DER NORDZIPFEL DER LOMBARDEI
in früheren Zeiten nur mühsam erreichbar, ist heutzutage durch einen Tunnel auch per Reisemobil leicht zu erschließen. Auf Winterurlauber wartet nun jede Menge Abwechslung – und immer noch Weite und Stille.
Steile Abfahrten, toll präparierte Loipen

Mit rasantem Tempo und einer Menge Mut wirbeln die jungen Leute im Snowpark Mottolino mit ihren Boards über die Schanzen und Halfpipes. Der Snowpark im italienischen Livigno gilt als der größte seiner Art im ganzen Land – und viele sagen, er sei der beste überhaupt. Das finden auch Luigi und Mario. Wann immer es ihre Zeit in der Wintersaison erlaubt, tuckern die beiden Sportstudenten aus Mailand guter Dinge mit ihrem orangefarbenen Oldie-Campingbus hinauf ins sonnige Livigno, wo jede Menge Spaß auf sie wartet.
Der Ort war früher nur im Sommer zu erreichen

Er liegt ziemlich abseits, ganz oben am Nordzipfel der Lombardei, in gut 1800 Meter Höhe. Zur Gemeinde gehört noch das Dorf Trepalle, die höchste dauer-haft bewohnte Siedlung Italiens (2096 Meter). Wegen dieser exponierten Lage erklärte bereits Napoleon das Gebiet zur zollfreien Zone. Die lange Abgeschiedenheit führte dazu, dass das Ladinische – eine eigenständige romanische Sprache – in Livigno gut überleben konnte. Erst seit den 1960er Jahren ist eine Zufahrt von der Schweiz aus durch den mautpfl ichtigen und nur am Tag geöffneten Munt-la-Schera-Tunnel problemlos möglich. Heutzutage muss sich hier oben auch im Winter niemand mehr einsam fühlen. 34 Liftanlagen mit einer Kapazität von rund 47 000 Personen pro Stunde verwöhnen die Gäste.
Livignos Ausgehmeile

Trotzdem: Allzu engen Trubel muss man im Normalfall nicht befürchten, alles ist großzügig angelegt. Und auch auf den 115 Kilometer langen Pisten mit 63 Abfahrten ist dank überwiegend baumloser Hänge viel Platz.
Ein bisschen zusammenrücken darf man dann höchstens abends. Etwa beim Bier in „Daphne‘s Pub“, „Echo“ oder einer Reihe anderer angesagter Lokalitäten wie etwa dem „Kuhstall“, wo Live-Musik für schöne Stimmung sorgt. Wem es bis dahin zu lange dauert, der kann bereits am Nachmittag in die Mottolino Après-Skibar einkehren, um sich in aller Ruhe „warm zu laufen“. Bei allzu schneidigem Frost steht den Gästen außerdem noch ein riesiges Après-Skizelt zur Verfügung. Im Allgemeinen geht es auf Livignos Ausgehmeile aber et-was weniger laut und ausgelassen zu als in vergleichbaren Skistationen – das dürfte vielen Urlaubern durchaus gefallen. Zudem schonen im Vergleich niedrigere Getränkepreise die Urlaubskasse.
Eisskulpturen

Auf dem Weg zu den Liftstationen kommt man fast unweigerlich an einer Gruppe von Eisskulpturen vorbei. Jedes Jahr Anfang Dezember fi ndet hier im Ort ein bedeutender Wettbewerb statt, bei dem Künstler aus aller Welt drei Tage lang aus Schnee und Eis sorgsam fantasievolle Gebilde erstellen. Die beste Arbeit der „Art in Ice“ wird feierlich prämiert. Den ganzen Winter über können die kühlen Kunstwerke dann frei besichtigt werden.
Viel Platz zum Ausruhen vom Trubel des Alltags

Schnee und Eis sind auch in Bormio, dem anderen großen Wintersportort der Region, die alles beherrschenden Elemente. Dazu gesellt sich fließendes Wasser, das mit wohligen 38 bis 41 Grad Celsius aus den Tiefen der Erde hervorsprudelt. Den alten Griechen übrigens machten diese Quellen richtiggehend Angst – Thermalwasser war für sie etwas Mystisches, das aus der finsteren Unterwelt stammt.
Die Römer hingegen entwickelten hier eine wunderbare Badekultur – bereits Plinius der Ältere berichtete von einer Bäderherberge in Bormio. Und auch die Kelten sollen schon die Wirkungskraft dieser Thermalquellen gewürdigt haben, das bezeugt eine rund 2400 Jahre alte Votivstele, die nahe der Stadt gefunden wurde. Heute werden die Bäder sehr gerne von durchgefrorenen Skifahrern zur Entspannung nach anstrengenden sportlichen Aktivitäten genutzt. Nach einem ganzen Tag Pistenglück, etwa am Hausberg Monte Vallecetta mit seinen bei den Weltcup-Abfahrten Stelvio und Ciuk, ist kaum etwas Schöneres denkbar. Gute Fitness verlangt auch ein Skitag in Santa Caterina Valfurva, einem romantischen Ort mit alten Steinhäusern wenige Kilometer von Bormio entfernt. Zum einen wegen seiner schwarzen Piste, zum anderen, weil sich vom Furvatal aus ein anspruchsvolles Hochtourengebiet in die südliche Ortlergruppe hinein erschließt.
Aber nicht nur gestandenen Skifahrern gefällt Santa Caterina. Auf schönen, geräumten Winterwanderwegen kann man gut die stillen, tief verschneiten Wälder am Talschluss erkunden. Man trifft hier meist Gäste, die den Stellplatz am Dorfrand als Quartier gewählt haben. Diese Region der Lombardei ist zwar längst problemlos erreichbar, blieb aber trotzdem immer etwas Besonderes: bei allem Skivergnügen gibt es viel Platz zum Ausruhen vom Trubel des Alltags.
KARNEVAL: MIT GEIGE UND KONTRABASS

Musikstücke und Tänze, die an höfische Reigen erinnern, machen den Karneval in Bagolino zu etwas Einzigartigem. Die Wurzeln dieses alten Brauchtums sind unbekannt. Wohl trägt die Abgeschiedenheit in der Nähe des Idrosees dazu bei, dass die Folklore bis heute lebendig ist. Eine erste urkundliche Erwähnung von 1518 besagt, dass die teilnehmenden Künstler mit Käse zu entlohnen sind. Der Klang der als Sonaten bezeichneten Lieder rührt vom eigentümlichen Wechselspiel von Geige, Gitarre und Kontrabass. Besonders schön anzuschauen sind die kunstvoll gefertigten Hüte der maskentragenden Tänzer, die aus Filz und meterlangen roten Bänder bestehen. Die fidele Festtruppe zieht über viele Stunden von einer Straßenecke zur nächsten, zu sehen am Rosenmontag und Faschingsdienstag. www.bagolinoweb.it
Wichtige Adressen
MADÈSIMO - www.madesimo.com
LIVIGNO - www.livigno.eu
BORMIO - www.bormio.com
S. CATERINA VALFURVA - www.valtellina.it
PASSO TONALE - www.passotonale.it
APRICA - www.apricaonline.com
Stellplätze
Roncone: 30 Stellplätze beim Ristorante Miramonti im Weiler Pozza an der S237
I-38087 Roncone
GPS 45°59’7”N, 10°39’40”O.
Telefon 00 39/04 65 90 11 08
www.ristorantemiramonti.it
S. Caterina: Gebührenpfichtiger Stellplatz für zirka 25 Fahrzeuge an einem Bauernhof, 8 Euro pro Nacht und Mobil. Strom 2 Euro (Stand: 2009)
I-23030 Santa Caterina
GPS 46°24’35”N, 10°30’32”O.
Info: Alberto Giana, Telefon 00 39/03 42/92 52 09
Livigno: Gebührenpfichtiger, nur an Wochenenden und Feiertagen stark besuchter Stellplatz in Zentrumsnähe. 12 Euro pro Nacht, 2 Euro pro Person. Strom inklusive. (Stand: 2009)
I-23030 Livigno, Via Pemónt, 521/A
GPS 46°32’52”N, 10°08’36”O.
Info: Learco Confortola, Telefon 00 39/03 42/99 75 36
Allgemeine Informationen zum Wintersport in der Lombardei gibt es bei der Italienischen Zentrale für Tourismus ENIT.
Direktion für Deutschland, Österreich und Schweiz.
60311 Frankfurt, Neue Mainzer Straße 26
Telefon 0 69/23 74 34
www.enit-italia.de



