Über den "großen Teich"

Es gibt Reiseziele, die sind zwangläufig nur mit dem Schiff zu erreichen. Aber auch bei Destinationen auf dem Festland kann eine Fährpassage für Reisemobil- oder Wohnwagen-Gespannfahrer eine lohnenswerte Alternative sein. Immer mehr Caravan-Gespanne und Reisemobile rollen an Bord der faszinierenden Riesenfähren, die zunehmend Kreuzfahrtschiffen ähneln. Nach wie vor beliebt sind die klassischen Ziele; die Inseln Korfu, Sardinien, Sizilien und Mallorca im Mittelmeer sowie England, Irland und Island in Nordsee und Nordatlantik.
Auch lassen sich mit einer Fährpassage jede Menge Zeit, Treibstoff sowie Übernachtungskosten einsparen und unter Umständen auch Stress auf den zur Urlaubszeit teils überfüllten Autobahnen vermeiden. Zwei Tage sind für die 1.200 Kilometer lange Anfahrt von Norditalien nach Griechenland zu veranschlagen. Und vor allem auf der Rückfahrt kann beim Kilometer-Fressen die ganze Urlaubserholung schnell wieder futsch sein. Entscheidet sich der Camper hingegen für die Anfahrt übers Meer, ist er von Venedig aus in rund 30 Stunden am Ziel in Patras.
Mehr als 300 Passagier-Fährstrecken gibt es in Europa und jede Fährgesellschaft hat in Deutschland ein eigenes Buchungsbüro oder ist zumindest durch eine Generalagentur vertreten. Auch Reisebüros und Schiffsreiseagenturen vermitteln Fährpassagen, beraten über die Routenwahl und haben gerade für Einsteiger praktische Tipps auf Lager. Zahlreiche Internet-Portale bieten einen umfassenden Überblick über Routen, Preise und Sondertarife. Der Vorteil: Der Camper kann zu Hause in aller Ruhe die Offerten vergleichen, aktuelle Fahrpläne und Preislisten studieren und anschließend online die Tickets ordern. Zudem: Einige Fährgesellschaften gewähren Rabatte bei der Buchung via Internet.
In der Regel ist die Fahrt mit der Fähre nicht unbedingt viel teurer als die Anreise über Land. Noch einmal das Beispiel Griechenland: Für den Landweg hin und zurück benötigt ein Wohnmobil allein für knapp 420 Euro Sprit. Außerdem schlagen zwei zusätzliche Übernachtungen sowie diverse Mautgebühren zu Buche. Eine Camping-an-Bord-Fährpassage für zwei Personen bei Minoan Lines kostet als einfache Überfahrt circa 520 Euro; ein Caravan-Gespann rund 630 Euro. Während im Internet häufig Hinweise auf Sparmöglichkeiten zu finden sind, sollte man bei telefonischer Buchung und bei Beratung von Fähragenturen und im Reisebüro gezielt nach Rabatten fragen. So kommen Passagiere über 60 Jahre bei den meisten Reedereien häufig in den Genuss von zehn Prozent Rabatt, ebenso viel, wie für Familienbuchungen mit drei oder vier Personen. Bei gleichzeitiger Buchung von Hin- und Rückfahrt gibt es teils bis zu 30 Prozent Ermäßigung. Und Kinder schippern meist zum halben Preis oder gar völlig kostenlos mit in die Ferien.
Je früher man bucht, desto besser – und billiger kommt die Passage. Besonders zu Jahresbeginn lohnt es, auf Frühbucher-Rabatte zu achten. Fährtickets können für die Nebensaison häufig noch bis zum Tag der Abreise geordert werden, für die Hauptsaison besser schon einige Monate im Voraus planen und ordern. Einen guten Überblick verschafft das Internet; www.faehren.de, www.faehrenwelt.de, www.faehren.info oder www.ocean24.de liefern Details und errechnen Preise. Reisebüros verlangen meist Bearbeitungsgebühren. Siehe auch unter Fähren/Links.
Häufig sind Hafengebühren nicht im Preis der Passage enthalten. Deshalb sollten Sie darauf achten, ob der Katalogpreis auch der Endpreis ist. Und Obacht: Auf die Ticketpreise schlagen viele Fährgesellschaften noch Treibstoffzuschläge auf. Deren Höhe variiert und kann für den Fahrpreis bei vier Reisenden im Wohnmobil schon mal bis zu 140 Euro ausmachen.
Je nach Reisedauer und Wetterlage bleibt man an Deck oder im Aufenthaltsraum, wo man in bequemen Pullmann-Sesseln schlummern kann. Mehr Komfort bei Nachtpassagen bieten Zwei- oder Vierbett-Außenkabinen. Bei preiswerteren Innenkabinen verzichtet man auf Ausblick und Tageslicht. Aus Sicherheitsgründen ist das Übernachten in Freizeitfahrzeugen verboten, doch gibt es bei einigen Fähren im Mittelmeer auf seitlich offenen Decks Ausnahmen: Camping an Bord. Die Fahrzeuge erhalten dann Stromanschluss, damit im Kühlschrank der Proviant nicht verdirbt. Gas darf zum Kochen und zur Warmwasserbereitung jedoch nicht benutzt werden. In vielen Häfen erfolgt der Check-In für die Open-Deck-Passagen zuerst. Daher sollten Reisende, die Camping an Bord gebucht haben, schon zwei bis drei Stunden vor Abfahrt am Hafen sein. Genaue Infos liefern jeweils die Buchungsunterlagen, die generell alle wichtigen Details zum Einchecken auflisten. Bei größeren Fährpassagen sollte man gut eineinhalb Stunden vor Abfahrt am Kai sein. Auf kurzen Routen mit häufigen Abfahrten genügt eine halbe Stunde. Zur Orientierung vor Ort veröffentlichen große Reedereien Hafenpläne im Internet oder legen sie der Buchungsbestätigung bei.
Bei der Anfahrt zum Hafen hat jede Reederei ihre Kais gut ausgeschildert. Zunächst parken die Reisenden am Terminal, um wie auf einem Flughafen einzuchecken. Mitarbeiter weisen dann Wohnmobile und Gespanne in eine bestimmte Spur ein. Der Ladeoffizier entscheidet, wo die Fahrzeuge platziert werden. Online-Tickets mit Spezialtarifen gelten nur für eine bestimmte Abfahrt, deshalb verfallen sie meist, sollte das Ablegen der Fähre verpasst werden. Bei Passagen zu regulären Preisen und Anruf bei der Reederei einige Stunden vor der Abfahrt wird jedoch in aller Regel auf dem Kulanzweg umgebucht. Je länger die Passage und je weniger Abfahrten am Tag vorgesehen sind, desto unwahrscheinlicher ist allerdings die kostenfreie Alternative.
Für alle, die sich vor der Seekrankheit fürchten, gibt es eine gute Nachricht: Fähren besitzen Stabilisatoren, welche die Bewegungen des Schiffskörpers weitgehend ausgleichen. Wer seinem empfindlichen Magen nicht traut, beugt mit Kaugummis oder Tabletten gegen Reisekrankheit vor. Empfindliche Naturen sollten sich zudem einen Platz in der Mitte der Fähre suchen, denn dort fallen die Schiffsbewegungen am geringsten aus. Auf Fähren geht es eher relaxed zu. Für Kurzweil sorgen Restaurants und Bars, Boutiquen, Spielbanken und Internet-Cafes, mitunter sogar Swimmingpools, Kinderanimation, Saunen und Fitness-Center.
Text: mit freundlicher Genehmigung des DCHV e.V. (Auszug aus "Copilot 2010")



