#Freiheit

Liebliches Taubertal

Ein Wohnmobil-Trip durch die Radelregion mit Prädikat

Amsterdam Highlights der deutschen Nordsee Vorheriger Reisebericht Nächster Reisebericht
101 Kilometer lang schlängelt sich das Taubertal von Rothenburg ob der Tauber bis nach Wertheim und bietet Radfahrern ein wahres Eldorado. Campingplätze unmittelbar am Wasser machen den Trip perfekt.
Das Taubertal, das sich zwischen Rothenburg ob der Tauber und Wertheim durch drei Landesteile schlängelt (Württemberg, Franken und Baden), hat sich seinen lieblichen Charme bewahrt. Deshalb wurde es vor über 30 Jahren zur Eröffnung des Tauberradweges ganz offiziell zum “Lieblichen Taubertal” erklärt.

Das Taubertal - per Wohnmobil und Rad entlang der Tauber

Schon länger hatten wir uns vorgenommen, eine Tour durch das “Liebliche Taubertal” zu machen. Als passionierte Genussradler wollten wir dieses Mal in der Radelregion mit Prädikat nochmals in die Pedale treten. In Rothenburg ob der Tauber, wo sich die Romantische Straße mit der Burgenstraße kreuzt, beginnt der “Klassiker” unter den Radwegen, der sich über 100 Kilometer bis nach Wertheim hinzieht.

Auf Schuster's Trappen

Vom Campingplatz “Tauberromantik” in der Flussaue Rothenburgs spazieren wir zunächst hinauf in die historische Altstadt, die gleichsam den Inbegriff des deutschen Mittelalters verkörpert. Sobald man die Stadt durch eines ihrer mächtigen Tore betreten hat, fühlt man sich um Jahrhunderte zurückversetzt. Türme und Fachwerkhäuser mit steilen Giebeldächern, gotische Kirchen und malerische Patrizierhäuser, fein herausgeputzt und mit Geranien geschmückt, bestimmen das Bild. Die Gasthäuser und Läden, von denen einige das traditionelle Brandteiggebäck “Schneeballen” anbieten, fügen sich harmonisch ein. Auf dem Marktplatz thront wuchtig das Rathaus, das Elemente aus Gotik, Barock und Renaissance in seinen Fassaden vereint. Hier wartet abends um halb zehn der Nachtwächter auf seine Gäste, die er auf seinen allabendlichen Rundgang mitnimmt.

Traditionell: Brandteig-``Schneeballen``

Die Ratstrinkstube gleich daneben zählt zu den bekanntesten Gebäuden Rothenburgs. Seit 100 Jahren öffnen sich links und rechts der Uhr stündlich zwei Fenster, in denen einzelne Figuren die legendäre Geschichte des Meistertrunks vorführen. Der Legende nach entging die protestantische Stadt nach ihrer Eroberung durch katholische Truppen im 30-jährigen Krieg nur deshalb der Plünderung und Brandschatzung, weil der damalige Ratsherr der perfiden Probe des Truppenanführers General Tilly Stand gehalten hatte und einen dreieinhalb Liter Humpen mit Wein auf einen Zug leerte. Das danken ihm die Rothenburger noch heute mit einem alljährlichen Festspiel zu Pfingsten mit großem Heereszug und Feldlager und feuchtfröhlichem Gelage.

Auf schmaler Straße Tauber aufwärts lenken wir unser Wohnmobil zum nächsten Ziel nach Creglingen. In dem lieblichen Landstrich, wo sich Bayern ganz im Westen in vielen Windungen an das östliche Baden-Württemberg schmiegt, zeugt hier eine Mühle und da ein Museum von der handwerklich geprägten Gegend. Gegenüber dem kuriosen Fingerhutmuseum, das sich den Fingerhüten von einst und jetzt widmet, thront das Kleinod von Creglingen, die reich verzierte Herrgottskirche. Der Pfarrer steht vor dem Marienaltar, einem Meisterstück von Tilman Riemenschneider, das der Würzburger Künstler vor über 500 Jahren schuf, und erklärt die beeindruckende Schnitzkunst in Form einer gotischen Monstranz, in der Szenen aus dem Leben Marias dargestellt sind.

Nach einem anschließend erfrischenden Rundgang über den Barfußpfad bei den Münster Seen lenken wir das Wohnmobil ganz entspannt durch die malerischen Fachwerkstädtchen, die im milden Nachmittagslicht tatsächlich etwas Liebliches ausstrahlen. Unser nächstes Ziel ist Weikersheim mit seinem weitläufigen Renaissance-Schloss. Die Kammerzofe wartet schon und nimmt uns mit auf einen kurzweiligen Rundgang in ihre Zeit und durch die herrschaftlichen Gemächer.

Von Schloss zu Schloss entlang der Tauber

Nicht nur die Fürsten zu Hohenlohe haben wehrhafte Burgen und pompöse Schlösser mit akkurat angelegten barocken Parks in dem Landstrich verteilt. In Bad Mergentheim hat sich einst der Deutschorden mit einem wuchtigen Schloss verewigt. Eine gemütliche Etappe von zwölf Kilometern Tauber abwärts liegt zwischen den beiden geschichtsträchtigen Städten. In Bad Mergentheim hatten sich einst schon die Kelten niedergelassen, nachdem sie entdeckten, dass die bittersalzhaltige Mineralquelle ihre Zipperlein heilt. Im Mittelalter entwickelte sich der Ort zur Ordensstadt. Ritter des Johanniter- und des Deutschen Ordens prägten die heutige Kleinstadt, die als Kurort lange große Bedeutung genoss und zu den mondänen Heilbädern Deutschlands zählte. Noch heute tritt die Kurkapelle im Zentrum des malerischen Kurparks auf, durch den in besseren Tagen große Dichter, Denker und Musiker wandelten.

Durch das weite Weinanbaugebiet des “Lieblichen Taubertals”, wo die Winzer aus den bodenständigen Rebsorten nach strengen Vorgaben die “Tauber-Edition” kreieren, steuern wir Tauberbischofsheim an. Durch ihre erfolgreichen Fechter hat sich das verschlafene Zentrum der Region weltweit einen Namen gemacht. Doch es gab auch bewegtere Zeiten, wie die Stadtführerin in der Bürgerkluft vergangener Zeiten auf einem kurzweiligen Rundgang erzählt, der mit einem Glas regionalen Wein aus dem Bocksbeutel am Kurmainzischen Schloss und dem Türmersturm, dem Wahrzeichen der Stadt, ausklingt.

Mittelalterlicher Tubel am ``Hohen Herrgott``

Im nahegelegenen Külsheim, wo die Weinlage “Hoher Herrgott” heißt, erleben wir indessen nachmittags den ausgelassenen Trubel eines mittelalterlichen Festes im Hof des einstigen Schlosses. Jung und Alt in historischen Kostümen werkeln und musizieren, tanzen und lassen sich Wildschwein am Spieß mit einem Humpen Met schmecken, wie einst die Ritter und Gaukler.
Auf der Weiterfahrt nach Wertheim, der letzten Station unserer Taubertal-Tour, präsentiert sich im ehemaligen Zisterzienserkloster in Bronnbach ein weiteres Juwel sakraler Kunst. Anschließend geht es zwischen Weinbergen und Gewerbegebieten in die ehemalige Residenzstadt der Grafen von Wertheim, wo die Tauber in den Main mündet. Direkt am Main liegt auch der Campingplatz. Immer mal wieder tauchen in der Idylle größere Hotelschiffe auf, deren Kapitäne auf dem Weg von Amsterdam nach Wien für einige Stunden im “Fränkischen Heidelberg” vor Anker gehen. Die Burgruine am Berg und die engen Gassen mit den Fachwerkhäusern zwischen Abhang und Mainufer beeindrucken die Ausflügler per Schiff ebenso wie die Radtour-Touristen, die sich gerne auf dem gemütlichen Marktplatz zur Rast niederlassen. Wer neben dem Fahrrad wie wir auch per Wohnmobil unterwegs ist, kann sich anschließend zu einem Einkaufsbummel in die Wertheim Village aufmachen. In dem Outlet-Center an der Peripherie der Stadt sind wir endgültig wieder im Hier und Jetzt angekommen.
Text und Bildmaterial: Renate Wolf-Götz

Ähnliche Reiseberichte

#Europa #Erholung #Familie #Kinder Bayern Auf Tour durch die Heil- und Kurorte Bayerns Mehr erfahren
#Europa #Abenteuer #Erholung #Freiheit Watzmann-Umrundung Familienausflug in die bayerisch-österreichischen Alpen Mehr erfahren
#Abenteuer #Erholung #Europa #Freiheit Highlights der deutschen Nordsee Mit dem Reisemobil vom Süden Deutschlands bis in den hohen Norden Mehr erfahren