Driving in a Winter Wonderland

Zugegeben, beim Stichwort Lappland denkt nicht jeder sofort an Urlaub mit dem Reisemobil. Und dennoch – der Norden Finnlands gehört zu den exotischen Reisezielen in Europa. Wer in dieser herrlichen Winterlandschaft mit dem Reisemobil (Wohnmobil) unterwegs ist und das vielfältige Angebot an Aktivitäten nutzt, wird eine seiner schönsten Reisemobilreisen erleben. Eine Winterreise nördlich des Polarkreises ist selten und gleicht in unseren Vorstellungen mehr einer Expedition von Amundsen als einem Urlaub. Moderne Reisemobile können jedoch den gewünschten Komfort auch unter extremen Winterbedingungen bieten und tragen dazu bei, dass eine Reise durch den winterlichen Norden Finnlands zu einem unvergessenen Erlebnis wird.
Insider Tipps

Damit man in der so harmlos und friedlich wirkenden Märchenlandschaft im Norden Finnlands keine bösen und teils eiskalten Überraschungen erlebt, muss die Ausrüstung gut durchdacht sein. Zur sinnvollen Winterausrüstung gehört ausreichend Frostschutzmittel in Scheibenwaschanlage und Kühler. Natürlich sollte insbesondere für die Scheibenwaschanlage genug Frostschutzmittel mitgeführt werden. An Bord gehören auch Streugut (Traktionshilfe), Besen, Schaufel, Starthilfekabel, Abschleppseil, Schlossenteiser und Holzbretter (unter die Stützen). Ein Eis-Ex-Gerät schützt vor Einfrieren des Druckreglers der Gasanlage und die Trio-Matic sorgt für das automatische Umschalten der Gasversorgung zwischen den Gasflaschen.
Entlegene Reiseregion

Im Norden Skandinaviens erstreckt sich die Region Lappland, die im Sommer ein herrliches Ziel für Naturliebhaber ist. Nördlich des Polarkreises scheint an bestimmten Tagen die Mitternachtssonne. Im weiten Fjell kann man in aller Ruhe wandern und genießt den klaren Weitblick. Unzählige Seen mit vielen Inseln und lichte Wälder mit Teppichen aus Rentierflechte prägen das Landschaftsbild. Leider können Schwärme von Mücken schon mal die Urlaubsstimmung trüben. Eingefleischte Finnland-Liebhaber und Reisende auf dem Weg zum Nordkap zieht es in diese dünn besiedelte und entlegene Region. Hier leben und arbeiten die Samen, jene ethnische Minderheit, die einst als Nomaden umherzogen. Sie sind schon längst sesshaft geworden und leben nicht nur von der Rentierwirtschaft, sondern mittlerweile auch vom Tourismus. Diese sehr ursprüngliche und reizvolle Region bietet sich aber auch für das Wintercaravaning an. Der Winter in Lappland ist lang und insbesondere von Mitte Dezember bis Mitte Januar geht die Sonne nie auf. Ende Februar ist es dagegen schon wesentlich länger hell. Die Nächte sind dennoch klirrend kalt und das Thermometer fällt mitunter auf -20° bis -30°C. Auch am Tag bleibt es kalt, denn der tief stehenden Sonne fehlt es an Kraft. Schneemassen bedecken das Land und die Seen frieren monatelang zu. Die Straßen werden zwar geräumt, dennoch fährt man stets auf einem verschneiten oder vereisten Untergrund.
Insider Tipps

Ohne Winterreifen geht gar nichts, noch besser sind Spikereifen, mit denen die Einheimischen fahren. Glücklicherweise verfügen moderne Reisemobile über eine gute Isolierung, eine leistungsfähige Heizung und beheizte Frischwasser- und Abwassertanks. Diese Ausstattung sorgt für einen angenehmen Aufenthalt im Reisemobil, so dass einem komfortablen Winterurlaub in Lappland nichts im Wege steht.
Aktiv überwintern

Wer das lohnenswerte Abenteuer in Angriff nehmen möchte, benötigt ausreichend Zeit und sollte eine Reisedauer von mindestens 3 Wochen einplanen. Denn anders als man vielleicht erwartet, kann der Lappland-Reisende ein breit gefächertes Angebot an Aktivitäten nutzen. In der empfehlenswerten Region rund um den Höhenzug Levi und die Stadt Sirkka besteht eine gute touristische Infrastruktur, die dem Reisenden gute Campingplätze, Geschäfte, Wintersportmöglichkeiten und einige interessante Attraktionen bietet. Hier sitzt man nicht nur im kuscheligen Wohnmobil und lässt seine Blicke über eine weiß verzauberte Winterlandschaft schweifen, sondern verspürt die Lust, die Region aktiv zu entdecken. Wintersport ist rund 7 Monate im Jahr möglich. Wer den gemütlichen Weg wählt, schnallt sich die Schneeschuhe unter und bahnt sich seinen Weg durch das Fjell. Auch Skilangläufer kommen auf ihre Kosten, denn zahlreiche Loipen sind gespurt und laden zu ausgiebigen Touren ein. Aber auch die Abfahrt bietet sich im Skigebiet Levi an. Es gilt als eines der größten Skiareale in Finnland – mit 47 Pisten, 26 Liften und beachtlichen 18.000 Gästebetten. Allerdings ist es hier nicht so überlaufen wie in den Alpen. Wer die Region auf landestypische Weise entdecken möchte, kann zwischen der Fahrt mit dem Schneemobil oder einer traditionellen Fahrt mit dem Hunde- oder Rentierschlitten wählen. Für die Finnen ist das Schneemobil ein alltägliches Gebrauchsfahrzeug und für den Reisenden eine Spaß bringende Herausforderung. Es gibt viele Vermietstationen und ein Wegenetz mit rund 750 km langen präparierten Strecken, über die man Attraktionen wie die Rentierfarm Ounaskievari erreicht. Auf den langgezogenen und ebenen Strecken ist man mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern unterwegs. Nicht so schnell ziehen die Rentiere und Hunde den Schlitten. Hinter den Tieren sitzt man auf Rentierfellen und gleitet lautlos durch die einzigartige Natur. Laut wird es nur vor Fahrtbeginn, denn die Hunde bekunden durch lautstarkes Kläffen, dass es endlich losgehen soll. Wer die Ruhe und Einsamkeit sucht und die langen Sonnenuntergänge genießen möchte, wird sich einen zugefrorenen See suchen und die Eisangel „auswerfen“. Mit Mühe bohrt man ein Loch in die mächtige Eisdecke, nimmt Platz und hält die Miniangel ins Wasser. Durch Auf- und Abbewegungen des Gummiköders sollen die Fische aufmerksam werden und beißt einer an, so ist eine schmackhafte Mahlzeit gesichert. Aufwärmen kann man sich am besten wieder in der Sauna oder in dem Badezuber. Dieser große Holzbottich steht unter freiem Himmel und wird auf rund 40°C erwärmt. Nun ist der Alltag so weit weg wie der Sternenhimmel und mit Glück kann man auch die Nordlichter (Aurora borealis) am Himmel beobachten, die mit farbenprächtigen Bändern ein einmaliges Naturschauspiel bieten.
Ein Hotel aus Schnee und Eis

Zu den lohnenswerten Ausflügen mit dem Reisemobil gehört die Fahrt zum „Lainio Snow Village“, ein Hotel, das aus Schnee und Eis erbaut wurde. Hier kann man sich in aller Ruhe umsehen und die Eisskulpturen bewundern. Wer Lust hat, kann auch das warme Reisemobilbett gegen ein Hotelzimmer aus Eis tauschen. Warm gekleidet sitzt der Gast im Restaurant oder steht an der Eisbar und freut sich darüber, dass sein Getränk nicht warm wird, denn es herrscht eine Temperatur von –1°C. Beim Essen hingegen muss er sich beeilen. Für den Bau dieses beeindruckenden „Bauwerkes“ werden jährlich rund 4.000 Tonnen Schnee verwendet. Die Übernachtung im kuppelförmigen, fensterlosen Doppelzimmer ist jedoch nichts für Leute mit Platzangst und nach einer Nacht wird man sich auf den Komfort im Reisemobil freuen.
Gut zu wissen

Der Norden Skandinaviens ist eine angesagte Region für Fahrzeugtests, und bevor einige Automobilhersteller ihre Prototypen in die Serienproduktion entlassen, werden sie hier unter extremen winterlichen Bedingungen getestet. Auch für Reisegruppen lassen sich Fahrtrainings auf Eis und Schnee buchen. Wer sich mit mehreren Reisemobilisten zusammentut, kann hier nicht nur an Fahrschulungen teilnehmen, sondern bekommt auch die Möglichkeit, mit Ralley-Fahrzeugen zu fahren. Der Ralleysport erfreut sich in Finnland großer Beliebtheit.
Insider Tipps

Bereits vor der Fahrt in das winterliche Reisegebiet gibt es einige Ratschläge zu beachten und so ist es wichtig, dass eine vernünftige Ausrüstung zusammengestellt wird. Beim Fahrzeug müssen alle Flüssigkeiten auf ausreichenden Frostschutz überprüft werden und auch das Anlegen der Schneeketten sollte vorher geübt werden. Auf Winterreifen darf auf keinen Fall verzichtet werden. In Finnland darf auch mit Spikes gefahren werden. Bei durchgängig stark verschneiter Fahrbahn ist das Anlegen der Schneeketten sinnvoll. Natürlich ist die Geschwindigkeit den Verkehrsverhältnissen anzupassen und selbst als Anführer einer Kolonne sollte man „sein Tempo“ fahren und bei nächster Gelegenheit den nachfolgenden Verkehr passieren lassen. Aber Vorsicht, nicht einfach „rechts ran“ fahren. Denn neben der asphaltierten Straße versinkt das Fahrzeug ganz schnell mal in einem zugeschneiten Graben. Beim Fahrbetrieb mit Schneeketten sollte die Antischlupfregulierung (ASR) ausgeschaltet sein. So können sich die Räder besser durch den Schnee wühlen. Bei Steigungen sollte stets der Schwung des Fahrzeugs genutzt und nicht angehalten werden. Ist das Fahrzeug an einer Steigung erst mal zum Stehen gekommen, kann es beim Anfahren zu Problemen führen. Dann können die durchdrehenden Räder ein seitliches Wegrutschen des Fahrzeugs verursachen. Hilfreich ist das Anfahren im zweiten Gang. Beim Bremsen ist zu unterscheiden, ob das Fahrzeug über ABS verfügt oder nicht. Mit dem Antiblockiersystem bleibt das Fahrzeug lenkfähig, während ohne ABS das dauerhafte Blockieren der Räder durch Stotterbremsung verhindert werden muss. Generell sollte man auf rutschiger Fahrbahn das Gaspedal nur antippen und mit viel Gefühl bremsen, um das Durchdrehen der Räder zu vermeiden. In Finnland wird immer mit Abblendlicht gefahren und nur im Notfall darf die Hupe benutzt werden (leiser Verkehr!). Die Finnen fahren in der Regel defensiv und glücklicherweise ist das Verkehrsaufkommen sehr gering. Die Ausstattung des Fahrzeugs und die angepasste Fahrweise des Fahrers sind Garanten für die Fahrtüchtigkeit im Winter und zusammen mit dem Wohnkomfort sind sie die Voraussetzungen für einen erfolgreichen und unvergessenen Winterurlaub.
Ein unvergesslicher Winter-Urlaub…

…lässt sich im Norden Europas realisieren, aber auch in weniger entlegenen Regionen bleibt Wintercaravaning ein einmaliges Erlebnis. Zahlreiche Campingplätze in den Alpen erwarten die Winterurlauber mit viel Komfort und Abenteuer. Ein Winterurlaub im Finnischen Lappland macht dem Reisemobilisten aber erst wirklich bewusst, wie unabhängig er mit seinem Gefährt Urlaub machen kann und welche entlegenen und reizvollen Regionen sich erschließen lassen.
ANREISE
Empfehlenswert ist die Überfahrt mit der Fähre von Lübeck, Travemünde und Rostock nach Helsinki (Finnlines, Tel. 0451-1507-443, www.finnlines.de) oder von Rostock nach Hanko (Superfast Ferries, Tel. 0451-88006-166, www.superfast.com).
Weiter geht es über die finnischen Straßen Richtung Norden.
WICHTIGE ADRESSEN
Finnische Zentrale für Tourismus
Lessingstraße 5
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069-50070157
www.visitfinland.de
Hummel Reiseideen GmbH
Dieselstr. 2
76689 Karlsdorf
Telefon: 07251-349658
www.hummel-reiseideen.de
Wintercampingplatz Caravan Aurinkopaikka
Telefon:+358-16641552
www.levi.fi/aurinkopaikka
Wintercampingplatz Levilehto Apartments
Telefon.: +58-403120200
www.levilehto.fi
Text und Bilder: Paula Sophie Karlsson, CIVD



