Genuss auf Rädern
Caravaning-Freunde kommen im Vinschgau und dem Meraner Land voll auf ihre Kosten – auch wenn sie mal nur auf zwei Rädern unterwegs sind.
Südtirol ist und bleibt ein Dorado für Reisemobilisten und Caravaner

Südtirol ist und bleibt ein Dorado für Reisemobilisten und Caravaner. Davon zeugen nicht zuletzt 40 Campingplätze der Oberklasse sowie einige kleine Reisemobilstellplätze. Viele Südtirol-Besucher gehen hier gerne wandern und bergsteigen. Das ist aber längst nicht alles. Auch das Fahrrad, ein bei Caravaning-Freunden besonders beliebtes Fortbewegungsmittel, bekommt hier reichlich Auslauf. Dabei kommen die Bergspezialisten ebenso zu ihrem Recht wie die Genussradler. Für Letztere wurde in den vergangenen Jahren ein rund 600 Kilometer langes Netz an so genannten „Talradwegen“ geschaffen. Auf neu angelegten Radwegen, über ehemalige Bahntrassen und auf zahlreichen Wirtschaftswegen rollen die Radler nun weitgehend entfernt vom Autoverkehr.
Zum Beispiel von Bozen nach Tramin, der Heimat des lieblichen Weißweins namens Gewürztraminer. Aus der Südtiroler Hauptstadt heraus führt eine regelrechte Radfahrer-Autobahn entlang der Etsch, die durch einen Mittelstreifen in zwei Fahrtrichtungen getrennt ist. Hier ist von der Hausfrau mit Einkaufskorb am Lenker bis zum ambitionierten Rennradler alles unterwegs, weshalb große Vorsicht geboten ist. Außerhalb des Stadtgebiets, nachdem die alte Eisenbahnbrücke über die Etsch überquert ist, wird’s dann deutlich beschaulicher. Im leicht hügeligen Gelände geht es vorbei an Obstplantagen und Weinfeldern bis zum Kalterer See.
Vinschgau ist die ideale Region, um den Sommer zu verlängern
Als Genussalternative bietet sich aber auch eine Tour durch den Vinschgau an. Der Vinschgau ist die ideale Region, um den Sommer zu verlängern, und damit auch die Radsaison. Schließlich ist das Gebiet mit durchschnittlich 400 Millimetern Niederschlag pro Jahr und Quadratmeter ausgesprochen regenarm. Dazu scheint an rund 300 Tagen im Jahr die Sonne. Selbst im September klettert das Thermometer noch ab und zu über 20 Grad. Auch hier bewegt sich der Radler fast ausschließlich abseits des Autoverkehrs. Dabei ist mehr als die Hälfte des gut ausgeschilderten Radwegs durchs Etschtal relativ flach.
Insider Tipps

Bahnhöfe spielen auf dieser Tour eine wichtige Rolle. Zahlreiche alte Bahnhofsgebäude entlang der Strecke Meran–Mals sind von der Südtiroler Landesregierung zu Denkmälern erklärt worden. Die Bauten, die zwischen 1903 und 1906 entstanden, sind zwar keine Kathedralen der Technik wie die Bahnhöfe großer Metropolen, doch dank der Restaurierung mit viel Liebe zum Detail allemal ein Augenschmaus.„Der Bahnhof Schnalstal war zur Kaiserzeit der Haltepunkt der Habsburger Monarchie“, erläutert Walter Weiss. Er war von 1977 bis 2005 Bürgermeister von Naturns und widmet sich seit seiner Pensionierung dem Umbau des Bahnhofs, an dem einst der Kaiser Station gemacht hat. Sein erklärtes Ziel: der Jugend die Bahn nahe bringen. Die wichtigsten Instrumente dabei sind zwei Miniaturbahnen, die Kinder durchs Bahngelände fahren sowie eine Fahrrad-Draisine. Liebevoll restaurierte Waggons am neuen Bahnsteig bieten nicht nur eine schöne Kulisse, sondern laden auch zu einem Snack ein.
Vinschgerbahn
Heute nutzen weniger Kaiser und Könige als vielmehr (Rad-)Touristen den Schienenweg. Die Vinschgerbahn verkehrt mit modernen Triebwagen zwischen Meran und Mals – und bietet meist reichlich Platz für Fahrräder. Das kostet zwar eine Kleinigkeit extra, ist dabei aber super komfortabel. Ermüdete Radler steuern einfach den nächstgelegenen Bahnhof an und lassen sich per Zug wieder zum Ausgangspunkt der Tour chauffieren. Natürlich wird auch andersrum ein Schuh draus: Man fährt mit der Bahn zum Tour-Start und rollt dann mit dem Rad wieder zurück. Schließlich hält die Vinschgerbahn an vielen Bahnhöfen auch Leihräder bereit, falls der Caravaning-Freund ausnahmsweise kein eigenes an Bord hat.
Gut zu wissen

Geografische Lage und Anreise: Der Vinschgau liegt im Westen von Südtirol. Speziell für Fahrer großer Reisemobile (Wohnmobile) ist die Anfahrt über die Brennerautobahn (A 22) sicher am einfachsten. Landschaftlich reizvollere, dafür weniger schnelle Routen führen über den Reschenpass oder das Stilfser Joch.
Radtourismus: 600 Kilometer gut ausgeschilderte so genannte Talradwege machen Südtirol zu einem Eldorado für Genussradler. Der „Radatlas Südtirol“ ist ein ideales Planungsinstrument (12,90 Euro, ISBN 3-85000-199-7)
Wichtige Adressen
Südtirol Marketing
Pfarrplatz 11
39100 Bozen
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Text und Bilder: Martin Häußermann



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