WILDE KÜSTE, KUNST UND CAVA

Frühmorgens um sieben, über der weiten Bucht von Roses hängt noch ein hauchfeiner Nebel. Erst drei, dann fünf, zuletzt ein Dutzend Fischerboote ziehen mit wummernden Schiffsdieseln im Konvoi an schroffen Felsinseln vorbei und nehmen Kurs aufs offene Mittelmeer. Abends werden sie, von Möwen umkreist, mit ihrer Beute zurückkehren, Meerbarben, Seezungen und Tintenfi sche zum Beispiel, die sofort in Eisboxen gepackt und in den flachen Auktionshallen am Kai versteigert werden. Frittierte Fischstäbchen kommen hier so schnell nicht in die Pfanne. Die nördliche Costa Brava ist völlig anders als der Ruf, unter dem der ganze Küstenstrich bisweilen leidet. Sie umfasst die Region Alt Empordà, reicht von der französischen Grenze etwa fünf Autobahnabfahrten Richtung Barcelona hinunter und gibt sich an vielen Orten noch so urtümlich und rau, wie ihr Name schon sagt (brava heißt wild, ungezähmt). Wie eine gewaltige Pranke liegen die Ausläufer der Pyrenäen mit der felsigen Halbinsel Cap de Creus im türkis leuchtenden Meer, der Sage nach hat Orpheus, der thrakische Sänger, das Gebirge mit einem Lied ins Wasser gelockt. Schneebedeckte Felsgipfel am Horizont, nach Lavendel und Thymian duftendes Bergland, kleine, stille Fjorde und riesige Strände an der weiten Bucht von Roses....



