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Mehr als nur Meer

Rund 1800 Kilometer misst die Küste vom Norden Istriens bis in den Süden Dalmatiens, davor liegen 1185 Inseln. Kroatien ist ein Traum für Badenixen und Wasserratten in Reisemobil (Wohnmobil) und Caravan (Wohnwagen). Auch Genießer und Kulturbeflissene kommen hier auf ihre Kosten.

Mediterrane Urlaubsklima

Das mediterrane Klima lockte schon früh Campingtouristen in diese Region, auch als die Straßen lang nicht so gut ausgebaut waren wie heute und auch die Autos deutlich kleiner und langsamer. Damals kamen viele Deutsche noch mit dem Zelt, doch schon in den Sechzigern mehr und mehr mit dem Caravan am Haken. Diese Tradition pflegen noch heute zahlreiche Familien, die einen erholsamen Badeurlaub planen. Viele Paare und Individualreisende sind aber auch im Reisemobil von Ort zu Ort unterwegs. Die Caravaning-Infrastruktur in Kroatien ist hervorragend ausgebaut. Vom Kap Savudrija im Norden bis zum Kap Privlaka im Süden zählt der Campingverband „Kroatische Camping Union“ genau 526 Anlagen, die über rund 60.000 Stellplätze verfügen. Doch nicht nur die reinen Zahlen sind beeindruckend, auch den Qualitätssprung, den die Anlagen gemacht haben, erfreut die Besucher. Zwar sind hie und da noch kleine Reminiszenzen an die sozialistischen Zeiten im ehemaligen Jugoslawien zu sehen, doch hat die Privatisierungswelle seit dem politischen Umbruch nach 1990 die Campingsituation deutlich verbessert. Davon zeugen unter anderem die 2007 vom ADAC und dem Deutschen Camping Club vergebene Preise für vorbildliche Campingplätze. National gilt auch die so genannte „Blaue Fahne“ als ein Qualitätsausweis. Sie signalisiert nicht nur hervorragende Wasserqualität, sondern auch gut ausgestattete Strände und Sportboothäfen.

Die meisten Plätze öffnen ihre Pforten von Anfang April bis Mitte Oktober, doch mittlerweile finden sich immer mehr, die das ganze Jahr für ihre Gäste da sind. Die Vor- und Nachsaison mit ihren moderaten Temperaturen eignet sich für viele Aktivurlauber und Kultururlauber. Außerdem ist das vergleichsweise ohnehin moderate Preisniveau zu dieser Zeit noch etwas niedriger. Badenixen und Wasserratten werden allerdings den Sommer bevorzugen, denn schließlich ist die rund 1800 Kilometer lange Küstenlinie Kroatiens ein wahres Badeparadies. Sandstrände sind eine Seltenheit, es dominieren Kies- und Felsstrände. Dafür ist das Wasser meist besonders klar, zehn bis 15 Meter Sichtweite unter Wasser sind keine Seltenheit, weshalb es gerade Taucher und Schnorchler immer wieder an die Adriaküste zieht.

Als die ersten deutschen Caravaning-Pioniere nach Kroatien reisten, fuhren sie meist nach Istrien. Die im Vergleich zur Dalmatienreise noch kurze Anreise war ein Grund, die bereits erwähnten FKK-Plätze ein anderer. Noch wichtiger für die sonnenhungrigen Mitteleuropäer war und ist das Klima, das im Sommer beinahe mit einer Schönwettergarantie gleichzusetzen ist. Die Touristiker der Region punkten bei ihren Gästen mit 2380 Sonnenstunden im Jahr, die Durchschnittstemperatur im Juli beträgt 23 Grad, das Meer ist kaum kühler. Schöner kann man sich einen Badeurlaub kaum vorstellen.

Rovinj

Darüber hinaus gibt das Klima auf der herzförmigen Halbinsel auch noch die Möglichkeit das Kulturerbe der Region zu erkunden. Zum Beispiel in der Stadt Rovinj, auch unter Einheimischen ein beliebtes Ausflugsziel. Durch das Stadttor von Balbi betritt der Besucher eine malerische Stadt in deren engen, verwinkelten Gassen das Mittelalter lebendig zu werden scheint. Auf einem Hügel, von weitem sichtbar thront die Kirche der Heilgen Euphemia, von den Einheimischen auch Fuma genannt. Die ist sicher das größte und wahrscheinlich auch das am besten erhaltene Baudenkmal der Stadt. In diesem Barockbau ruht der Sarkophag der Heiligen, der im Jahr 800 nach Rovinj gebracht wurde. Alljährlich Mitte September gedenken die Istrier der christlichen Märtyrerin mit einem großen Fest. Freunde der bildenden Künste besuchen das Heimatmuseum im Barockpalast des Grafen Califfi, in dem alte Meister ausgestellt sind. Zeitgenössische Kunst wird seit 1967 immer am zweiten Sonntag im August in der Grisia Gasse feilgeboten.
 

Kulinarische Wohl

Auch das leibliche Wohl kommt auf Istrien nicht zu kurz. Rustikale Naturen legen am Straßenrand ein Pause ein und kosten vom Spanferkel, das dort über dem offenen Feuer gebrutzelt wird. Soll es feiner sein, bieten gute Restaurants im Landesinneren köstliche Trüffel an. Speziell im Herbst wenn speziell ausgebildete Hunde und Schwein das Unterholz der heimischen Eichenwälder durchforstet haben, ist das Angebot in einem der wichtigsten Trüffelgebiete Europas besonders groß. Wer lieber ganz frische Austern schlürfen will, fährt zum Limski Fjord. Denn genau in dieser von hohen Steilufern gesäumten Bucht wachsen die von Genießern geschätzten Meeresfrüchte.

Muscheln, Krebse aber besonders frischer Fisch in allen Variationen begleiten die Reisenden entlang der ganzen Küste. Das schmeckt nicht nur, sondern ist auch noch gesund. Kurze Garzeiten, Olivenöl, Gemüse aus eigenem Anbau und wilde Kräuter sorgen für die Bekömmlichkeit der Speisen, die in feinen Restaurants, aber auch einfachen Konobas (Weinschenken) angeboten werden. Typisch für die Kvarner Bucht ist auch die traditionelle Gemüsesuppe Jota ebenso wie zahlreiche Nudel- und Reisgerichte. Viele Kinder und Menschen, die es gerne etwas deftiger haben, wählen gerne Cevapcici mit Risotto oder Pommes frites.

Insider Tipps

Wir gehen weiter in der Liste des UNESCO Welterbes, gleichzeitig aber zurück zur Natur. Genauer gesagt zu den bereits erwähnten Plitvicer Seen. Das Wasser des Flusses Korana und der Kalk des Karstgebirges haben auf verschiedenen Ebenen 16 Seen gebildet, die durch viele kleine und große Wasserfälle verbunden, ineinander übergehen. Breite Stege ermöglichen die Entdeckung zu Fuß, dazu bieten sich kleine Elektroboote und die so genannten Panoramazüge, die von schweren Unimogs gezogen werden, als Verkehrsmittel an. Wie bei den Krka Wasserfällen reicht auch hier ein Tag kaum aus, um die ganze Schönheit der Natur zu entdecken. Und wie diese, dienten auch die Plitvicer Seen schon als Kulisse zur Verfilmung von Karl-May-Romanen. 1962 wurde hier der „Schatz im Silbersee“ gedreht und es würde den filmerfahrenen Naturparkbesucher kaum wundern, wenn hoch oben an einer der steilen Felswände plötzlich Winnetou auftauchen würde. Wasser regt eben an – auch die Phantasie.

Vielfältige Landschaftseindrücke

Nicht nur wegen der abwechslungsreichen Küche, sondern auch wegen der vielfältigen Landschaftseindrücke lohnt sich in Kroatien ein klassischer Reisemobilurlaub in Form einer Rundreise. Von Istrien kommend bietet sich als nächster Zwischenstopp eine Insel in der Kvarner Bucht an. Krk gehört mit Cres zu den größten Inseln in der Adria und ist durch die lange geschwungene Brücke mit dem Festland verbunden. Krk, die gleichnamige Hauptstadt der Insel gibt sich als quirliges, aber gleichwohl sympathisches Touristenzentrum. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht der Caravaner vom Camping Jerzevac bequem das Stadtzentrum, das wie Rovinj ebenfalls mit engen, verwinkelten Gässchen durchzogen ist, Relikte der venezianischen Vergangenheit. Krk war einst der Stammsitz der aus Venedig stammenden Familie der Frankopanen, die zu den mächtigsten Adelsgeschlechtern Kroatien zählten.

Küstenstraße

Weiter geht es auf der zu einem großen Teil gut ausgebauten Küstenstraße Richtung Süden. Die ist oft extrem verwinkelt, dafür tut sich hinter jeder Kurve wieder eine neuer Blick, ein neues Panorama auf. Die Küstenstraße lässt sich bequem auch mit großen Reisemobilen befahren, doch fordern Kurven und Wind eine erhöhte Aufmerksamkeit und ein reduziertes Tempo. Auch ein kurzer Stopp auf einem Parkplatz oder befestigten Seitenstreifen schadet nichts. So können schnellere Pkw passieren und auch der Mobilpilot einmal die Aussicht richtig genießen.

Gut zu wissen

Die Bodenseeanrainer Schweiz und Österreich erheben eine Autobahnmaut. Für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen (zulässiges Gesamtgewicht) muss dazu eine Vignette gekauft werden (in der Schweiz noch eine zweite für den Caravan). Die Umrundung des Bodensees ist durchgängig auf Landstraßen möglich, zwischen Lindau und Rorschach ist allerdings etwas Aufmerksamkeit erforderlich, um nicht versehentlich auf der Autobahn zu landen. Wer dort ohne Vignette unterwegs ist, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Für Reisemobile über 3,5 Tonnen wird in der Schweiz generell eine Schwerverkehrsabgabe fällig, die am Grenzübergang zu entrichten ist. Empfehlenswert ist die so genannte „Zehnerkarte“ (32,50 Schweizer Franken), mit der man an zehn frei wählbaren Tagen innerhalb eines Jahres auf Schweizer Straßen fahren darf.

Fischerort Novigrad in Dalmatien

Nächster Stopp ist der kleine Fischerort Novigrad in Dalmatien, nicht zu verwechseln mit dem größeren Namensvetter auf Istrien. Der kleine Campingplatz „Adria Sol“ wird von einer österreichischen Familie betrieben und glänzt mit moderner Infrastruktur und einer wunderbaren Lage an einer stillen Meeresbucht. Ruhe- und Erholungssuchende sind hier genau richtig. Vom Platz aus lassen sich ausgedehnte Wanderungen und Radtouren unternehmen. Als nah liegendes Ausflugsziel bietet sich die Hafenstadt Zadar an, die neben einem malerischen Stadtzentrum auch einige historisch bedeutsame Kirchenbauwerke zu bieten hat.
 

Nationalpark Krka

Für naturverbundene Touristen gehört der Nationalpark Krka zum Pflichtprogramm. Benannt ist der Park nach dem gleichnamigen Fluss, der nahe der historischen Stadt Knin entspringt. Der Nationalpark umfasst den größten Teil des Flussverlaufs und kann bei intensiver Besichtigung auch mehr als einen Tag in Anspruch nehmen, zu Fuß und per Boot. Die Hauptattraktionen des Parks sind zweifellos die sieben Wasserfälle, von den Roski slap der wasserreichste und Skradinski buk der größte ist. Der findet sich nahe des Park-Eingangs und lädt Besucher auch zum Baden vor höchst eindruckvoller Kulisse ein.

Kornati Inseln

Als Basislager für diesen Ausflug bietet sich der Campingplatz Jezera auf der Insel Murter an, die ebenfalls durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Auf Murter startet aber auch das Ausflugsboot hinaus zu den Kornati Inseln. Ein einheimisches Sprichwort sagt: „So viele Tage im Jahr, so viele Kornati Inseln gibt es.“ Das ist dann doch etwas übertrieben, selbst wenn man die kleinsten Erhebungen aus dem Meer mit wenigen Hektar Fläche dazuzählt, werden es nicht mehr als 140. Die großen Inseln, unbewohnten Eilande und Riffe weisen zusammen eine Fläche von nur etwa 70 Quadratkilometer auf. Für Segler ist die Inselgruppe ein Paradies, und auch die Passagiere auf den Ausflugsbooten genießen die Idylle, besonders, wenn das Boot in einer kleinen menschenleeren Bucht vor Anker geht.

Die Kathedrale des Heiligen Jakob

Auf dem Weg zu den Plitvicer Seen fordert Sibenik einen kurzen Zwischenstopp. Schließlich findet sich dort eine von fünf Stätten in Kroatien, die in das UNESCO Welterbe aufgenommen wurde. Die Kathedrale des Heiligen Jakob steht mitten in der Stadt, an zwei Seiten schmiegt sie sich an die umgebenen Wohnhäuser. Das Bauwerk wurde im venezianischen Gotikstil begonnen und im toskanischen Renaissancestil vollendet. Mehr als 150 Jahre wirkten die Baumeister, bevor das Gotteshaus geweiht wurde.

Kurioses

Wasser regt an. Das meinte auch der britische König Edward VIII, der im Sommer 1936 gemeinsam mit der Amerikanerin Willis Simpson ins azurblaue Meer vor der Insel Rab sprang – beide so, wie Gott sie schuf. Shocking! Doch was die britische Öffentlichkeit aufwühlte, wurde in Kroatien zu einer touristischen Attraktion. Schon 1953 öffneten Land und Gemeinden einzelne Strände für textilfreies Baden, verschiedene Campingplätze folgten diesem Beispiel. Heute verzeichnet der kroatische Campingverband ein Dutzend reine FKK-Plätze, sieben davon in Istrien, drei im Kvarner und zwei in Dalmatien. Nicht mitgerechnet sind dabei die Anlagen, die Platzteile und Strandabschnitte für FKK-Anhänger reserviert haben.
 

WICHTIGE ADRESSEN

 

Camping Jezevac
Insel Krk
Telefon: +385-51-604444
www.Camping-adriatic.com

AdriaSol
Novigrad (Dalmatien)
Telefon: +385-233-7511
www.adriasol.com

Holiday Village Jezera
Insel Murter
Telefon:+385-22-439193
www.jezera-kornati.hr


Text und Bilder: Martin Häüßermann

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