Meine Frau und ich

sind in unserer Bewegungsfähigkeit sehr eingeschränkt, dennoch war die Reise nach Irland lohnend und informativ. Überall kommt man nahe ans Geschehen heran. Die Menschen sind überaus freundlich und hilfsbereit und es gibt nirgends ein Gefühl der Unsicherheit wegen Diebstahls oder ähnlichem. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und Irland bietet eine Vielzahl sowohl frühchristlicher als auch steinzeitlicher historischer Stätten. Campingplätze gibt es in ausreichender Zahl, wobei auch das freie Übernachten auf wenige Probleme stößt. Lediglich für Gourmets sind Vorbehalte angebracht. Gut gewähltes Kartenmaterial erspart die gesamten Vorarbeiten für die Tagesplanungen der Rundreise. Das Wetter war zwar wechselhaft, doch störte uns das wenig. Allerdings verhinderte der ständig kalte Wind vom Atlantik ein längeres Sitzen außerhalb des Wohnmobils. Insofern waren wir mehr auf der Straße unterwegs als vorher geplant.
Der Weg ist das Ziel

Unsere Anreise verlief problemlos, nur die Umfahrung von Brüssel bereitete uns aufgrund nicht eindeutiger Beschilderung kleinere Probleme. Schließlich erreichten wir Ostende. Die nächste Fähre ging erst einige Stunden später, deshalb beschlossen wir kurzerhand eine kleine Stadtbesichtigung zu machen. Es war durchaus lohnenswert und so gaben wir den Plan auf, über Calais zu fahren. Nach zweieinhalbstündiger Überfahrt landeten wir in Dover. Unsere erste Nacht verbrachten wir auf einem Autobahnrastplatz, wo wir gegen eine Gebühr übernachten konnten. Im Allgemeinen darf man auf der Insel nur zwei Stunden gebührenfrei parken. Erfrischt und ausgeruht durchfuhren wir tags darauf Südengland und beschlossen, südwestlich von Bristol zwei Tage auf einem Campingplatz zu verbringen. Ab Fishguard nahmen wir die Fähre nach Rosslare in Irland. Auf der vierstündigen Überfahrt mussten wir leider das Wohnmobil verlassen, ein Camping an Bord ähnlich wie in der Adria war nicht möglich.
Auf den Spuren der Vergangenheit

In dem von uns verwendeten ADAC-Tour Set werden 10 Tagesreisen ausgezeichnet beschrieben. Vor allem die Nebenstraßen sowie landschaftliche und historische Besonderheiten sind gut dargestellt. Die Tagestouren liegen normalerweise zwischen 109 und 372 km. Bei dem relativ guten und immer besser werdenden Straßennetz stellen diese Distanzen kein Problem dar. Problematischer gestaltet sich der Verkehr auf schmalen Straßen mit Gegenverkehr. Da bleibt man leicht an einem Ast hängen und handelt sich eine Schramme ein. Im Zweifelsfalle lieber stehen bleiben und den Gegenverkehr vorbei lassen, doch die Menschen sind überaus freundlich und hilfsbereit.
Britischer Teil Irlands

Der Besuch des britischen Irlands lohnt sich unbedingt. Wir hatten nun schon tagelang Küsten gesehen, deshalb wichen wir von unserem ADAC-Tour Set ab und entschieden uns für eine Route quer durchs Land. Von Galway fuhren wir Richtung Osten zum Laugh Ree über Clonmacnoise, bekannt durch seine berühmte Klosterruine aus dem 6. Jahrhundert, bis Carrick on Shannon (viel Parkraum am Hafen). Dort erwachten bei uns Erinnerungen an eine einwöchige Hausboottour auf dem Shannon vor 20 Jahren.
Dublin

Dublin darf der Inselbesucher nicht auslassen. Zu Hause wurden wir vor Dieben gewarnt, deshalb suchten wir in Dublin nach einem bewachten Parkplatz - vergebens. Also blieb uns nichts anderes übrig als ohne Bewachung zu parken. Probleme hatten wir keine. Wiederholt übernachteten wir auf Hotelparkplätzen, wo wir vor dem Nachtessen um Erlaubnis fragten.
Gut zu wissen

Es lohnt sich, im Vorfeld die Fährverbindungen und ihre Preise abzuklären.
Die gelbe Linie am Straßenrand ist kein adretter Schmuck zur besseren Markierung, sondern bedeutet: Hier darf man nicht parken. Handelt es sich gar um eine doppelte gelbe Linie, wird das Fahrzeug fast augenblicklich abgeschleppt. Denn die Abschlepper erhalten angeblich Provision.
Das Wetter in Irland ist eine Sache für sich. Mit Regen sollte man in Irland immer rechnen. Es ist daher ratsam, immer eine Regenjacke oder Schirm dabeizuhaben.
Eine gern gepflegte Eigenschaft der Iren ist ihr generelles persönliches Interesse an anderen Menschen – auch an Fremden. „Curious“ sein heißt neugierig sein. Neugierde bedeutet auf der grünen Insel nichts Negatives, sondern steht für Aufgeschlossenheit gegenüber dem Befinden Anderer. Darauf sollte man nicht abweisend reagieren.
Zurück in die Heimat

Auf der Rückreise nahmen wir die preisgünstigere irische Fähre nach Pembroke. Auf der Strecke Bristol - London sind wir bei Abfahrt Nr. 16 nach Salisbury abgebogen um Stonehenge, das steinzeitliche Weltwunder, zu besichtigen. Beeindruckend war auch die Besichtigung der urenglischen Stadt Salisbury mit ihrer einmaligen frühgotischen Kathedrale. Von Dover aus ging es mit der Fähre in 1 ¼ Stunden über den Kanal nach Calais. In Bergues, nahe Dünkirchen, haben wir frei übernachtet. In dem urigen normannischen Lokal "La Taverne" haben wir ein folkloristisches Ambiente vorgefunden und wieder gutes Essen und Trinken genossen. In Luxemburg gab es noch eine Übernachtung, bevor wir letztmals günstig Diesel tankten und Zigaretten kauften, um tags darauf zu Hause zu sein.
Insider Tipps

Der Trend, auf eine gesunde Ernährung zu achten ist auch in Irland angekommen. In regelmäßigen Abständen entsteht ein neuer Health Food Shop und selbst kleine Dörfer haben jetzt einen Farmers' Market. Verkauft werden biologisch-organisch angebautes Gemüse, Wildlachs, Käse aus Rohmilch und Lammfleisch aus natürlicher Haltung.
Jeder Ire hat seinen Stammpub - doch wer sich mal was gönnen will, der trifft sich mit Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern im Hotel. Prosecco im Foyer, Guinness in der Hotelbar. Ebenfalls angesagt: Breakfast Meeting, bei dem man sich am liebsten vom Büfett renommierter Hotelketten bedient.
Traditionelle Musik ist vielerorts nicht mehr hoch im Kurs – nicht so in Irland. Gerade in Pubs werden die alten Melodien oft abends gespielt und das von Jung und Alt. Sogar die uralte Bodhran-Trommel, ohne die die irische Volksmusik nur schwer auskäme, wird dabei verwendet.
Kurioses

Wer bereits London bereist hat, wird "Speakers Corner“ kennen. Auch auf der grünen Insel hat sich diese sehr direkte Form des demokratischen Grundverständnisses mittlerweile etabliert - In Dublin auf dem Temple Bar Square des gleichnamigen Stadtviertels. Dort haben Redefreudige, jeweils sonntags von 14-18 Uhr, Gelegenheit, ihre Meinung frei kund zu tun. Verboten ist nur „foul language“, also obszöne Reden. Wer sich dazu anmelden möchte, braucht sich nur auf einer Schiefertafel einzutragen.
Wichtige Adressen
Deutsche Botschaft Irland
31 Trimleston Avenue
Booterstown
Blackrock
Co. Dublin
germany@indigo.ie
Dublin City Council
Civic Offices
Wood Quay
Dublin 8
customerservices@dublincity.ie
Text: Familie Berroth
Fotos: Pixelquelle.de



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