Der erste dänische Hot Dog

Wir haben Hamburg passiert, der Elbtunnel liegt hinter uns, der Verkehr rollt wieder reibungslos. Nun lassen wir uns mit unserem Caravangespann (Wohnwagengespann) von diesem stetigen Strom gemächlich gen Norden tragen. Noch sind es gut 100 Kilometer bis zur Grenze, aber mit jedem zurückgelegten Kilometer steigt die Vorfreude auf unser Urlaubsziel Dänemark.
Wir werden es in diesem Sommer zum dritten Mal nacheinander besuchen – immer mit unserem rollenden Heim am Haken. Doch diesmal soll alles anders werden: Wir wollen eine Rundtour durchs ganze Land machen. Mein Papa und mein Bruder Nils haben es sich so gewünscht. Mama und ich wären am liebsten wieder die ganze Zeit auf dem tollen Campingplatz an der Nordsee geblieben. Aber diesmal haben sich leider die Männer in unserer Familie durchgesetzt. „Wir wollen mal etwas mehr vom Land kennen lernen“, haben sie gesagt und gleich eine komplette Tour ausgearbeitet. Doch ein Zugeständnis mussten die Beiden schon machen: Die ersten Urlaubstage geht es wieder nach Blåvand an die Nordsee. Auf Mamas und meinen Lieblingscampingplatz, dem „Hvidbjerg Strand Feriepark“, haben wir uns vorsorglich einen Stellplatz reservieren lassen. Ich freue mich jetzt schon auf das tolle Spaßbad mit der irren Tunnelrutsche. Und wenn das Wetter so schön bleibt wie im Moment, können wir fast den ganzen Tag am herrlichen Sandstrand verbringen und in der Nordsee baden. Vielleicht haben Papa und Nils dann gar keine Lust mehr weiterzufahren.
Jetzt sind wir da, im Königreich Dänemark! Papa lenkt unser Gespann auf die erste Raststätte hinter der Grenze. Jeder von uns weiß, was nun kommt: Der erste echt dänische Hot Dog wartet auf uns. Das ist schon so etwas wie ein Ritual. Eine Einreise ohne Hot-Dog-Stopp in Padborg kann sich nämlich niemand von uns vorstellen. Zumindest in diesem Punkt sind wir uns alle einig. Mama zahlt mit Kronen. Wir versuchen im Kopf nachzurechnen, was ein Hot Dog in Euro kostet. „Ein Euro, das sind ungefähr siebeneinhalb Kronen“, meint Papa. „Macht rund 2,50 Euro pro Hot Dog.“ Wir finden, das ist gut investiertes Geld. Auch da sind wir uns alle einig.
Kurioses

Das Bauen von Sandburgen ist in Dänemark ein unbekanntes Phänomen - und gilt als Erkennungszeichen für Urlauber aus Deutschland. Denn die egalitären Dänen schrecken vor dem territorialen Anspruch zurück, der mit dem Burgenbauen verbunden ist.
Es klingt wie ein schlechter Scherz, aber es ist so: Der deutsche Schlager feiert in Dänemark geradezu Triumphe. Auf Partys und in Szenelokalen schmettern einem die lieblichen Verse eines Alpen-Ötzi oder einer Vicky Leandros entgegen. Beliebt sind eher die moderneren Varianten, deutsche Texte zu dröhnendem Bass, der das Herz aufwühlt und das Nervenzentrum attackiert.
West-Jütland

Bei Aabenraa verlassen wir die Autobahn und fahren Richtung Ribe. Nils hat nach der Rast den Platz mit Mama gewechselt, darf nun mit der Landkarte auf dem Schoß neben Papa sitzen. Jetzt kommt er sich ungeheuer wichtig vor. Als wir an Ribe vorbeifahren, zeigt er aus dem Fenster und sagt: „Schaut mal, das da drüben ist der Dom von Ribe.“ Mama und ich haben den Turm längst entdeckt. „Ribe ist übrigens die älteste dänische Stadt“, fügt mein kleiner Bruder hinzu. Ein Schmunzeln huscht über Mamas Gesicht. „So“, sagt sie, „wie alt ist Ribe denn?“ Jetzt muss Nils passen. „Als Tourenguide sollte man so etwas aber wissen“, spotte ich. „Sehr witzig, weißt du es vielleicht?“, fragt er. „Klar“, sage ich. „Ribe ist so um 700 gegründet worden. Eine echte Wikingerstadt.“ „Sie hat Recht“, meint Mama. Natürlich habe ich Recht, ich habe es nämlich soeben in dem Prospekt gelesen, den ich mir auf der Raststätte eingesteckt habe. Aber das muss Nils ja nicht wissen.
Es ist schon nach neun Uhr abends, als wir Hvidbjerg erreichen. Noch ist es taghell, denn im Hochsommer macht die Sonne hier oben Überstunden. Unser Stellplatz ist groß, der Rasen frisch gemäht, vom Nachbarn zieht verführerischer Essensduft in unsere Nasen. Kein Wunder, dass sich bei uns allen umgehend Hunger einstellt. Wir genießen unser Abendessen vorm Caravan: frisches Mohnbrot, Heringshäppchen in Currysoße, Butterkäse. Und Papa trinkt sein erstes Carlsberg aus der grünen Flasche. Er hat es sich verdient.
Esbjerg und Hvide Sande


Die ersten beiden Tage hatten wir gutes Wetter und konnten in der Nordsee baden. Heute ist der Himmel bewölkt, es ist windig und für einen Tag am Strand zu ungemütlich. Eine gute Gelegenheit für einen Ausflug in die Stadt. Und zwar in eine richtige, denn immerhin ist Esbjerg die fünftgrößte Stadt Dänemarks. Vieles – aber nicht alles – dreht sich im größten Fischereihafen des Landes natürlich um Seefahrt und Fischfang. Ein ganzes Museum widmet sich diesem Thema. Ich muss zugeben, auf sehr spannende Weise, denn im Fischerei- und Seefahrtsmuseum kann man Meerestiere wie etwa Robben aus nächster Nähe beobachten, wenn man möchte, sogar Krebse in die Hand nehmen. Nun ja, das überlasse ich Nils. Ganz schön mutig von ihm. In Esbjerg kann man aber auch bestens Shoppen: Die Kongensgade (Königsstraße) im Stadtzentrum soll die längste Einkaufsmeile Jütlands sein. Mama und ich bummeln sie in aller Ruhe entlang, während Papa und Nils das alte Feuerschiff „Horns Rev“ inspizieren.
Als wir am nächsten Tag mit unserem Gespann weiter nordwärts ziehen, meint Papa: „Wir hätten sowieso nicht länger auf unserem Stellplatz bleiben können. Andere Gäste hatten ihn schon vorbestellt.“ Wahrscheinlich will er mich und Mama nur ein wenig trösten, aber das ist gar nicht nötig. Ich finde es schön, über die schmale Landzunge namens Holmsland Klit zu fahren, die Nordsee und Ringkøbing Fjord voneinander trennt. Den Fjord kann ich die meiste Zeit sehen, den Blick zur Nordsee versperren allerdings hohe Dünen. Kurz bevor wir bei Hvide Sande dem Hinweisschild Nordsø Camping- og Badeland folgen, sehe ich jede Menge bunte Segel über den Fjord gleiten: Windsurfer, die auf dem geschützten Binnengewässer ideale Bedingungen für ihren Sport vorfinden. „Das möchte ich auch einmal probieren“, sage ich. „Surfen?“, fragt Papa. „Ja, das muss hier richtig Spaß machen“, antworte ich. Der Campingplatz liegt direkt hinter der Dünenkette. Es ist anstrengend, den sandigen Weg bergauf zu gehen, aber es lohnt sich. Von oben blickt man auf den breiten Strand und die Nordsee. Hier hat jeder Platz ohne Ende – zum Baden, Spielen, Ausruhen. Uns fasziniert die Brandung. Noch ist es warm genug für ein Bad in den Wellen. Einmal tief durchatmen – und mit Anlauf rein in die Fluten. Nach dem ersten Schock macht es richtig Spaß.

Am nächsten Tag leihen wir uns Fahrräder und radeln auf Kieswegen durch die Dünenlandschaft. In Hvide Sande kaufen wir uns am Nachmittag frisch geräucherten Fisch und Krabben, setzen uns auf eine Bank mit Blick auf den Hafen und stärken uns so für die Rücktour zum Campingplatz. Ein hellblauer Fischkutter kehrt gerade von der Nordsee zurück, gefolgt von einem kreischenden Möwenschwarm.
„Wer vom Ringkøbing Fjord in die Nordsee will, muss hier durch. Eine andere Verbindung gibt es nicht“, sagt Nils. Kluges Kerlchen. Ob mein kleiner Bruder auch weiß, seit wann es diese Verbindung gibt? Ich sage: „Der Hvide-Sande-Kanal ist genauso alt wie Oma Ilse.“ Sein ratloses Gesicht spricht Bände. Natürlich hat er keine präzise Vorstellung vom wahren Alter seiner Großmutter. Fragend schaut er Mama an. „Und?“, fragt sie. Schulterzucken. „Sie ist 1931 geboren“, helfe ich Nils auf die Sprünge. „Fünfundsiebzig“, sagt er. „Na, wenigstens mit dem Kopfrechnen klappt‘s“, necke ich ihn. „Du musst deinen Bruder nicht immer ärgern, Paula“, sagt Mama. „Kommt! Wir radeln jetzt zurück zum Campingplatz.“
Gut zu wissen

Im ganzen Königreich Dänemark weht vor Häusern und Feriendomizilen der Danebrog. Andere Flaggen als die dänische zu hissen ist nicht nur gesetzlich verboten, sondern - insbesondere im Fall von Schwarz-Rot-Gold - ein Fauxpas, der nicht zuletzt auf Grund der jüngeren deutschdänischen Vergangenheit vermieden werden sollte.
Campen ist in Dänemark beinahe so etwas wie ein Volkssport. Eine Karte, auf der alle 516 Campingplätze des Landes verzeichnet sind, verschickt das Fremdenverkehrsamt. Fast alle Plätze verfügen über Einrichtungen, die beinahe schon dem gehobenen Komfort zugerechnet werden müssen. Viele Plätze haben sich auf Familien spezialisiert und bieten ein entsprechendes Freizeitangebot. Wildes Kampieren ist untersagt.
Mittel-Jütland

Wir sind ein eingespieltes Team. Jeder von uns hat seine Aufgaben. So geht es immer recht flott, wenn wir weiter wollen. Auch heute hängt der Caravan reisefertig um halb elf am Haken. In Søndervig nehmen wir Abschied von der Nordsee und wenden uns schnurgerade nach Osten. „Heute lernen wir eine ganz andere Ecke von Dänemark kennen“, erklärt Papa. Und man merkt ihm seine Freude auf eine neue Urlaubsregion an. „Seen und Wälder“, fügt er hinzu. Wir müssen nicht weit fahren. Das ist das Gute an Dänemark: Innerhalb des Landes kann man jeden Ort an einem Tag erreichen – selbst mit dem Caravangespann. An unserem Etappenziel Silkeborg treffen wir bereits am frühen Nachmittag ein, können uns in aller Ruhe einen Campingplatz aussuchen. Über mangelnde Auswahl können wir uns nicht beklagen: Das Angebot an attraktiven Feriendomizilen im mitteljütländischen Seenhochland ist groß. Uns verschlägt es an diesem Tag auf den Sø Camping in Silkeborg. Silkeborg ist eine sehenswerte Stadt. Das gilt vor allem für Kunstinteressierte wie Mama. Sie ist vom Kunstmuseum und dem Kunstcenter Silkeborg Bad, das sich in den altehrwürdigen Kuranlagen der Stadt befindet, total begeistert. Nils und mich zieht dagegen ein uralter Däne in seinen Bann: der so genannte Tollund-Mann, eine gut 2300 Jahre alte Moorleiche. Zu bestaunen im Silkeborg Museum. Reichlich frische Luft weht uns allen einen Tag später um die Nase, als wir auf dem Deck des knapp 150 Jahre alten Raddampfers „Hjejlen“ stehen, der unter Volldampf den Fluss Gudenå und eine Reihe idyllischer Seen durchpflügt, um uns von Silkeborg zum Himmelbjerg zu bringen. Auf dem 147 m hohen „Himmelberg“ befindet sich ein Turm, von dessen Spitze wir eine fantastische Aussicht über die Seenlandschaft haben. Wir sind vom Blick auf die waldumsäumten Seen so begeistert, dass wir beschließen, in den nächsten Tagen mit einem Kanu oder Kajak eine Tour auf eigene Faust zu unternehmen. Nur über die Besatzung der Boote können wir uns heute nicht einigen. Schließlich läuft es darauf hinaus, das Nils und ich in einem Boot sitzen und Mama und Papa die andere Crew bilden. Die „älteren Herrschaften“ bestehen nämlich darauf, ganz geruhsam in Indianermanier mit einem Kanu die Seen zu erkunden, Nils und ich entscheiden uns für ein schnittiges Kajak. So bleiben die Eltern ziemlich schnell in unserem Kielwasser zurück, während wir in flotter Fahrt die spiegelglatte Wasserfläche des Julsø durchteilen. Besonders viel Spaß macht es, Abstecher in kleine, von dichtem Wald umsäumte Seitenarme zu machen: Ein Feeling wie im Dschungel. Als wir am Abend alle zusammen vor dem Caravan sitzen und uns gegenseitig von unseren Bootsabenteuern erzählen, spüren wir unsere Arme – Mama und Papa ebenso wie Nils und ich. Aber wir finden alle: Es hat sich gelohnt.
Fünen
Wir beschließen noch einen Tag in Silkeborg zu bleiben um zu relaxen, bevor wir unsere Tour durch Dänemark fortsetzen und den Sprung auf die Ostseeinsel Fünen wagen. Das geht ganz ohne Fähre, denn Jütland und Fünen sind durch zwei Brücken miteinander verbunden. Wir überqueren den Kleinen Belt auf der Autobahnbrücke, sind beeindruckt vom tollen Blick auf die Ostsee. Die vielen Segelyachten tief unter uns wirken aus dieser Perspektive wie Spielzeugboote. Ein Begrüßungsszenario, das bestens zu Fünen passt, denn auf dieser Insel erblickte der berühmte Märchendichter Hans Christian Andersen anno 1805 das Licht der Welt. Genauer gesagt – in der Inselhauptstadt Odense. Wir lassen sie zunächst links liegen, fahren weiter Richtung Nyborg. Südlich der alten Königstadt am Großen Belt beziehen wir unser Quartier auf einem echten Luxusplatz, dem Bøsøre Strand Feriepark: Die Rezeption ist in einem alten Herrenhaus untergebracht, der Kinderspielplatz zeigt sich im Stil einer Ritterburg, das subtropische Badeland ist nach Motiven von H.C. Andersen gestaltet. Und wer‘s naturbelassen mag: der Ostseestrand mit Badestegen liegt direkt vorm Campingplatz. Wer nur entspannen und das riesige Freizeitangebot genießen möchte, muss dieses Camp eigentlich nicht verlassen. Wir tun es trotzdem, lassen den Caravan auf unserem komfortablen Stellplatz stehen und fahren mit dem Auto zunächst ins nahe gelegene Nyborg. Den stärksten Eindruck auf uns hinterlässt die gewaltige Festung Nyborg Slot, einst Sitz der dänischen Königsfamilie.
Doch schließlich befinden wir uns auf der Märcheninsel und wollen mit eigenen Augen sehen, wo und wie der dänische „Märchenkönig“ H.C. Andersen gelebt hat. Kurz vor Odense fragt Mama plötzlich: „Wisst ihr überhaupt, welche Märchen von ihm stammen? Kann jeder von euch beiden wenigstens eins nennen?“ Fehlanzeige. Ich muss gestehen, uns fiel in diesem Augenblick kein Andersen-Märchen ein, obwohl wir einige schon zigmal gehört hatten – früher auf langen Autofahrten. Papa ist besser im Bilde. „‘Die Prinzessin auf der Erbse‘“, sagt er. „Ach ja, davon haben wir doch noch die Kassette“, fällt es mir nun wieder ein. „Ist die Geschichte mit dem Schwan etwa auch von ihm?“ fragt Nils. „Du meinst: ‘Das hässliche Entlein‘“, sagt Mama. „Ja, die Ente, die eigentlich ein Schwan ist“, erklärt Nils „Und ‘Papas neue Kleider‘ hat er auch geschrieben“, sagt Papa. Alle lachen laut los. Als Mama sich beruhigt hat, sagt sie zu Papa: „Das Stück heißt ‘Des Kaisers neue Kleider‘“. Da hat er also seine Kindheit verbracht, der berühmte Sohn einer Wäscherin und eines Schusters, denken wir, als wir andächtig vor dem H.C. Andersen Barndomshjem, dem Elternhaus des großen Dichters, stehen. Es liegt ebenso wie das H.C. Andersen Hus, das als Geburtshaus des Dichters gilt, in der Altstadt von Odense. Enge Gassen und gepflegte Fachwerkhäuser machen es hier leicht, sich in die Zeit des Märchendichters hineinzuträumen. Alles Wissenswerte über sein Leben und Werk erfährt man im H.C. Andersen Hus.
Gegen Abend verlassen wir Odense und denken im Auto gemeinsam darüber nach, wie wir unsere Reise durch Dänemark fortsetzen möchten. Auf das Erlebnis der Überquerung des Großen Belts möchten wir auf keinen Fall verzichten.
Seeland, Møn, Falster, Lolland

Nach einem ausgiebigen Ruhetag auf dem Bøsøre Strand Feriepark setzen wir dann am Vormittag zum großen Sprung von Fünen nach Seeland an. Die gesamte Storebelt-Verbindung misst 18 Kilometer. Den ersten Teil der Strecke bis zur Miniinsel Sprogø übernimmt eine Flachbrücke, danach führt die Autobahn in Schwindel erregender Höhe über die gigantische, knapp sieben Kilometer lange Hängebrücke. Ihre beiden Pylonen sind 260 Meter hoch. Damit übertrifft sie die berühmte Golden Gate Bridge um satte 26 Meter und sichert sich in diesem Punkt den Weltrekord. Den hält die Storebelt-Brücke auch mit ihrer freien Spannweite von 1624 Metern. Würden wir der Autobahn folgen und quer durch Seeland fahren, kämen wir irgendwann nach Kopenhagen. Doch die dänische Hauptstadt wollen wir uns für später aufsparen, vielleicht fürs nächste Jahr. Auf dieser Tour biegen wir bei Slagelse ab und folgen der Landstraße in südöstlicher Richtung, passieren Næstved und erreichen über eine Brücke die kleine Insel Møn, die zu den Lieblingszielen von Hans Christian Andersen gehörte. Aber auch der deutsche Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass schätzt Møn als Ferienziel. Ob großer Dichter oder normaler Urlauber – alle Inselbesucher sind von Møns Klint, den steil aus dem Meer emporragenden Kreidefelsen an der Ostküste, begeistert. Auch wir sehen staunend in die Tiefe, wohl wissend, dass sich riesige Brocken der vor 75 Millionen Jahren entstandenen Tafelkreide von Zeit zu Zeit verselbständigen und poltern in die Ostsee stürzen. Selbst den einstigen Aussichtspunkt „Freuchens Pynt“ hat es 1998 erwischt: Aus rund 100 Meter Höhe fiel er ins Bodenlose. Warnungen sollte man also den nötigen Respekt zollen. Wer wie wir auf Camping Møns Klint Quartier bezieht, erreicht die Kreideklippen übrigens nach einer kurzen Wanderung durch die Natur. Auf kurzem Wege gelangen wir auch mit unserem Caravangespann über die winzige Insel Bogø zur größeren Nachbarinsel Falster und von dort weiter nach Lolland, wo wir auf Nysted Camping „vor Anker“ gehen. Wir haben sogar das Glück, einen Stellplatz mit Blick aufs Meer zu bekommen. Nysted, die kleinste und südlichste Stadt Dänemarks, können wir vom Campingplatz bequem zu Fuß erreichen. Imposant ist Schloss Aalholm, das durch einen Damm mit Nysted verbunden ist. Das Schloss selbst befindet sich in Privatbesitz, ist leider nicht zu besichtigen. Dafür entschädigt der Besuch des einzigartigen Automuseums von Schloss Aalholm, in dem etwa 200 – fahrtüchtige – Oldtimer ausgestellt sind. Noch stärker als von den alten Autos ist Papa aber von der großen Modelleisenbahnanlage beeindruckt. „Eine Märklin Spur null. So eine hatte ich auch als Kind“, ruft er begeistert und schaut lange zu, wie die Miniaturzüge durch ganz Europa rollen.
Der letzte dänische Hot Dog

Wir rollen zwei Tage später westwärts an Nakskov vorbei zum Fährhafen Tårs. Eine dreiviertel Stunde dauert die Überfahrt nach Spodsbjerg auf Langeland. „Wir sind nun schon auf so vielen Inseln gewesen“, meint Mama, „aber dies ist die erste Fähre, die wir auf unserer Tour benutzen.“ Erst jetzt wird uns diese erstaunliche Tatsache bewusst: Wir hüpfen die ganze Zeit mit unserem mobilen Heim von Insel zu Insel, ohne auf ein Schiff angewiesen zu sein. Etwas, das wahrscheinlich nur in Dänemark möglich ist. So beschließen wir, auf der Rückfahrt nach Deutschland wenigstens noch einmal eine Fähre zu benutzen: die von Bøjden auf Fünen nach Fynshav auf der Insel Als. Dort verbringen wir auch unsere letzten Tage dieser Dänemark-Tour. Wir steuern den Lavensby Strand Camping bei Nordborg an, denn wir möchten unsere diesjährige Reise mit einem Highlight abschließen: Das Danfoss Universe in Nordborg steht auf unserem Sightseeing-Programm. „Haben die nicht unsere Heizung gebaut?“, will ich wissen. Papa schmunzelt. „Nicht die Heizung, Paula“, erklärt er, „aber die Thermostaten an den Heizkörpern sind von Danfoss.“ „Na ja, meine ich doch“, gebe ich kleinlaut zurück. Das Danfoss Universe liegt jedenfalls genau neben der Firmenzentrale in Nordborg, ist ein neuartiger Erlebnispark, der jungen Menschen Technik und Naturwissenschaften näher bringen will. Das geschieht dort wirklich auf spannende Art. Vieles kann man selbst ausprobieren, eigene Experimente durchführen. Im großen blauen Kubus auf dem Gelände gehen wir durch Gletscherspalten und erleben Vulkanausbrüche. Auch die Ostseeinsel Als ist durch Brücken mit dem Festland verbunden. So nähern wir uns aus Richtung Sønderborg dem alten Grenzübergang Kruså, wo dann doch noch ein echtes Highlight auf uns alle wartet: der letzte dänische Hot Dog auf unserer diesjährigen Caravantour durchs Königreich Dänemark.
Insider Tipps

Wenn sie auf Lolland unterwegs sind sollten Sie auf jeden Fall einen Ausflug in das savanneähnliche Gehege in Knuthenborg machen. Hier kommt man sich vor wie in Afrika. Auf 4 km² kann man im eigenen Auto auf Safari gehen. Rund 1000 exotische Tiere wie Giraffen, Nashörner, Strauße, Tiger oder Antilopen leben dort im Gehege. Für 95 Kronen können sie hier, mitten in Dänemark, einen Tag wie in Afrika erleben. (www.knuthenborg.dk)
3 km südlich von Ribe wurde eine der bedeutendsten Wikingerburgen Jütlands rekonstruiert. Hier wird wie zu Thors Zeiten Handel getrieben, man kann den Wikingern bei ihrer Arbeit zusehen und erfährt, wie sie wohnten. Ein absolutes Muss für alle Familien. www.ribesvikinger.dk
Besonders schön lässt es sich abends in Odense weggehen. Man trifft sich in der Altstadt rund um Hans Christian Andersens Haus und von dort aus geht es dann zum Fisketorvet, dem Fischmarkt. Dort liegen die Kneipen dicht an dicht.
WICHTIGE ADRESSEN
VisitDenmark
Postfach 701740
22017 Hamburg
www.visitdenmark.com
Deutsche Botschaft Dänemark
Stockholmsgade 57
2100 Kopenhagen
tyskeamba@email.dk
ADAC Partnerclub Dänemark
Forenede Danske Motorejere (FDM)
Firskovvej 32 P.O.Box 500
2800 Lyngby
Caravaning Dänemark
www.caravaning-dk.de
Text und Bilder: Paula Sophie Karlsson
Bilder: PixelQuelle.de



