Radeln mit Rückenwind.

Elektrounterstützung macht das Fahrrad noch universeller einsetzbar, erhöht Fahrspaß und Reichweite. Die Vielfalt ist groß, heute hat fast jeder bedeutende Fahrradhersteller einen Stromer im Programm – und viele Reisemobilisten bereits eines im Stauraum.

Das Pedelec boomt – neue Anbieter und neue technische Entwicklungen bereichern den Markt. Reisemobilisten, deren liebstes Beiboot ohnehin das Fahrrad ist, finden großen Gefallen an den elektro­unterstützten Bikes, die nicht nur zum Brötchenholen taugen, sondern auch für längere Ausflüge – selbst im hügeligen Gelände. Mehr Effizienz der Motoren und bessere Akkutechnik erhöhen die Reichweite – 50 bis 100 Kilometer sind je nach Akku und Nutzungsintensität drin.

Antriebsbauformen:

Unabhängig von Art und Grad der Unterstützung unterscheidet man verschiedene Bauformen anhand der Position des Elektromotors. Drei grundlegende Arten haben sich etabliert. Der Nabenmotor im Vorderrad bietet den Vorteil, dass am Hinterrad sämtliche Schaltungen verwendet werden können. Die fahrdynamischen Eigenschaften sind jedoch umstritten (Antrieb und somit zusätzliches Gewicht am Vorderrad).

Der Nabenmotor am Hinterrad ist weit verbreitet, begrenzt die Schaltungswahl aber auf Kettenschaltung oder Rahmengetriebe. Sein Handling gilt als angenehmer, da, wie bei einem gewöhnlichen Fahrrad, das Hinterrad angetrieben wird. Das hohe Gewicht im Hinterrad ist jedoch teils deutlich spürbar, wodurch sich dieser Antrieb für sportliche Räder, wie z. B. Mountainbikes, weniger gut eignet. Am häufigsten anzutreffen ist mittlerweile der Mittelmotor. Hier sitzt der Antrieb an der Tretkurbel, wo sich das Mehrgewicht am wenigsten auf die Handhabung des Rades auswirkt.

Mittelmotoren ermöglichen Naben- und Kettenschaltungen, letztere allerdings meist nur mit einem Kettenblatt. Vorreiter des Prinzips Mittelmotor ist der japanische Hersteller Panasonic. Der schweizerische Hersteller Biketech AG verbaut ihn seit 2003 in seinen Flyer-Rädern; die aktuelle Kollektion ist mit der fünften Generation ausgestattet. Seit dem Produktjahr 2012 ist auch der Konzern Bosch mit einem eigenen Elektrorad-Antrieb am Markt vertreten und gewinnt stetig an Relevanz. Mit der Durchsetzung des Prinzips Mittelmotor werden marktübergreifend Elektrofahrräder als solche konzipiert, denn Mittelmotoren erfordern einen eigens entwickelten Rahmen. Frühere oder billige Antriebs­konzepte brachten bzw. bringen oft einen Elektromotor in einem bestehenden Fahrrad unter, ohne die höheren Belastungen für das System zu bedenken.

Der Motor macht beim Antrieb ca. die Hälfte des Gewichts aus. Die andere Hälfte entfällt auf Akku, Verkabelung, Steuerung und etwaige Verstärkung von Rahmen und Komponenten. Der Akku ist modellabhängig entweder im Hauptdreieck des Rahmens oder im Gepäckträger verbaut, bei einigen Modellen findet er sich auch dezent in den Rahmen integriert.

Alles rund ums
E-Bike

Fahrrad-Specials by promobil

Das Fachmagazin promobil berichtet aktuell in seinen "Fahrrad-Specials" rund um das Thema E-Bikes und Caravaning.


Hier geht es zum Beispiel um Straßenverkehrsregeln für E-Bikes
und spezielle Trägersysteme.
Ein weiteres Special berichtet über Die schönsten Bike-Regionen für die Wohnmobil-Tour.

 

Funktionsprinzipien

E-Bike

Gern als Oberbegriff für alle Fahrräder mit E-Antrieb verwendet, bezeichnet der Begriff „E-Bike“ im engeren Sinne ein Fahrrad, dessen Motor mit einem „Gasgriff“ bedient wird. Es funktioniert also unabhängig vom Pedalieren. Je nach Leistungsabgabe und Geschwindigkeit sind E-Bikes versicherungspflichtig (Mofakennzeichen) und der Fahrer benötigt einen Mofaführerschein , eine Helmpflicht gibt es jedoch nicht. Vom Markt ist das E-Bike weitestgehend verschwunden; zu finden sind solche Räder am ehesten in der Billig-Abteilung oder der für besondere Verwendungszwecke.

 

 

Der schwerpunktgünstige Mittelmotor hat sich bestens bewährt und wird von zahreichen Qualitätsherstellern eingesetzt.

A: Pedelec

Wenn man von E-Bikes spricht, ist in aller Regel das Pedelec gemeint, denn 95 % aller Elektroräder sind Pedelecs. Der Begriff setzt sich zusammen aus pedal, electric und cycle und verdeutlicht: Der Motor arbeitet nur, wenn man kurbelt. Ein Sensor im Antrieb misst die Kraft, mit der man tritt und unterstützt je nach Hersteller, Einstellung und ausgewähltem Modus mit 25 % bis 200 % dieser Kraft. Pedelec-Piloten haben so immer eine Extraportion Rückenwind – das „typische Pedelec-Lächeln“ sorgt auch entscheidend für die Popularität der Gattung. Das Pedelec unterstützt bis 25 km/h, viele Modelle bieten auf Knopfdruck eine Schiebehilfe in Schrittgeschwindigkeit. Pedelecs gelten rechtlich als Fahrräder: keine Helmpflicht, kein Führerschein, keine Altersgrenze. Ein Klassiker dieser Gattung ist die Flyer C-Serie vom schweizerischen Hersteller Biketec (ab 2.290 Euro, www.flyer.ch).

Bis 45 km/h schnelle S-Pedelecs sind am Rückspiegel, den seitlichen Reflektoren und natürlich dem Kennzeichen erkennbar.

B: S-Pedelec

Sie funktionieren wie Pedelecs, schieben aber bis 45 km/h. Das macht die von außen betrachtet gewöhnlichen Fahrräder im Verkehrsrecht zu Kleinkrafträdern. Somit brauchen sie die Zulassung durch das Kraftfahrt-Bundesamt sowie ein Versicherungskennzeichen. Für Fahrer heißt das: Mofaführerschein (im Autoführerschein enthalten), Altersgrenze 16 Jahre und Helmpflicht – wobei sich das Gesetz nicht eindeutig dazu äußert, welcher Helm der richtige ist, Fachleuten zufolge ist der Radhelm passend. Dazu kommt: Die Radwegnutzung ist innerorts verboten, außerorts aber Pflicht. Und Anbauteile dürfen nicht wie beim Fahrrad einfach verändert werden. Beispielhafter Vertreter der schnellen Art ist das „Delite hybrid HS“ vom Darmstädter Hersteller Riese & Müller (ab 4.499 Euro, www.r-m.de).


Kaufberatung: So finden Sie das richtige E-Bike

Wer mit Zusatzschub in die Pedale treten möchte, dem bietet der Fachhandel eine riesige Auswahl an Pedelec-Modellen – rund 1.500 Modelle finden sich in Deutschland auf dem Markt. Für mehr Überblick und Entscheidungssicherheit zeigt der pressedienst-fahrrad, was man von einem modernen E-Bike erwarten darf und worauf beim Kauf zu achten ist.

Wie vor jedem anderen Radkauf auch sollten sich die Käufer elektrifizierter Räder die Frage stellen: Was will ich mit dem Rad machen und wie oft will ich es benutzen? Mit diesen Infos lassen sich schon ziemlich gut die geeigneten Radgattungen und die eventuellen Ausstattungsoptionen eingrenzen. „Denn heute ist quasi jeder Radtyp auch mit eingebautem Rückenwind erhältlich“, weiß Experte Gunnar Fehlau, zusammen mit Peter Barzel Autor des Buches „Das E-Bike“.


Gutes Material ist kein Luxus

Für ein E-Bike muss man ungefähr das Zweieinhalbfache eines guten Fahrrads ansetzen, das im Allgemeinen zwischen 700 und 1.000 Euro kostet“, so Fehlau. „Allein die hochwertigen Akkus können mit 400 bis 800 Euro zu Buche schlagen.“ Bei intensiven Anforderungen und höheren Komfortansprüchen sind die Preisgrenzen von Pedelecs nach oben weit geöffnet. Gute Pedelecs der schnellen S-Klasse, deren Motoren bis 45 km/h unterstützen, kosten in etwa so viel wie ein Motorroller. Doch die hohen Preise sind kein Luxus, sie rechtfertigen sich durch die gebotene Qualität:
„Unsere Kunden fahren in der Regel nicht nur mit einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit als unmotorisierte Radler, sondern legen in der Regel auch mehr Kilometer pro Jahr zurück. Damit werden ganz andere Anforderungen an das Material gestellt, als bei einem normalen Velo“, betont Victoria Arnold vom Hersteller Flyer (www.flyer.ch). „Mit der intensiveren Nutzung haben die Kunden natürlich auch höhere Ansprüche an die Haltbarkeit und den Komfort.“ Letztlich spiegelt sich das eben auch in den Preisen wider. So liegt das günstigste Modell des schweizerischen Pedelec-Pioniers bei rund 2.300 Euro. Für Modelle mit stärkeren Akkus, Federung, vielen Gängen, einer stufenlosen Schaltung und einigen weiteren Extras kann man bei Flyer auch schnell das Doppelte ausgeben.

 

www.pd-f.de / r-m
www.pd-f.de / bumm
www.pd-f.de / schwalbe

Auf welche Ausstattungsmerkmale ist zu achten?

Leistungsstarke Bremsen, die auch Tester immer wieder als eine Grundvoraussetzung anmahnen, gehören nach Auffassung von Experten wie Fehlau ebenso dazu wie ein besonders stabiler Rahmen und qualitativ hochwertige Komponenten.Qualität, Komfort und Sicherheit sollten auch nach Meinung von Tobias Spindler von Riese & Müller (www.r-m.de), dem Darmstädter Spezialisten für vollgefederte Räder,  beim E-Bike-Kauf die entscheidenden Variablen sein: „Egal ob auf Radtour oder dem Weg zur Arbeit, schlechte Funktionen verderben selbst am E-Bike schnell den Spaß. Ausfälle von Komponenten bis hin zu Brüchen können sogar gefährlich werden.“ Angesichts des schlechten Zustands von Straßen und Radwegen sieht Spindler Handlungsbedarf. „Bei den höheren Durchschnittsgeschwindigkeiten, die man mit einem E-Bike erreicht, ist eine Federgabel nicht nur ein Komfortmerkmal, sondern ein Sicherheitsplus, wenn man durch ein Schlagloch oder über eine Bordsteinkante fährt.“Damit Hindernisse auf dem Weg auch frühzeitig gesehen werden, empfiehlt Anke Namendorf vom niederländischen Radhersteller Koga (www.koga.com) eine gute Beleuchtung, mit der man nicht nur gesehen wird, sondern die den Fahrtweg auch richtig ausleuchtet. „Gerade bei diesen Komponenten wird leider bei vielen preiswerten Anbietern gespart“, weiß die Expertin. „Deshalb lohnt sich immer ein genauer Vergleich.“ Beim Modell „E-Xtension“ (2.999 Euro) setzt Koga zum Beispiel auf den neuen LED-Scheinwerfer „Lumotec IQ Cyo“ des deutschen Lichtspezialisten Busch & Müller (www.bumm.de), der dank Hightech-Reflektoren den Nahbereich von zehn Metern mit bis zu 40 Lux ausleuchtet und darüber hinaus sogar eine aus dem Pkw-Bereich bekannte Tagfahrlicht-Funktion bietet. Diese ist laut Sebastian Göttling von Busch und Müller am E-Bike besonders sinnvoll: „E-Bike-Fahrer sind oft schneller als andere Verkehrsteilnehmer sie einschätzen. Unsere Tagfahrlicht-Funktion erhöht die Sichtbarkeit des Radlers. Die strahlend hellen Signal-LED im Autorückspiegel beeinflussen etwa das Abbiegeverhalten entscheidend!Bei vielen E-Bike-Modellen ist unser Tagfahrlicht serienmäßig   ins Bedienkonzept integriert.“Auch auf die Reifen sollte man beim Kauf achten, denn hier gibt es ebenfalls ganz erhebliche Qualitäts- und Preisunterschiede. Doris Klytta vom Reifenhersteller Schwalbe erklärt dazu: „Ein Pannenschutz sollte bei hochwertigen Alltagsrädern und erst recht bei E-Bikes selbstverständlich sein. Wichtig sind zudem Haftung, Dämpfungsverhalten und Rollwiderstand“, erklärt Doris vom Reifenhersteller Schwalbe (www.schwalbe.de). Letzterer hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Reichweite des E-Bikes. Entsprechend setzt nicht nur Flyer bei seinen Fahrrädern auf hochwertiges Material, wie den speziell für E-Bikes entwickelten Reifen Schwalbe „Energizer“, der unter anderem mit einem Pannenschutzgürtel versehen wurde und für Geschwindigkeiten bis 50 km/h zugelassen ist.



 Welche Reichweiten kann ich erwarten?

Mit modernen leistungsfähigen Akkus mit Lithium-Ionen-Technologie können unter optimalen Bedingungen Reichweiten jenseits der 100 Kilometer-Marke erzielt werden. „Doch wie so oft im Leben sind die Bedingungen selten optimal. Fahrstil, Relief, Wind oder Reifendruck sind Einflussfaktoren, denen die Reichweite unterliegt. Verlässt sich der Kunde blind auf die Angaben von Herstellern vorgeblicher Schnäppchen, kann es passieren, dass er schnell am Berg verlassen ist“, merkt Christian Malik vom Mountainbike-Hersteller Haibike (www.haibike.de) zu dem Problem an, auf das auch Fach- und Testzeitschriften immer wieder aufmerksam machen. Einen realistischen Anhaltspunkt und ein gutes Vergleichsmaß für die Reichweite bieten die Wattstunden (Wh) des Akkus. Sind die nicht angegeben, lassen sie sich leicht errechnen, indem man die Voltstärke mit den Amperestunden multipliziert.

 

 

ww.pd-f.de / Mathias Kutt

Front-, Mittel- oder Heckmotor?

Neben dem Radtyp – fast jede Radgattung ist heute mit E-Motor erhältlich –  und der Qualität der Ausstattung entscheidet auch der Sitz des Motors über die Fahreigenschaften des E-Bikes. Fahrdynamisch umstritten ist der Vorderradnabenmotor: Sein Zusatzgewicht am Vorderrad erschwert mitunter das Lenken, während auf rutschigem Untergrund mit einem Durchdrehen des Rades zu rechnen ist.

Velos mit Mittelmotor behalten am ehesten das charakteristische Fahrverhalten ihrer motorlosen Pendants, da der Schwerpunkt gewohnt mittig bleibt. „Am E-Mountainbike etwa ist der Mittelmotor quasi alternativlos“, erläutert Christian Malik. Mit hoher Laufruhe und Spurtreue punktet der Motor in der Hinterradnabe. Nicht nur die Fahreigenschaften, auch die Wahl der Schaltung ist motorabhängig. Während der Vorderradmotor alle gängigen Schaltungen erlaubt, bietet der Hinterradnabenmotor lediglich der Kettenschaltung Platz. Der Mittelmotor erlaubt zwar sowohl Naben- als auch Kettenschaltung, jedoch muss ein Kettenblatt an der Kurbel genügen.

 

 

Am besten einfach testen

Beim E-Bike zählen aber nicht nur die technischen Daten. So empfiehlt Buchautor Gunnar Fehlau immer auch eine ausgiebige Probefahrt beim Fachhändler. „Bei den Fahreigenschaften gibt es bei E-Bikes von gemütlich bis sportlich riesige Unterschiede. Kunden sollten deshalb immer mehrere Modelle probefahren, um das für sie passende Rad zu finden.“ Ein weiteres Argument für den Fachhandel ist für den E-Bike-Experten das Thema Service. „Egal ob es um turnusmäßige Wartungen von Elektrorädern, Reparaturen oder ein Update der Steuerungssoftware geht: Ein geschulter Fachhändler ist immer der beste Ansprechpartner.“

www.adfc.de/pedelecs