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Neu-Aquitanien

Caravaning im Südwesten Frankreichs — Harmonie und Genuss für die Sinne

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Unendliche Weinbaugebiete auf dem Land und moderne Architektur in der Stadt — das macht die Region Neu-Aquitaniens aus.

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Zwischen Wein und Wellen

Wenn Gott in Frankreich lebt, wie es in der Redewendung heißt, kommt er sicher öfter hierher. Wie sonst könnte die Region zwischen den sanften Hügeln des Limousin und den schier endlosen Stränden der Atlantikküste dermaßen gesegnet sein. Kultur, Historie, die Landschaft und ihre Produkte und die entspannten Menschen, die sie herstellen, ziehen den Besucher sofort in ihren Bann.

Die französische Verwaltungsregion Neu-Aquitanien (Nouvelle-Aquitaine) ist noch recht jung. Erst am 1. Januar 2016 wurden darin die drei Regionen Aquitaine, Limousin und Poitou-Charentes zusammengefasst. Unter touristischen Aspekten hat die Neugründung enorm viel zu bieten.

Von den sanften Hügeln des ländlichen Limousin, auf denen seine berühmten Rinder grasen, über die mondänen Schlösser des Médoc, die den wohl berühmtesten Wein der Welt produzieren, bis hin zur schnurgeraden Atlantikküste zwischen Gironde-Mündung und Pyrenäen, deren schier endloser Sandstrand nur durch das Bassin d’Arcachon unterbrochen wird.

Bis zu den Austernbänken der Charentes. Und nicht zuletzt bis zu den geschichtsträchtigen Orten mit klangvollen Namen wie Bordeaux, La Rochelle, Poitiers, Cognac, Rochefort, Limoges, Biarritz oder Bayonne. Die Region Nouvelle-Aquitaine ist eine wahre Schatztruhe an Geschichten, Farben, Geschmäckern, Düften und Aktivitäten.

Bordeaux

Mondän und doch gemütlich geht es in der Hauptstadt der Region Nouvelle-Aquitaine zu. Kelten, Römer, Engländer und Franzosen profitierten über die Jahrhunderte vom Weinbau der Region als sprudelnder Einkommensquelle. Sie ist auch heute noch das Mekka der Weinliebhaber. Davon zeugen die vielen Weinlokale und Weinhandlungen in der Innenstadt. Hier hat sich hinter dem berühmten Börsenplatz eine lebendige und verwinkelte Altstadt erhalten.

Kleine und kleinste Bistros, Brasserien und Weinbars sind beliebte Treffpunkte der Bordelaiser. Daran angrenzend findet sich die mondäne Shoppingmeile zwischen Oper und Place Gambetta mit all den großen Modemarken und Weinhandlungen, in denen gegen entsprechendes Entgelt von bis zu 50 Euro pro Gläschen auch die ganz großen Châteaux zur Verkostung stehen.

Ein unverwechselbares Wahrzeichen haben die Architekten 2006 mit dem Wasserspiegel vor dem Börsenplatz geschaffen. Die 3.450 Quadratmeter große Granitfläche wird abwechselnd mit feinem Nebel besprüht und mit einem zwei Zentimeter „tiefen“ See befüllt. Das Werk gegenüber der Place de la Bourse fasziniert Groß und Klein und bietet im Sommer eine willkommene Abkühlung. Dank der Spiegeleffekte ist der Miroir d’Eau das beliebteste Fotomotiv in Bordeaux.

Ebenfalls architektonisch ansprechend ist die neueste Institution der Stadt. Sie befasst sich mit ihrem zentralen Thema: dem Wein. Das Gebäude der Cité du Vin soll an den glänzenden Wein in einem Glas erinnern und ist daher mit 2.500 reflektierenden Aluminiumplatten verkleidet. Der 55 Meter hohe Turm bietet einen herrlichen Blick auf die Stadt und die Garonne.

Im Inneren erwartet die Besucher eine Mischung aus Museum und Freizeitpark. Modernste interaktive Präsentationen, duftende, visuelle und geschmackliche Erfahrungen sowie historische Filme und Animationen erklären alle Aspekte des Weinbaus. An einem ganzen Tag können Wissbegierige hier alles über Wein in aller Welt lernen. Denn hier geht es nicht nur um Bordeaux-Wein.

Im Turm der Cité wartet zum Abschluss des Besuchs eine Verkostung von Weinen aus den verschiedensten Regionen der Welt. Der Shop im Erdgeschoss hält gleichsam berühmte wie exotische Weine aus aller Welt bereit.

Médoc

Wer Wein in natura erleben möchte, fährt von Bordeaux die Ufer der Gironde entlang bis zu ihrer Mündung. Ab Macau beginnt hier der pittoreske Teil der Route Départmentale D2, der Weinstraße des Médoc. Namhafte Orte wie Margaux, Saint-Julien, Paulliac und Saint-Estèphe liegen auf dem Weg.

Große Namen wie Château Margaux, Château Latour, Château Mouton Rothschild oder Château Lafite-Rothschild sind auf Wegweisern am Wegesrand zu lesen. Weinreben säumen die Straße, Schilder geben an, zu welchem Weingut sie gehören, und alle paar Kilometer schmückt ein stattliches Château die Aussicht. Einige dieser Schlösser sind auch zu besichtigen.

In jedem Dorf bieten Weinhandlungen und Erzeuger Degustationen an. Spätestens in Pauillac lohnt sich ein Zwischenstopp. Im Maison de Tourisme et du Vin werden verschiedenste Freizeitaktivitäten vermittelt. Etwa die Besichtigung von Weingütern oder eine Blindverkostung im Dunkeln im Château La Rose Pauillac. Hier bleibt nicht nur die Herkunft, sondern auch die Farbe des Lieblingsweins ein Geheimnis, bis das Licht wieder angeht.

Im kleinen Örtchen Bages, dem Sitz des namhaften Weingutes Lynch-Bages, bietet Fun Bike Radtouren durch die Weinberge an. Frische Luft und Bewegung tun dem Körper gut, das Auge genießt derweil die Aussicht.

Atlantik

Radfahren lohnt sich auch an der Atlantikküste. Mit der Vélodyssée hat Frankreich einen Radweg geschaffen, der die gesamte Atlantikküste zwischen Bretagne und Pyrenäen entlang verläuft. Mitten an der Küste des Médoc kreuzt die Vélodyssée auch den Ort Lacanau-Océan. Breite, gut asphaltierte Radwege verlaufen parallel zum Meer durch die Pinienwälder hinter der Düne. Die Höhenunterschiede sind gering, die Steigungen sind meist nur kurz oder sanft. Umgeben vom Duft der Pinien und dem Zirpen der Zikaden lassen sich hier herrliche Radtouren machen.
Im Übrigen ist Lacanau-Océan eine Station der Qualifikationswettbewerbe für die internationale World Surf League. Jedes Jahr Anfang August trifft sich hier die zukünftige Weltelite zum Wettkampf. Auch für Nicht-Surfer ist das ein unvergessliches Ereignis. Eine Picknickdecke am Strand, kalter Weißwein aus der Kühltasche, ein paar Leckereien vom Metzger und Bäcker und davor die spektakulären Moves der Surf-Profis – ein perfekter Tag.

Ebenfalls auf dem Wasser und weitaus gemütlicher als Wellenreiten ist der neue Trend Stand-up-Paddling auf den Seen im Hinterland. In Le Moutchic, nur wenige Kilometer hinter der Küste, bieten Leihstationen ein Brett samt Instruktor zum Lernen und Üben an. Hier sind auch Tretboote und Kajaks im Verleih. Die wellenlosen Seen eignen sich hervorragend für Familien mit kleinen Kindern, für die die Brandung des Atlantiks noch zu wild ist.

Cognac

Stolz auf ihre Handwerkskunst sind auch die Weinbrenner des Cognac. Tief im Landesinneren liegt das Arrondissement mit der gleichnamigen Hauptstadt. Hier residieren auch einige der großen Namen des Branntweins: Hennessy, Martell, Otard oder Rémy Martin.

Wer sich für einen Besuch des Hauses Otard entscheidet, erhält zugleich eine Schlossführung. Die Besichtigung beginnt mit einer Tour durch die historischen Räume des Königsschlosses von Francois I. (1494 – 1547). Anschließend geht es in die Kellergewölbe, in denen die Branntweinerzeugung beschrieben wird und der Branntwein in Fässern lagert. Den Abschluss bildet eine Verkostung des aus Weißwein destillierten Getränks.

Je nach gebuchter Tour sind die verkosteten Cognac-Stufen VS, VSOP, XO oder Extra. Die Kosten liegen je nach Tour zwischen 11 und 220 Euro pro Person. Im angrenzenden Shop können Fans danach Cognac aller Qualitätsstufen einkaufen.

Ein Besuch des Städtchens Cognac empfiehlt sich jedoch nicht nur aufgrund des Branntweins. Schon die Existenz des Königsschlosses deutet auf die über tausendjährige, wechselvolle Geschichte des Ortes hin. Ein Bummel durch die Altstadt oder eine Stadtführung lohnen sich auf jeden Fall.

Bordeaux, Paulliac, Lacanau, Marennes und Cognac sind nur fünf der zahlreichen Facetten der Nouvelle -Aquitaine. Natürlich gibt es noch das Baskenland, die Dune de Pyla, die Dordogne und zahlreiche weitere attraktive Regionen zu entdecken. All das sind viele gute Gründe, um immer wieder in Frankreichs Südwesten zu reisen. Also dann: À la prochaine! Bis zum nächsten Mal!

Übernachten

Das Übernachten mit Reisemobil und Caravan ist in der Region Nouvelle-Aquitaine ein Kinderspiel. Fast 1.600 Campingplätze aller Kategorien warten auf sonnenhungrige Gäste. Hinzu kommen noch mal fast 600 Reisemobilstellplätze, französisch „Aire de Camping Car“ genannt. Auf unserer Reise haben wir folgende Plätze besucht:
Der stadtnahe Vier-Sterne-Campingplatz liegt im Naherholungsgebiet Le Lac unweit des Stadions und der Messe. Jede halbe Stunde fährt ein Bus zur nächsten Tramstation, mit der Straßenbahn ist das Zentrum in zehn Minuten zu erreichen. Mit dem Fahrrad sind es gerade einmal acht Kilometer bis zur Oper im Herzen der Stadt. Mehr unter camping-bordeaux.com
Der Fünf-Sterne-Platz in Lacanau-Océan zählt zu den besten Adressen an der Atlantikküste. Die umfangreiche Infrastruktur versorgt Camper in Zelten, Caravans, Reisemobilen und Mobilheimen gleichermaßen. Ein eigener Zugang zum Meer ist ebenso vorhanden wie zwei Pools, Wellness, Restaurant, Pizzabäcker, Imbiss, Cocktailbar, Supermarkt und zahlreiche Freizeitangebote. Beliebt sind die Kurse im Wellenreiten und Bodyboarden. Mehr unter lesgrandspins.com
Ebenfalls fünf Sterne trägt der Luxuscampingplatz Séquoia Parc Camping Village in der Nähe von Marennes in der Charentes-Maritime. Das Feriendorf hält alles bereit, was Camper wünschen. Hier bleiben in puncto Verpflegung, Freizeitbeschäftigung und Unterkunft kaum Wünsche offen. Der Platz ist ideal für Ausflüge zur Île d’Oléron, nach Rochefort oder La Rochelle. Mehr unter sequoiaparc.com

Gaumenfreuden

Die Region Nouvelle-Aquitaine hat auch kulinarisch viel zu bieten. Zu den Spezialitäten der Region gehören das Fleisch der Limousin-Rinder, die Entenleber, -brust und -keule aus dem Département Landes, frischer Fisch, Krabben, Langusten und Muscheln an der Atlantikküste. Ganz besonders prominent sind jedoch der Wein rund um Bordeaux, die Austern aus Marennes und dem Bassin d’Arcachon sowie der Branntwein aus Cognac.

Wein

Rund um Bordeaux befindet sich das weltgrößte zusammenhängende Anbaugebiet für Qualitätswein. Etwa 3.000 Weingüter erzeugen alle Formen des beliebten Getränks: Rotwein, Weißwein, Rosé, Schaumwein und Süßwein. So vielfältig wie das Angebot sind auch die Preise. Eine normale 0,75-Liter-Flasche kann zwischen 3 Euro und 3.000 Euro kosten. Ein guter Wein muss jedoch nicht so teuer sein.

Austern

Austern sind für viele noch unbekannte Delikatessen. Kenner berichten, dass Austern ähnlich wie Wein in jeder Region anders schmecken und sich ebenso nach Alter, Dichte der Aufzuchtkolonie und Lagerung im Klärbecken im Geschmack unterscheiden. Das reichhaltige Angebot rund um Marennes und um das Bassin d’Arcachon ist eine gute Gelegenheit, diese Delikatesse einmal zu probieren. Frischer als direkt beim Erzeuger an der Küste sind sie jedenfalls nirgendwo zu finden.

Cognac

Grundlage der Cognac-Herstellung sind Trauben aus der Region Cognac. Daraus wird ein Weißwein mit etwa 8 Prozent Alkohol gekeltert. Dieser wird zweimal destilliert. Der zweite Brennvorgang führt zu einem Alkoholgehalt von mehr als 60 Prozent im klaren Feinbrand, Bonne Chauffe. Durch die Fassreifung geht der Alkoholgehalt zurück auf rund 40 Prozent.

Während des langen Reifeprozesses verbinden sich die Aromen des Weins mit denen des Eichenholzes. Die verschiedenen Qualitätsbezeichnungen richten sich nach dem Alter des jüngsten Destillats in einem Fass:

– VS mindestens zwei Jahre,

– VSOP mindestens vier Jahre,

– XO, Extra mindestens sechs Jahre, seit 1. April 2018 mindestens zehn Jahre.

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