier-Schanzen-Tournee und seit ihrem Umbau im Jahr 2003 die größte Mattenschanze der Welt, auf der auch im Sommer hochkarätig besetzte Springen durchgeführt werden. Bei unserem Besuch ist jedoch weder Training- noch Wettbewerbsbetrieb, so dass wir das monströse Bauwerk in Harmlosigkeit vortäuschender Ruhe bestaunen können. Die Ausmaße sind enorm, und für uns Laien ist es kaum vorstellbar, dass es tatsächlich Menschen gibt, die sich nicht nur in die steile Anlaufspur stürzen, sondern anschließend auch noch kontrolliert vom Absprungtisch mehr als 100 Meter durch die Lüfte segeln – „Adler“ eben! Wir sind schwer beeindruckt und haben höchsten Respekt vor diesen Leistungen.

Mit einem bleibenden Eindruck entern wir drei wieder unsere fahrende Heimat und verlassen Bischofshofen. Die Straße führt uns am beliebten Wander- und Skigebiet „Hochkönig“ vorbei und schlängelt sich in mal weiten, mal engeren Kurven bergaufwärts zum Dientener Sattel. Ausgedehnte Almwiesen und zahlreiche Wanderwege bieten Erholung und Naturgenuss pur, umrahmt und begleitet von der imposanten Gebirgskulisse. Wir genießen die Aussichten aus unserem bequemen Wohnmobil und gleiten von der Sattelhöhe über Maria Alm nach Saalfelden. Das Steinerne Meer ist unser ständiger Begleiter und beeindruckender Gebirgsstock. Von Saalfelden aus rollen wir auf der Pinzgauer Bundesstraße entlang des Weißbachs Richtung Lofer. Auch hier beeindruckt die Landschaft mit spektakulärem, herbstlichem Farbspiel, Auto- und Motorradfahrer verbessern ihr Fahrvermögen auf dem Verkehrsübungsplatz und Fahrsicherheitszentrum am Brandlhof, während ein paar Kilometer weiter an den schroffen Felswänden unmittelbar rechts der Straße ein paar verwegene Sportkletterer ihrem Hobby nachgehen.

Wir genießen vom bequemen Fahrzeugsitz aus die Eindrücke und Aussichten, lassen uns jedoch zu keinem weiteren Stopp mehr hinreißen. Im zügig dahin fließenden Ausflugsverkehr rollen wir mit Richtung Heimat. Über Lofer und Unken erreichen wir Schneizlreuth, wo sich unser Kreis um den Watzmann schließt. Auf dem weiteren Weg nach Hause stellen wir fest, dass wir gar nicht mal so viele Kilometer – um die 200 – „gemacht“ haben. Dafür sind wir uns aber absolut einig, dass uns diese Wohnmobil-Premiere ein Wochenende der besonderen Art gebracht hat, wir sehr viel Spaß, wunderbare Erfahrungen und Erlebnisse hatten! Ein bisschen ärgern wir uns fast darüber, diese Art des Reisens und der Wochenend-Gestaltung nicht schon längst ausprobiert zu haben. Ganz sicher sind wir uns dafür in einem Punkt: Dieser super Premierenerfahrung werden  garantiert noch mehr Unternehmungen folgen, bei denen wir dieses klasse Gefühl der Unabhängigkeit, der Mobilität und ja sogar ein bisschen von „Freiheit und Abenteuer“ genießen wollen!

Andreas Wiesenzarter

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Wohnmobile mieten

Im Internet finden sich beim Deutschen Caravaning Handels-Verband DCHV unter www.dchv.de  die Händler, die auch Mietfahrzeuge in ihrem Sortiment haben. Beispiele:

ADAC Wohnmobilvermietung
Tel. 089 / 76 76 38 28
www.adac.de/wohnmobile 

HYMER-rent
Tel. 07524 / 99 90
www.hymer-rent.de

Deutsche Reisemobil
Vermietungs GmbH
Tel. 08121 / 99 50
www.drm.de

McRent Holding GmbH
Tel. 07562 / 98 78 50
www.mcrent.de

weitere Infos zum Thema Mieten:

Campingplätze

Campingplatz Simonhof 
Alte Reichenhaller Straße 110 
83486 Ramsau bei 
Berchtesgaden, (D)

www.camping-simonhof.de

 

Campingplatz Wieshof
Wieshofgasse 8
 5600 Sankt Johann im Pongau (A)

www.camping-wieshof.at 

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www.camping-in-bayern.info  

www.camping.salzburgerland.com  

Text/Fotos: Andreas Wiesenzarter